https://www.faz.net/-gv6-xr0j

Ausblick : 2011 wird eine Nervenprobe

  • -Aktualisiert am

Bild:

Die Anlagewelt wird sich weiter spalten: Industrie- versus Schwellenländer, Deutschland versus die Euro-Peripherie und der Rest des Euroraumes. Vor allem aber rechnet die BNP Paribas mit rasch wechselnden Stimmungen an den Märkten.

          Die meisten Banken rechnen in ihren Ausblicken auf das kommende Jahr mit einer Spaltung der Welt. Auch die BNP Paribas macht dabei keine Ausnahme, wenn sie allein schon im Euroraum drei verschiedene Trends ausmacht: Deutschland vorneweg, die Peripherieländer am Schluss und dazwischen das übrige Europa.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese inneren Widersprüche des Euroraums machen den Franzosen Kopfzerbrechen. Denn wie wolle die EZB ihre Geldpolitik gestalten, wenn sie in Deutschland Inflationsdruck und in der Peripherie deflationäre Tendenzen verzeichne? Ein Indiz für diese Auseinanderentwicklung seien die Geschäftsklimaindikatoren. Nach Jahrzehnten der Gleichförmigkeit hätten diese sich mittlerweile deutlich unterschiedlich entwickelt.

          Zweifel an Amerikas Wachstumsmodell

          Mit einem Auseinanderbrechen des Euroraums aber rechnet die BNP Paribas nicht. Dafür seien die wirtschaftlichen und politischen Kosten viel zu hoch. Doch gelte es eine historisch einmalige Währungskrise zu meistern, stünden der Euro doch unter Dauerfeuer, während das Europäische Währungssystem in den achtziger Jahren nur hin und wieder spekulative Attacken auszuhalten gehabt habe. Ein Weiterbestehen setze aber die Finanzierungsunion auf der Basis von Krediten und damit verknüpften wirtschaftspolitischen Auflagen voraus.

          Neben dem Euroraum machen auch die Vereinigten Staaten den Franzosen Sorgen. Der Übergang zur quantitativen Lockerung der amerikanische Geldpolitik sei ein grundlegender Politikwechsel wie es ihn seit dem Beschluss der Nixon-Regierung im Jahr 1971, die direkte Konvertibilität von Dollar zu Gold aufzuheben, nicht mehr gegeben habe.

          Die aus einer Furcht vor der Deflation resultierende Politik berge die Gefahr die Staatsverschuldung schnell steigen zu lassen und der Inflation den Boden zu bereiten. Vor allem aber wecke die Weigerung Amerikas, vorübergehend ein schwaches Wachstum zu akzeptieren, Zweifel an der Nachhaltigkeit des Wirtschaftsmodells.

          Motor Schwellenländer

          International drohe ein Export der amerikanischen Probleme über einen schwachen Dollar, ein Ende der international koordinierten Wirtschaftspolitik und die Gefahr des Rückfalls in den Protektionismus. Das könnte sich auch die Schwellenländer auswirken, obwohl diese für die BNP Paribas auch im kommenden Jahr Motor der Weltwirtschaft bleiben werden, während das Wachstum in den Industrieländern zumindest per saldo weiter unter dem Trend liegen werde.

          Darum rechnen die Franzosen auch auf Anleihen und Aktien aus Schwellenländern gute Chancen zu. Allerdings hänge vom zugrunde liegenden Szenario ab, was nun billig und was teuer sei. So seien Aktien aus diesen Ländern nicht mehr unterbewertet und bärgen so höhere Risiken als etwa Unternehmensanleihen.

          Rascher Szenarienwechsel

          Für sicherheitsorientierte Anleger könnte 2011 eine Nervenprobe werden. Denn die Märkte werden rasch zwischen Extermen hin und her springen, so die Bank. Einerseits würden diese bisweilen dem Szenario vom „neuen Schwung“ zuneigen, höheres Wachstum und weniger Inflation erwarten. In der Folge steige die Risikobereitschaft. Dann wieder werde die Angst vor der Liquiditätsfalle grassieren, einem Rückfall in die Rezession, gepaart mit neuen Deflationssorgen, die eine Hortung der reichlichen Liquidität begünstigt.

          Anleger sollten daher flexibel agieren und sich dezidiert damit auseinandersetzen, welchem Szenario sie zuneigen. Außer auf Schwellenländer setzt die BNP Paribas vorzugsweise auf Unternehmensanleihen und Dividendenaktien. Wer risikoarme Strategien bevorzugt, dem legen die Franzosen Absolute-Return- und Garantieprodukte ans Herz.

          Weitere Themen

          Erste Kunden erhalten Apples Kreditkarte

          Mastercard : Erste Kunden erhalten Apples Kreditkarte

          Mit dem Digitalkonzern Apple und der Investmentbank Goldman Sachs starten zwei Neulinge im Kreditkartengeschäft durch. Ihren Nutzern in Amerika bieten die Kooperationspartner einige Extras.

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.

          FAZ.NET-Serie Schneller schlau : Kind oder Porsche

          Die Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind deutlich später, im Durchschnitt sind sie mittlerweile älter als dreißig Jahre. Wie aber hängt die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad zusammen? Und was kostet ein Kind eigentlich, bis es erwachsen ist?
          Ein Bild von Japans Ministerpräsident Abe wird während einer Demonstration in Südkorea verbrannt.

          Handelskonflikt mit Japan : Südkoreas Angst vor dem Fukushima-Wasser

          Seoul hat Angst vor atomar verseuchter Nahrung aus Fukushima. Deshalb gibt es für Südkoreas Sportler während der Olympischen Spiele in Tokio möglicherweise eine eigene Kantine. Der Konflikt zwischen den Ländern spitzt sich immer weiter zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.