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Aktienmärkte : Die Angst ist wieder da

Viele Anleger sorgen sich um die Stabilität der Weltwirtschaft Bild: iStock

Die Aktienkurse schwanken wie lange nicht mehr. Anleger sorgen sich um die Konjunktur und den Weltfrieden. Und fürchten Ebola. Die Aktienmärkte warten geradezu auf dramatische Ereignisse.

          Die vergangene Woche an der Börse war nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag verlor der deutsche Aktienindex Dax insgesamt mehr als 400 Punkte und erreichte das tiefste Niveau seit gut einem Jahr, bevor es wieder etwas aufwärtsging. Doch schon an diesem Montag zeigen die deutschen Indizes schon wieder deutlich nach unten.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Amerika flohen die Anleger in so kurzer Zeit aus Aktien in Staatsanleihen, dass Börsianer von einem „Flash Crash“ sprachen. Vor allem aber stieg der Indikator für die Dramatik der Kursschwankungen, der sogenannte Volatilitäts-Index, auf beiden Seiten des Atlantiks auf einen neuen Mehr-Jahres-Höchststand.

          Das alles lässt nur eine Deutung zu: Die Angst ist an den Börsen zurück. „Die Märkte sind nervös geworden“, diagnostiziert Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg. Eine Zäsur bei der Grundbefindlichkeit: Die Euphorie ist der Verzagtheit gewichen – das Gefühl, dass die Stimmung besser als die Lage ist, hat sich ins Gegenteil verkehrt.

          Angst vor Euro-Krise

          Was aber sind die tieferen Ängste, die dahinterstecken? Der „triple dip“ wird immer wieder genannt – die Angst, dass die Wirtschaft in Europa nach 2008/2009 und 2012 zum dritten Mal in die Rezession stürzen könnte. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, hält diese Sorge zwar für übertrieben – gleichwohl meint er, der Rückgang der Aktienkurse in Deutschland sei „ein Stück weit eine Anpassung an die Realität“.

          Angst vor einem neuen Aufflackern der Euro-Krise kommt hinzu. Schließlich gab es vergangene Woche in Griechenland Turbulenzen: Spekulationen über Neuwahlen und den Ausstieg des Landes aus den Hilfsprogrammen ließen die Renditen der Staatsanleihen steigen – sogar über die Grenze von 8 Prozent, die in der Euro-Krise einst als Grenze der tragbaren Last gegolten hatte. Anschließend trug es nicht eben zur Beseitigung aller Befürchtungen bei, dass die EZB bestätigte, Griechenlands Banken durch eine großzügigere Akzeptanz von Sicherheiten zusätzlich zu unterstützen. Selbst wenn die Notenbank versicherte, das habe aber nun auch rein gar nichts mit den aktuellen Turbulenzen zu tun.

          Wirtschaftliche Risiken könnten Hilfeleistungen befördern

          Nicht zuletzt aber verbreiten auch ganz andere, ursprünglich überhaupt nicht wirtschaftliche Weltprobleme eine unbestimmte Angst. Genannt wird von Börsianern oft die Gefährdung des Weltfriedens durch die Konflikte im Irak, in Syrien und in der Ukraine. Zunehmend heißt es aber auch, die Seuche Ebola sorge an den Börsen für eine unheimliche Angst. In Amerika nahm diese in der vergangenen Woche zum Teil panische Züge an. Selbst in Banken wurde spekuliert, ob die Grenzen zu Mexiko wegen der Seuche geschlossen werden könnten – oder ob der Flugverkehr früher oder später zum Erliegen kommt. Und was passiert, wenn die Seuche in den Vereinigten Staaten selbst zum Ausbruch kommen sollte?

          Die bisher konkreteste Studie zu den möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie hat die britische Bank Barclays vorgestellt. Sie kommt zu einem zweigeteilten Ergebnis: Im Augenblick stelle Ebola noch kein „signifikantes Marktrisiko“ für die Weltwirtschaft dar – aber die Gefahr, dass die Krankheit sich weiter ausbreite und dann zu einem solchen werde, dürfe nicht unterschätzt werden.

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