https://www.faz.net/-gv6-3v10

Automobile : Der Motor der Fiat-Aktie springt nicht mehr an

  • Aktualisiert am

Bild:

Die Fiat-Krise spitzt sich immer mehr zu. Die Aktie des italienischen Autobauers ist inzwischen schon auf den tiefsten Stand seit 1985 abgesackt.

          2 Min.

          Was bedeutet Fiat? Fehler in allen Teilen - sagen böse Zungen. Auf das Unternehmen Fiat angewendet, scheint dieser Spruch jedenfalls nicht so falsch zu sein. Die Krise des Automobilherstellers hat inzwischen Auswirkungen auf die gesamte italienische Wirtschaft.

          Die Fiat-Aktie steckte am Freitag den 15. Verlust in 18 Handelstagen ein und fiel um rund ein Prozent auf 8,20 Euro. Der Schlusskurs von 8,07 am Donnerstag war der niedrigste Stand seit April 1985. Am Freitag war angeblich der Geschäftsklima-Index an den weiteren Abschlägen schuld. Der Index, der auf der Befragung von über 4.000 Managern aus dem produzierenden Gewerbe beruht, fiel im Oktober auf einen Stand von 95,3 von 96,8 im September. Als Grund für den Vertrauensverlust wurde genannt, dass geplante Entlassungen bei Fiat die Sorge schüren würden, die wirtschaftliche Erholung in Italien würde in sich zusammenbrechen.

          Die Lage ist düster

          Was war zuerst da? Die Sorge wegen Fiat, die das Geschäftsklima verschlechtert, oder der weiter fallende Kurs von Fiat wegen des verschlechterten Geschäftsklimas? Egal eigentlich, sowohl für die italienische Wirtschaft als auch für Fiat sind das keine erfreulichen Neuigkeiten. „Das ist eine weitere schlechte Nachricht, die zu den ganzen Problemen dazukommt, die Fiat ohnehin schon hat“, kommentierte Alessandro Bovo, Aktienmanager bei der Banca Popolare di Verona & Novara. „Es gibt keinen Grund, Fiat-Aktien zu kaufen.“

          Wer es trotzdem getan hat, konnte in den vergangenen Jahren fast nur verlieren. Einsamer Höhepunkte war der Kursstand von 43,80 Euro Anfang 1998, seitdem ging es - abgesehen von einem kleinen Zwischenhoch Anfang 2000 - nur noch abwärts mit der Aktie. In diesem Jahr hat das Fiat-Papier schon 55 Prozent eingebüßt und 5,3 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung verloren.

          Entlassungen sollen Restrukturierung einleiten

          Der Autohersteller aus Turin plant 8.100 Entlassung in Italien, das entspricht einem Fünftel seiner Belegschaft. Grund für die Krise sind Umsatzeinbrüche und schwindelerregende Verluste. In der Autosparte werden sich in diesem Jahr wohl operative Verluste von mehr als einer Milliarde Euro auftürmen. Aber auch ansonsten steckt der Wurm in dem Traditionsunternehmen: Der Marktanteil Fiats fiel im September auf den Tiefstand von 28,7 Prozent, die Autos haben einen schlechten Ruf, das Vertrauen in das Management ist dahin.

          Die Optionen für den Fiat-Konzern sind fast erschöpft. Zwei Möglichkeiten stehen im Moment im Raum: Entweder verkauft Fiat seine Autosparte an den amerikanischen Autobauer General Motors oder macht sie selber wieder flott. Sollte das nicht gelingen, ist das Unternehmen so gut wie pleite, denn Fiats Banken haben dem Management mit eben diesen beiden Optionen die Pistole auf die Brust gesetzt: Eine weitere Finanzierungsrunde über drei Milliarden Euro in drei Jahren gibt es nur nach Verkauf oder Sanierung.

          General Motors, Pleite oder Verstaatlichung

          Eine weitere Möglichkeit klingt noch viel weniger verlockend. Der italienische Staat würde am liebsten das Ruder bei Fiat übernehmen - gegen eine ordentliche Finanzspritze. Angeblich könne es sich Italien nicht leisten, den wichtigsten Teil seiner Autoindustrie zu verlieren. So oder so, keine der Lösungen dürfte dem traditionsreichen Familienunternehmen gefallen. Das Heft aus der Hand zu geben scheint genauso inakzeptabel wie nach Amerika zu verkaufen. Obwohl letztere Idee wohl die beste ist, bringt doch die Autosparte ohnehin nur noch 41 Prozent des Umsatzes von Fiat ein.

          Für Investoren ist das Unternehmen jedenfalls völlig uninteressant, in der nächsten Zeit dürfte die Fiat-Aktie maximal für Spekulanten interessant sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.