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Automobilbau : Kurzfristige Schwäche und langfristiger Umbruch

Gehört dem Solarauto die Zukunft? Bild: picture-alliance/ dpa

Nach der Gewinnwarnung von Daimler und dem Riesenverlust von Ford folgen Absatzwarnungen von Honda und Toyota. Flaute herrscht am weltweiten Automobilmarkt. Doch nicht alle Hersteller trifft es gleich hart.

          5 Min.

          Die Berichtssaison aus der Automobilbranche eröffnete recht positiv. VW und Peugeot lieferten gefällige Zahlen. Doch das Glück hielt nur 24 Stunden, dann präsentierte nicht nur Ford einen gigantischen Quartalsverlust, sondern begab vor allem auch der Daimler-Konzern eine Gewinnwarnung.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und zu Wochenbeginn häufen sich die Negativschlagzeilen aus der Branche. Vor allem ausgerechnet aus Asien kommen schlechte Nachrichten, nachdem die japanischen Hersteller lange Zeit hatten dank schwachen Yen und sparsamer Fahrzeuge besonders auf dem amerikanischen Markt hatten glänzen können.

          Honda in der Flaute

          Damit aber scheint es vorbei zu sein. Begonnen hatte alles schon am Freitag, als Honda mit dem Ergebnisausweis für das erste Geschäftsquartal zwar die Erwartungen übertreffen konnte und dank geringerer Kosten für Rabattaktionen in den Vereinigten Staaten und einem guten Absatz in Asien und Brasilien den Nettoüberschuss um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 179,6 Milliarden Yen (rund 1,1 Milliarden Euro) steigern konnte.

          Sackgasse Elektroauto?
          Sackgasse Elektroauto? : Bild: picture-alliance/ dpa

          Doch verharrte der Betriebsgewinn nahezu auf dem Niveau des Vorjahresquartals, vor allem weil höhere Materialkosten fast doppelt so stark belasten wie ursprünglich erwartet. Mithin erwartet Honda für das gesamte Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang um rund 18 Prozent.

          Vor allem aber senkte Honda die weltweite Absatzprognose. Das Geschäftsumfeld sei „extrem hart“, sagte Vize-Chef Koichi Kondo. Statt bis zu 15,3 Millionen Fahrzeuge würden wohl nur 14,5 bis 15 Millionen verkauft.

          Auch Toyota schwächelt

          Am Montag folgte nun auch Japans größter Autobauer, mit einer Senkung des Absatzziels. Statt 9,85 werde man wohl nur 9,5 Millionen Fahrzeuge im laufenden Geschäftsjahr absetzen. Zudem kürzte das Unternehmen auch das Produktionsziel auf 9,5 Millionen von zuvor 9,95 Millionen hergestellten Einheiten. Damit bestätigte das Unternehmen seit Mittwoch kursierende Marktgerüchte.

          Diese ungewöhnliche scharfe Herabsetzung des Absatzziels erfolgt mit Blick auf sinkende Absatzzahlen in Europa, den Vereinigten Staaten sowie in Japan wegen der weltweit gestiegenen Treibstoffpreise.

          Wird China überschätzt?

          Auch in China verlangsamte sich das Absatzwachstum. Und folgt man einer Studie der Unternehmensberatung Bain & Company, so birgt gerade dieser Markt für alle Autobauer noch eine herbe Enttäuschung. Die Autohersteller überschätzten laut einer Studie das Wachstumspotenzial des chinesischen Marktes. Sie müssten sie sich darauf einstellen, 2010 nicht 9,3 Millionen Fahrzeuge, sondern eher rund 7,9 Millionen Fahrzeugen abzusetzen. Das entspricht etwa der Hälfte des Absatzes in Deutschland oder der Kapazität von vier bis fünf Pkw- Werken, so Autoexperte Jörg Gnamm.

          Die Entwicklung sei weniger ein Problem für Premiumhersteller wie Audi, Mercedes oder BMW, die nur vergleichsweise kleine Stückzahlen in China absetzten. Da die hohen Produktionskapazitäten vor allem bei kleinen und mittleren Fahrzeugen aufgebaut würden, treffe dies vor allem Volumenhersteller wie Volkswagen, General Motors (GM) oder eben Toyota.

          Auch der Lkw-Markt ist im Tief

          Schon vor einigen Tagen hatte Carlos Ghosn, Konzernchef von Renault und Nissan davor gewarnt, dass der chinesische Markt hinter den rasanten Wachstumsraten der vergangenen Jahre zurückbleiben könnte.

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