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Australien : Die Börse in Sydney hat mehr zu bieten als Rohstoffe

In Australien dreht sich viel um die Kohle Bild: REUTERS

Die Aktienkurse an der australischen Börse steigen, obwohl die Zentralbank des Landes die Zinsen erhöht. Grund ist Chinas großer Hunger nach Rohstoffen, von dem Australien profitiert. Aber auch die australischen Banken stehen solide da.

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          Eitel Sonnenschein: Die Hausse am australischen Aktienmarkt läuft. Der Leitindex S&P/ASX 200, der die zweihundert größten börsennotierten australischen Unternehmen abbildet, kletterte zuletzt auf über 4960 Punkte. Im März des vergangenen Jahres, als infolge der Finanzkrise die wichtigsten Börsenindizes auf der ganzen Welt abstürzten, handelte er noch auf einem Niveau von rund 3600 Punkten.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Damit liegt Australien voll im Trend, weil sich auch die Kurse in Europa und Amerika von ihren Krisentiefständen deutlich erholt haben. Das Land unterscheidet sich allerdings insofern, als dort die Zentralbank bereits wieder an der Zinsschraube dreht.

          Teuerer als der Dax

          Erst in dieser Woche hat sie den Leitzins abermals angehoben auf nun 4,25 Prozent. In den Vereinigten Staaten und in der Eurozone wollen die Notenbanken die wirtschaftliche Erholung nicht gefährden und entsagen deswegen Zinsschritten, in Australien steigen Produktion und Aktienkurse, obwohl dort die Leitzinsen nun schon zum fünften Mal seit vergangenem Oktober angehoben worden sind. Sollten Anleger, wenn sie Geld in Aktien stecken wollen, darum nun auf australische Unternehmen setzen? Die Frage ist nicht klar zu beantworten.

          Bild: F.A.Z.

          Australische Aktien sind nicht übermäßig teuer. Das Verhältnis aus aktuellen Börsenkursen und für dieses Jahr erwarteten Unternehmensgewinnen (KGV) beträgt laut Daten des Finanzportals Bloomberg im Marktdurchschnitt etwa 16. Die im Dax notierten Unternehmen handeln demgegenüber mit einem KGV von etwas über 13, kosten gemessen an dieser häufig verwendeten Kennzahl also etwas weniger.

          Allerdings gibt es durchaus Gründe, die einen höheren Preis australischer Titel rechtfertigen. Das Land ist der wichtigste Rohstofflieferant auf der ganzen Welt. China, die in Windeseile wachsende Werkbank der Welt, heizt mit australischer Kohle und schmilzt australisches Erz. Mit BHP Billiton und Rio Tinto sitzen zwei der drei größten Minenkonzerne der Welt in Australien. Der hohe Rohstoffbedarf Chinas treibt den Umsatz beider Konzerne - und ebenso ihre Aktienkurse. Der Kurs von Rio verdoppelte sich innerhalb eines Jahres auf knapp über 80 australische Dollar, der von BHP legte immerhin von 31 auf 45 Dollar zu.

          Zu teuer scheinen die beiden Papiere dennoch nicht zu sein: Nicht einer der bei Bloomberg registrierten Bank-Analysten rät momentan dazu, die Titel der beiden größten australischen Börsenwerte zu verkaufen. Neben einer (weiter) hohen Nachfrage ist zumal die Rohstoffbranche von der zweiten wichtigen Ursache für steigende Aktienkurse getrieben: Übernahmephantasie.

          Mächtige Banken

          Nach einer Studie der Citigroup gab es seit dem Jahr 2000 weltweit über 600 abgeschlossene Fusionen oder Übernahmen in dieser Sparte mit einem Gesamtwert von 515 Milliarden Dollar. Nach Ansicht der Citigroup-Analysten dürfen insbesondere Anteilseigner der australischen Unternehmen Medusa Mining, Riversdale Mining, Whitehaven Coal und Kumba Iron Ore darauf hoffen, dass ihnen jemand ein (üblicherweise deutlich über dem dann aktuellen Kurs liegendes) Angebot macht und sie Kursgewinne einstreichen können. Unlängst gab der chinesische Minenkonzern Hanlong bekannt, für umgerechnet 200 Millionen amerikanische Dollar in das australische Bergbauunternehmen Moly Mines einzusteigen. Wenn es um Australien geht, sind Rohstoffe aber nur das eine.

          Banken sind das andere. Zu den zehn größten Börsenwerten zählen die Commonwealth Bank of Australia, die Australia and New Zealand Banking Group, die National Australia Bank und Westpac. „Der australische Bankenmarkt ist ein enges Oligopol, was alle vier Institute mit einer entsprechenden Marktmacht ausstattet“, sagt Nikolaus Poehlmann, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft DWS. Das mache australische Banken vergleichsweise profitabel. Ihr ins Verhältnis zum Vermögen gesetzter Gewinn betrage rund 1 Prozent, in den Vereinigten Staaten seien es dagegen zwischen 0,5 und 1 Prozent, in Frankreich 0,35 Prozent.

          Die Bankenbranche hat die Finanzkrise glimpflich überstanden. Und auch momentan haben die Institute offenbar keine Probleme, sich in allen möglichen gewünschten Formen zu refinanzieren. „Die Nachfrage nach unbesicherten australischen Bankanleihen ist unvermindert hoch“, sagt Carsten Ringler, Geschäftsführer der auf variabel verzinsliche Anleihen spezialisierten Tass-Wertpapierhandelsbank. Allein: Auch für australische Bankaktien gilt, dass ihre Kurse innerhalb eines Jahres bereits stark gestiegen sind. Wer überlegt, darin Geld anzulegen, sollte davon ausgehen, dass sich die Hausse wahrscheinlich nicht im selben Tempo fortsetzen wird.

          Wie Anleger in Australien investieren können

          Die wichtigsten australischen Aktien sind an deutschen Börsen handelbar, wenn auch häufig nur im Freiverkehr. Angesichts kleiner Umsätze sollten Aufträge mit Kurslimits versehen werden. Von deutschen Privatanlegern geschätzte Spezialitäten sind die Aktien kleiner Minenunternehmen, die Gold, Silber oder Uran suchen oder schon fördern. Anlagen in solchen Aktien weisen aber ein sehr hohes Risiko auf und setzen gute Kenntnisse voraus.

          Eine Alternative zum Kauf von Einzelaktien bietet der Erwerb von Aktienfonds. Zu den größeren Fonds zählt der Fidelity Australia Fund (Isin: LU0048574536), der über die vergangenen 5 Jahre eine jährliche Rendite von 6,9 Prozent ausweist. Über den gleichen Zeitraum erfolgreicher waren unter anderem kleinere Fonds wie der überwiegend in Industriewerte investierte Nestor Australien Fonds (LU0147784119) mit einer jährlichen Rendite von 14,1 Prozent oder der vor allem in Dienstleistungen engagierte Aberdeen Australasian Equity Fund (LU0011963328) mit einer jährlichen Rendite von 11,5 Prozent.

          Sehr verbreitet sind Regionalfonds, die neben Aktien aus Australien und Neuseeland auch Werte aus Ostasien und Südostasien umfassen. Ein Beispiel bildet der Deka Lux-Pazifik (LU0052859252), der über einen Zeitraum von 5 Jahren auf eine jährliche Rendite von 7,7 Prozent kommt. Eine Spezialität für Goldfreunde bildet der 2007 aufgelegte Stabilitas Pacific Gold+Metals Fonds (LU0290140358). Er investiert den Löwenanteil seiner Mittel in australische und asiatische Minenwerte. Zu beachten sind bei diesen aktiv verwalteten Fonds die von den Anbietern verlangten Aufschläge und Gebühren.

          Billiger kommen börsengehandelte Indexfonds (ETF), zum Beispiel der 2009 aufgelegte MSCI Pacific ex-Japan TRN Index (LU0322252338) von DB X-Trackers, der einen Aktienindex mit Werten aus Australien, Neuseeland, Hongkong und Singapur nachbildet.

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