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Automobile : Porsche-Aktie über 1.000 Euro

  • Aktualisiert am

Porsche fährt auch an der Börse den meisten davon Bild: ddp

Teure Autos, teure Aktie: Für eine Porsche-Aktie sind inzwischen mehr als 1.000 Euro zu zahlen. Noch profitabler kann das Unternehmen kaum werden, darum werden die Titel immer riskanter.

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          Im Juni wurde Michael Punzet, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, noch belächelt: Er setzte sein neues Kursziel für die Porsche-Aktie ausgerechnet auf 911 Euro - passend zum gleichnamigen Modell des Sportwagenbauers.

          Dieses Kursziel galt vor einem halben Jahr als sehr optimistisch, inzwischen ist es längst überholt. Am Montag übersprang der Kurs sogar die Marke von 1.000 Euro. Am späten Vormittag lagen die Titel 2,9 Prozent im Plus bei 1.014,49 Euro. Damit ist die Aktie einer der kostspieligsten Titel in Deutschland. Seit 2003 hat sich der Kurs in etwa vervierfacht (Isin DE0006937733).

          Goldman Sachs ändert seine Meinung gründlich

          Zum jüngsten Kursplus dürfte eine Studie von Goldman Sachs beigetragen haben. Die Investmentbank stufte die Aktie am Montag von „sell“ gleich auf „buy“ hoch. Das Kursziel, bisher 760 Euro, setzte Goldman Sachs auf 1.100 Euro. Das entspricht einer Anhebung um stolze 45 Prozent.

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          Auch bei den Details zeigt sich, dass Goldman die Einschätzung gegenüber Porsche grundlegend geändert haben muss: Rechnete die Bank bisher mit einem Gewinn je Aktie von 64,52 Euro im laufenden Geschäftsjahr, sind es jetzt 75,11 Euro - ein Plus von mehr als 16 Prozent. Die Gewinnschätzung für das kommende Geschäftsjahr hob Goldman Sachs gleich um 20 Prozent an, das für 2008/2009 sogar um 26 Prozent.

          Porsche-Kurs könnte von VW-Aktie profitieren

          Grund sei die positive Einschätzung der Ertragslage und die Cash-Flow-Grundlage bei VW, schrieb Analyst Stefan Burgstaller in der am Montag veröffentlichten Studie. Der Sportwagenhersteller hält 27,4 Prozent der Anteile an VW.

          Der aktuelle Kurs der Porsche-Aktie scheine die Möglichkeit widerzuspiegeln, eventuell die Kontrolle über den VW-Cash-Flow zu übernehmen, heißt es. Die Analysten erwarten, dass die Porsche-Aktie einem Anstieg der VW-Aktie profitieren wird.

          VW-Beteiligung bietet auch Risiken

          Die Beteiligung an VW bietet gleichwohl nicht nur Chancen, sondern auch erhebliche Risiken. Das gilt vor allem dann, wenn die Schwaben die Norddeutschen komplett übernehmen wollten. Das wäre nicht nur teuer, sondern würde auch die Profitabilität der Sportwagenschmiede verwässern: Die Umsatzrendite von Porsche beläuft sich auf stolze 19,2 Prozent, die von Volkswagen nur auf 1,2 Prozent (siehe auch: Porsche und VW: Viel Phantasie in den Kursen).

          Davor haben auch die Investoren Angst, wie ihre Reaktion Ende vergangener Woche zeigte: Schon am Freitag war der Porsche-Kurs zeitweise über 1.000 Euro geklettert. Doch Gerüchte, Porsche kaufe weitere VW-Aktien, drückten den Kurs wieder unter diese Marke. Porsche dementierte diese Gerüchte später. Der Markt findet die VW-Beteiligung also gut, nur zu groß soll sie bitte nicht werden.

          Nach dem KGV-Kriterium nicht zu teuer...

          Die Porsche-Aktie hat sich in den vergangenen Jahren phänomenal entwickelt. Vor zehn Jahren war sie zeitweise noch für weniger als 70 Euro zu haben, vor fünf Jahren dann für etwa 500 Euro. Allein in den vergangenen zwölf Monaten haben die Titel dann knapp 60 Prozent an Wert gewonnen. Die Kursentwicklung ist fundamental gut untermauert: Porsche hat in den vergangenen zehn Jahren seinen Umsatz mehr als verdreifacht und seinen Nettogewinn fast verzwanzigfacht.

          Trotz der jüngsten Rally scheint die Aktie noch nicht zu teuer zu sein: Trifft die Goldman-Sachs-Prognose zu, beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das laufende Geschäftsjahr akzeptable 13,5. Im Schnitt errechnet sich aus den Analystenschätzungen ein KGV von 14,6 für dieses und 12,7 für das kommende Jahr. Ein Dividendenwert ist die Aktie freilich nicht: Die erwartete Dividendenrendite beträgt nicht einmal ein Prozent.

          ... doch wie profitabel kann Porsche noch werden?

          Nach dem KGV-Kriterium mag die Aktie nicht zu teuer sein, mit dem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) muss man allerdings zu einem anderen Schluss kommen: Es beträgt stolze 2,7 - Porsche ist an der Börse also fast mit dem Dreifachen seines Umsatzes bewertet. BMW dagegen kommt auf ein KUV von weniger als zwei Drittel.

          Porsche muss seine hohe Gewinne also zunächst zumindest halten und in Zukunft weiter steigern, sonst hat die Aktie wohl keine Luft mehr nach oben. Die Rendite kann Porsche nicht mehr bedeutend steigen - mehr als 20 Prozent Umsatzrendite sind in dieser Branche schließlich kaum dauerhaft zu stemmen. Der zusätzliche Gewinn müsste also durch kräftige Absatzsteigerungen kommen. Doch Porsche darf kein Massenprodukt werden, denn das würde der Marke schaden.

          Damit wird tatsächlich VW zum einzig möglichen Kurstreiber bei Porsche. Und dass sich die hohe VW-Beteiligung auf lange Sicht auszahlt, ist noch lange nicht ausgemacht. Die Porsche-Aktie ist auf dem aktuellen Niveau also vor allem eines geworden: riskanter.

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