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Aus- und Fortbildung : Mantel-Spekulation treibt Biltrain-Aktie in die Höhe

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Hartz IV war für Biltrain das Aus Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Arbeitsmarktreformen haben den Weiterbildungsunternehmen das Geschäft erschwert. Vor dem Konkurs stand die Dresdner Biltrain, bis ein Investor einstieg. Doch die Zukunft bleibt weiter offen.

          Konkurse sind an der Börse nicht immer schlecht für's Geschäft. Noch vor wenigen Wochen stand das ostdeutsche Bildungsunternehmen Biltrain vor dem Aus, der Kurs notierte bei 55 Cents. Im November verdoppelte sich die Notierung wieder, nachdem dem Unternehmen Rettung zuteil wurde.

          Biltrain (Bildung und Training) war 1999 noch als AfW Akademie für Weiterbildung zu 24,50 Euro an die Börse gekommen. Zum rechten Highflyer entwickelte sich das Papier nie. Zwar schaffte es im Sommer 2000 noch ein Allzeithoch von 28 Euro, doch dann ging es steil bergab. 2004 ging es unter die Marke von einem Euro, im Juni wurde das Allzeittief bei 53 Cent erreicht.

          Arbeitsmarktreform brachte Geschäftsmodell zum Einsturz

          Die Entwicklung war fundamental durchaus begründbar. Die Umsätze konnte Biltrain in den ersten Jahren noch leicht steigern, in die Gewinnzone aber nicht wirklich vorstoßen. 2002 begann der Niedergang. Die Umsätze fielen erst leicht um sechs, im Folgejahr schon um 20 Prozent. Dabei gab es deutliche Verluste.

          Danach geriet das Unternehmen endgültig ins Trudeln. Ein Geschäftsbericht für 2004 wurde nicht mehr vorgelegt, obwohl „die Geschäftsentwicklung 2004 ... völlig homogen zum Plan verlaufen“ sei. Doch das Unternehmen stolperte über die Arbeitsmarktreformen. Nachdem die Bundesagentur für Arbeit generell die Finanzmittel stoppte, stand der Konzern „vor einer neuen Situation“.

          Bereits zugesicherte Kurse, zu denen Arbeitsplatzgarantien vorlagen, seien völlig überraschend abgesagt worden. Selbst Verträge, die über den 31.12.2004 hinaus geschlossen worden waren, wurden per Jahresende abgebrochen.

          Niederlassungsverkauf nur gegen Aufgeld

          Mit einem vorläufigen Minus von 420.000 Euro wäre man noch gut davongekommen - aber der neuen Situation wurde man nicht Herr. Allen Bemühungen zum Trotz war Anfang Juni die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Im Juli folgte die Konkurswarnung.

          Biltrain bemühte sich einzelne Niederlassungen oder das Gesamtunternehmen zu verkaufen. Doch das gelang nur dadurch, daß draufgezahlt wurde - 170.000 Euro für vier Niederlassungen. Allein das rettete nichts zum Halbjahr war ein Verlust von 1,68 Millionen Euro aufgelaufen - zumal der Einspruch eines Aktionärs gegen den Verkauf fast zum Konkursantrag geführt hätte.

          Die Rettung kam in Gestalt der Übernahme durch die P&T Technology, die als neuer Hauptaktionär eintrat. Das Unternehmen befindet sich ebenfalls gerade in der Umstrukturierung. Der ehemals reine Windparkentwickler will sich zu einem Emissionshaus weiterentwickeln und heißt demnächst EECH Group. Künftig will man auch Kunst- und Immobilienanlagen entwickeln.

          Was ist Biltrain noch wert?

          Eine andere Frage ist, ob das den Kurssprung der Biltrain-Aktie auf 1,20 Euro rechtfertigt. Die Marktkapitalisierung ist mit 1,44 Millionen Euro nicht eben groß. Doch das Geschäftsmodell ist offenbar hinüber und da Biltrain seit dem Jahresbericht 2003 keine Bilanz mehr veröffentlicht hat, ist ungewiß, was seitdem an Schulden aufgehäuft wurde. P&T hat angeblich einen Euro pro Aktie bezahlt. Da der Börsenkurs der Biltrain zwischen Februar 2004 und November 2005 unter einem Euro notiert hat, ist wohl kaum ein großzügiges Pflichtangebot zu erwarten.

          Noch eine andere Frage ist, was EECH aus Biltrain macht. Gerüchten zufolge soll ein Solarunternehmen eingebracht werden. Indes ist EECH ein Projektentwickler bzw. ein Emissionshaus und keine Beteiligungsgesellschaft. Andererseits liegen für die Übernahme außer als Mantel-Spekulation ansonsten Gründe nicht auf der Hand. Doch für eine solche Spekulation braucht es möglicherweise auch einen sehr langen Atem.

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