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Ausschüttungen der Unternehmen : Dividendensegen nicht nur für Aktionäre

Bild: F.A.Z.

Neue Zertifikate geben die jährlichen Ausschüttungen der Unternehmen ebenfalls an die Anleger weiter. Und sind in den schwierigen Zeiten besonders wichtig.

          3 Min.

          Fast alle Aktienindizes der Welt weisen in diesem Jahr ein Minus auf. Häufig sind die Kurseinbußen deutlich zweistellig. Daher werden die Ausschüttungen der Unternehmen, die in Deutschland alljährlich vor allem im April und Mai erfolgen, für die Aktionäre immer wichtiger. Denn mit den Kursverlusten sind die Dividendenrenditen der Aktien gestiegen. Dieser Wert errechnet sich aus den gezahlten Dividenden geteilt durch ein Hundertstel des aktuellen Aktienkurses. So manchem Zertifikatebesitzer entgehen allerdings die Ausschüttungen. Mit den neuen Indexzertifikaten von Unicredit ist das anders. Hier werden die Dividenden wie bei Aktien und vielen börsengehandelten Fonds (ETF) regelmäßig ausgeschüttet.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Dividendenrendite im Dax liegt (auf Basis der zuletzt gezahlten Ausschüttungen) aktuell bei rund 4,3 Prozent. Zum Jahresbeginn betrug sie fast 1 Prozentpunkt weniger. Der Index selbst hat seither 18 Prozent an Wert verloren und damit sogar besser abgeschnitten als so manches andere große Börsenbarometer. Einige Aktien wie Versorger gelten gemeinhin als besonders dividendenstark. An der Dax-Spitze liegen denn auch RWE mit einer Dividendenrendite von 11,8 Prozent und Eon mit 8,6 Prozent. Es folgen die Aktien der Deutschen Telekom mit 7,7 Prozent und die Deutsche Post sowie die Munich Re mit jeweils 6,6 Prozent. Insgesamt konnten sich die Dax-Aktionäre in diesem Jahr über Ausschüttungen von rund 25 Milliarden Euro freuen. Für das Jahr 2012 rechnen Marktexperten derzeit mit etwa 26 Milliarden Euro.

          Anders als bei Aktien gibt es bei Zertifikaten verschiedene Varianten, wie mit den Dividenden umgegangen wird. Bei strukturierten Zertifikaten wie Bonuszertifikaten fließen die Dividenden in die Finanzierung von Sicherheitspuffern oder Bonuszahlungen mit ein. Dabei gilt: Je höher die Dividende, desto besser können die Konditionen der Derivate ausfallen.

          Unicredit als weitere Möglichkeit

          Anders ist dies bei klassischen Indexzertifikaten, welche die Kursentwicklung eines Basiswertes eins zu eins nachzeichnen. Hier ist es für Anleger von Bedeutung, auf welcher Art Index die Zertifikate basieren. Handelt es sich um einen sogenannten Perfomance-Index wie den Dax, dann fließen die Dividenden automatisch in die Indexberechnung ein. Bei Kursindizes, wie es der F.A.Z.-Index und die meisten Börsenbarometer auf der Welt sind, werden die Dividenden im Index nicht berücksichtigt. Daher haben die Besitzer von klassischen Indexzertifikaten beispielsweise auf den Euro-Stoxx-50 das Nachsehen. Ihnen entgehen die Dividenden, und das in voller Höhe. Von Vorteil sind Kursindizes wiederum für strukturierte Zertifikate wie Bonuspapiere, da hierdurch - zumindest grundsätzlich - das Sicherheitspolster größer und der Bonus attraktiver werden kann.

          Eine weitere Möglichkeit des Umgangs mit Dividenden bietet nun die italienische Bank Unicredit. Bei diesen Indexzertifikaten werden die Dividenden regelmäßig an ihre Besitzer ausgeschüttet. Die Ratingagentur Scope vergleicht dieses Vorgehen mit den Ausstattungsmerkmalen vieler ETF: "314 der aktuell 874 an der deutschen Börse gelisteten ETF schütten anfallende Dividenden zu festen Terminen an die Anleger aus. Die restlichen ETF reinvestieren diese." Bei Indexfonds gingen die Dividenden - anders als bei manchen Indexzertifikaten - in keinem Fall verloren. ETF auf Performance-Indizes rechneten die Erträge meist wieder dem Fonds an, heißt es bei Scope. Werde ein Kursindex nachgebildet, schütte der ETF-Anbieter die Dividenden aus. Dieses Vorgehen sei für viele Anleger attraktiv, da es eine wichtiges Anlagekriterium sei, regelmäßig Erträge zu erzielen. Die neuen Zertifikate der Unicredit mit endloser Laufzeit auf verschiedene Indizes von Dow Jones sind laut Scope mit solchen Indexfonds vergleichbar.

          Fonds bei Insolvenz geschützt

          Gleichwohl ist dabei vor allem zu beachten, dass Fonds als Sondervermögen bei einer Insolvenz der Bank geschützt sind. Zertifikate hingegen unterliegen dem vollen Emittentenrisiko. Daher ist die Bonität des Instituts wichtig. Das höhere Risiko könne rein rechnerisch auch damit nicht ausgeglichen werden, dass für die Zertifikate keine Managementgebühr anfalle, sagen die Analysten von Scope. Denn die Gesamtkostenquote der ausschüttenden Aktien-ETF liege bei 0,43 Prozent jährlich. Auch die Verzinsung der auflaufenden Dividenden bis zur nächsten halbjährlichen Ausschüttung mit dem Interbankenzinssatz Eonia (aktuell rund 1 Prozent) könne das Bonitätsrisiko nicht wettmachen.

          Die Unicredit-Zertifikate sind seit Ende September auf dem Markt. Sie basieren auf 20 bis 30 dividendenstarken Aktien aus den Regionen Deutschland (Wertpapierkennnummer: HVB5JPD) Frankreich (HV5JPC), Euroraum (HV5JPB) und Europa (HV5JPA). Die Gewichtung der Einzeltitel orientiert sich an ihrer Dividendenrendite. Der Index wird in der Regel jährlich angepasst. Falls aber ein Unternehmen zum Beispiel anders als erwartet keine Dividende zahlt, kann es umgehend aus dem Index entfernt werden wie das Immobilienunternehmen Gagfah, das im Mai durch den Versorger EnBW ersetzt wurde. Im Dow Jones Germany Select Dividend 20 Distributing Index sind die Deutsche Telekom, RWE und Eon, aber auch M-Dax-Werte wie Bilfinger Berger und Deutsche Euroshop vertreten. Damit unterscheidet sich der Auswahlindex vom Div-Dax, der nur die 15 dividendenstärksten Dax-Aktien abbildet.

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