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Auto-Aktien : GM-Krise setzt Autowerte unter Druck

  • Aktualisiert am

General Motors: Rund läuft's schon lange nicht mehr Bild: AP

Die Erholungsrally erhält einen Dämpfer. Der erzwungene Rücktritt des GM-Vorstandschefs Rick Wagoner macht die Autokrise wieder deutlich, erneuert die Sorgen über eine mögliche Insolvenz und belastet die Autowerte weltweit.

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          Die Erholungsrally der vergangenen Tage an den Börsen weltweit erhält am Montag einen kräftigen Dämpfer. Denn über das Wochenende musste der bisherige General Motors-Vorstandsvorstand Rick Wagoner auf Drängen des Weißen Hauses sein Amt aufgeben. Das lässt an den Märkten wieder die Sorgen über eine mögliche Insolvenz des Unternehmens und entsprechender Folgen aufkommen.

          Es gilt als sicher, dass die amerikanische Regierung zumindest kurzfristig weitere Finanzhilfen für die amerikanischen Autobauer Chrysler, General Motors und Ford gewähren wird, allerdings mit der strikten Auflage drastischer kostensparender Maßnahmen.

          Insolvenz noch nicht vom Tisch

          Eine Insolvenz sei nicht vom Tisch, heißt es. Wertpapierhändler halten sie sogar für wahrscheinlich. „Auch wenn das langfristig positiv wäre, dürften Autobauer und Zulieferer aber unter dem Aufruhr leiden, der einer Insolvenz dieser beiden Giganten folgen würde“, warnten sie.

          Solche Erwartungen zeigen sich längst an den Märkten. In Japan mussten die Werte der Automobilunternehmen am Monat massive Kursverluste hinnehmen. Allen voran die Papiere von Mazda Motor, die knapp zwölf Prozent ihres Wertes verloren. Immerhin hält Ford knapp 14 Prozent der Anteile am japanischen Hersteller. Kursverluste zwischen 7,7 und 6,7 Prozent mussten auch die Papiere von Nissan Motors, Isuzu Motors, Suzuki Motor, Yamaha und Honda Motor hinnehmen. Selbst die Aktien von Toyota Motor gaben um 3,7 Prozent nach.

          In Europa setzen sich die Kursverluste fort. Die Aktien von Fiat und Renault verlieren im frühen Handel mehr als vier Prozent, während die Papiere von BMW und Daimler sogar mehr als sechs Prozent nachgeben. Auch in den Vereinigten Staaten dürfte es zu deutlichen Kursrückschlägen kommen, nachdem die technische Erholungsrally der vergangenen Tage unter anderem auch die Papiere von General Motors um satte 150 Prozent nach oben getragen hatte. In Europa verlieren sie 16,5 Prozent ihres Wertes. Die Flut hebt eben regelmäßig auch jene Boote mit den größten Lecks - wenn auch nur vorübergehend.

          Und dazu zählen ohne Zweifel die Aktien von General Motors, Chrysler und in etwas geringerem Ausmaß die Papiere von Ford. Diese Unternehmen waren in den vergangenen Jahren symptomatisch für die Arroganz amerikanischen Automobilmanager und -gewerkschafter. Zusammen haben sie die Zeichen der Zeit verkannt und am Markt vorbei die falschen Produkte zu teuer entwickelt und hergestellt, die trotz massivster finanzieller Anreize immer weniger Käufer fanden. Das führte nicht nur dazu, dass die Unternehmen immer mehr Marktanteile an internationale Konkurrenten wie Toyota verloren, sondern sie waren faktisch auf operativer Ebene schon seit Jahren unprofitabel.

          Amerikanische Autounternehmen sind schon lange im Kern unprofitabel

          Im Rahmen des allgemeinen Liquiditäts-, Konsum- und Verbriefungswahns lebten sie praktisch nur noch von ihren Finanzzierungstöchtern. Und genau die gerieten aufgrund der Kreditkrise unter die Räder und zogen das operative Geschäft in den Abgrund. In den vergangen Quartalen sind die Umsätze bei General Motors förmlich eingebrochen und die Verluste waren riesig. In Summe lagen sie in den vergangenen vier Jahren bei rund 82 Milliarden Dollar. Im laufenden Jahr rechnet der Markt mit einem weiteren Minus von mehreren Milliarden. Gleichzeitig ist Unternehmen völlig überschuldet und ächzt unter der Last ungedeckter Pensionslasten.

          Daran konnte oder wollte Rick Wagoner nichts ändern. Er war mehr als 30 Jahre im Unternehmen in verschiedensten Funktionen beschäftigt und mit verantwortlich für die Misswirtschaft. Betriebsblindheit und die starke Verflechtung in die Entscheidungsprozesse, die das Unternehmen in seine schwierige Lage gebracht haben, ließen entscheidende Schritte zur Lösung nicht mehr erwarten. In diesem Sinne mag der erzwungene Rücktritt Wagoners die Tiefe der Branchenkrise noch einmal richtig beleuchten. Allerdings ist er ein Schritt in die richtige Richtung, da Verantwortliche endlich zur Verantwortung gezogen werden.

          Für Aktionäre und Anleihegläubiger, die sich nicht rechzeitig verabschiedet haben, geht die Zitterpartie weiter. Die Papiere sind und bleiben hoch spekulativ. Es ist zwar wahrscheinlich, dass die Unternehmen in irgendeiner Form weitergeführt werden. Allerdings müssen die Anteilseigner und Gläubiger mit Totalverlusten oder kräftigen Einbußen rechnen. Selbst danach ist unsicher, wie sich die Industrie insgesamt weiterentwickeln wird. Immerhin ist sie zumindest im Moment gekennzeichnet von verhaltener Nachfrage bei gewaltigen Produktionsüberkapazitäten.

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