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Ausbau der Infrastruktur : Chinas Aktionäre setzen auf ein neues Konjunkturpaket

Arbeiten in luftiger Höhe: Chinesische Bauarbeiter in Jiaxing Bild: REUTERS

Nach langer Talfahrt ziehen die Aktienkurse in Schanghai wieder an. Aus Vorfreude auf das größte Infrastrukturprogramm seit Jahren greifen Anleger vor allem bei Bauwerten zu. Auch Sany, der Käufer des deutschen Unternehmens Putzmeister, profitiert davon.

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          In China wie überall in der Welt gieren Anleger in diesen unsicheren Zeiten nach beruhigenden Worten, am liebsten von allerhöchster Stelle. Solcherlei kam am Wochenende von Hu Jintao, dem Staatspräsidenten der Volksrepublik und - was noch wichtiger ist - dem kommunistischen Parteichef des autoritären Regimes. Beim Gipfeltreffen der Organisation für Asiatisch-Pazifische Wirtschaftszusammenarbeit Apec im russischen Wladiwostok bekannte sich Hu zum Abbau von Handelsbarrieren und gleichzeitig zum Zurückfahren der Ausfuhrabhängigkeit seines Landes. China ist nicht nur die zweitgrößte Volkswirtschaft, sondern auch der größte Exporteur der Welt.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Etwas anderes machte die Investoren noch hellhöriger und stimmte sie noch zuversichtlicher, dass nämlich Hu seine Apec-Kollegen dazu aufforderte, die Infrastruktur in ihren jeweiligen Ländern auszubauen. Er selbst sagte nicht explizit, dass China mit gutem Beispiel vorangehen wolle, seine Regierung in Peking indes schaffte Fakten. In zwei Stufen kündigte das mächtige Planungsministerium NDRC das größte Infrastrukturpaket der Zentralregierung seit Jahren an. Demnach sollen für den Bau oder die Erweiterung von Straßen, Häfen oder Schienensystemen rund 1000 Milliarden Yuan (123 Milliarden Euro) ausgegeben werden.

          Steilster Anstieg seit acht Monaten

          Es gibt Zweifel daran, dass es sich bei den angekündigten Vorhaben wirklich um neue Projekte handelt, ähnlich wie beim letzten Konjunkturprogramm vor drei Jahren, als die Zentralregierung 4000 Milliarden Yuan (500 Milliarden Euro) mobilisierte, um die Wirtschaft anzufachen. Auf Aktienkäufer aber wirkte schon die Ankündigung befreiend. Zum Wochenschluss kletterte der Shanghai-Composite-Index an der Börse in Schanghai um 3,7 Prozent. Das war der steilste Anstieg seit acht Monaten. In der ganzen Woche betrug die Zunahme rund 4 Prozent, das hatten die Anleger seit Oktober nicht gesehen.

          Am Montag ging der Auftrieb weiter. Zwar nur um 0,3 Prozent auf 2135 Punkte. Aber immerhin war das - nach einer langen schwachen Zeit - der höchste Stand seit Mitte August. Zuvor waren die Kurse immer wieder kräftig in die Tiefe gerauscht. Insgesamt hat der Shanghai Composite seit Jahresbeginn fast 3 Prozent eingebüßt, weil Chinas Wirtschaft deutlich langsamer wächst als erhofft. Die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal betrug 7,6 Prozent.

          Entwicklung der Aktienindizes seit Jahresbeginn

          Was für westliche Ohren viel klingt, war im erfolgsverwöhnten China der schwächste Wert seit drei Jahren, als inmitten der Finanzkrise die Wirtschaft kurz noch schwächer wuchs. Heute ist das Wachstum im Export - einer Hauptstütze der Konjunktur - gebremst. In den größten Märkten für chinesische Unternehmen, der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten, hat es wegen der dortigen Schwächen sogar Einbußen gegeben.

          Anders als in der zurückliegenden Krise konnte der Binnenkonsum die Ausfälle bisher nicht ausgleichen. Das liegt vor allem am vergleichsweise schwachen Immobilienmarkt, der normalerweise einen wichtigen Teil der Anlageninvestitionen und damit des BIP ausmacht. Die Regierung und die von ihr abhängigen Staatsbanken haben den Bau bewusst in Schach gehalten, damit sich der Preisauftrieb und die Spekulationswut legen. Das ist in Teilen geglückt, aber eben auf Kosten eines wichtigen Impulsgebers für die Real- ebenso wie für die Finanzwirtschaft.

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