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Asien : Japans Reformbeschlüsse ohne große Kurskraft

  • Aktualisiert am

Den neuen Reformplänen in Japan droht ein bekanntes Schicksal. Nämlich dass sie im Sande verlaufen und die Finanzmärkte nicht aus ihrer Agonie reißen.

          Die Vorfreude ist stets die schönste Freude. Dies gilt vor allem für alles was in Japan passiert. Nach jahrzehntelanger Stagnation in der Wirtschaft wurden die zur Wochenmitte von der Regierung angekündigten X-ten Maßnahmen zur Bekämpfung der Deflation und der Probleme mit notleidenden Krediten im Bankensektor wieder einmal mit Hochspannung erwartet.

          Konkret auf dem Tisch liegen die Vorhaben zwar noch nicht. Doch alles was im Vorfeld der heutigen Bekanntgabe durchgesichert ist, deutet daraufhin, dass den Japanern erneut der Mut für den ganzen großen Wurf gefehlt hat. Wie die Zeitung “Nikkei“ berichtet, enthält das Maßnahmepaket lediglich die Formulierung, den Anteil von Steuerrückforderungen am Eigenkapital der Banken schnell auf das angemessene Höchstmaß zu begrenzen.

          Ursprünglich hatte es die Forderung gegeben, der Anteil dieser Forderungen am Eigenkapital dürfe maximal zehn Prozent betragen. Im Falle einer Finanzkrise will die Regierung dem Bericht zufolge mit den Banken zusammenarbeiten, was auch das Beantragen von Sonderkrediten bei der Bank of Japan für in Not geratene Schuldner einschließe. Notfalls wäre die Regierung bereit, Banken entsprechend den gegenwärtigen gesetzlichen Möglichkeiten zu rekapitalisieren. Als Gegenleistung will die Regierung laut “Nikkei“ allerdings nur eine Reformierung des jeweiligen Managements fordern.

          Zurückhaltende Reaktionen

          Der Tenor erster Reaktionen fiel jedenfalls zurückhaltend und reserviert aus. „Die japanische Politik passt ins Bild, der Knüller fehlt“, so ein Analyst nach einem erstem Blick auf das Programm zu den Banken in Japan. Wirklich Konkretes oder Neues sei erneut nicht herauszulesen, heißt es. Allerdings könne die zusätzliche Liquiditätsversorgung den Druck auf andere Notenbanken zu Zinssenkungen noch einmal erhöhen. Damit könne die Zinssenkungsfantasie international wieder Auftrieb erhalten.

          Allerdings sollten sich Anleger auch fragen, ob Zinssenkungen Wirtschaft und Märkte tatsächlich stabilisieren könnten. “Schließlich saufen die Pferde nicht und die Anleger investieren nicht“, so der Analyst.

          Auch Hiroyuki Kotoku, Fondsmanager bei Tokio Marine Insurance Co. klagt: „Die Reformpläne werden immer weicher und weicher. Sollte die Regierung effektive Reformen weiter bremsen, können die Anleger lange auf die Wende warten und wir tappen unverändert im Dunkel bei der Frage, wo wir investieren sollen.“

          Geldpolitischer Schritt gelassen aufgenommen

          Selbst die bereits bekannte Entscheidung der Bank of Japan (BoJ), die Liquiditätsversorgung der japanischen Wirtschaft auszudehnen, habe den Markt kaum bewegt, sagten Händler. Den Angaben zufolge wird die BoJ das Rückkaufvolumen von Staatsanleihen auf monatlich 1,2 Billionen von bisher 1,0 Billionen Yen erhöhen. Zudem wird die von der Bank vorgehaltene überschüssige Liquidität auf 15 bis 20 Billionen Yen von bisher zehn bis 15 Billionen Yen angehoben.

          Die neun Mitglieder des Geldpolitischen Ausschusses der Notenbank votierten zudem einstimmig dafür, auf diese Weise das für den gleichen Tag erwartete Maßnahmenpaket der Regierung zur Bekämpfung der Bankenkrise und deflationärer Tendenzen zu unterstützen. Marktbeobachter glauben aber wie erwähnt nicht, dass das Paket Reformen enthält, die dem Nikkei am Donnerstag Auftrieb verleihen könnten. Und zum geldpolitischen Schritt sagte David Simmonds, Stratege bei der Royal Bank of Scotland: „Ich glaube nicht, dass irgend jemand glaubt oder annimmt, der Schritt der Notenbank könnte für sich alleine betrachtet die Wirtschaft entscheidend stimulieren.“

          Tristesse allerorten

          Auch am Devisenmarkt geben sich Beobachter keinen großen Hoffnungen hin. Marktteilnehmer erwarten von der Veröffentlichung der Bankreformpläne wenig Impulse für die japanische Währung. Ein Händler prognostiziert zwar einen leicht schwächeren
          US-Dollar bei 120/121 Yen. Mehr Verstaatlichung des japanischen Bankgewerbes werde mittel- und langfristig aber auf keinen Fall von nutzen sein, so das Urteil.

          Den Reaktionen nach zu urteilen, wird Japans Wirtschaft und damit auch die Finanzmärkte weiterhin von Agonie begleitet werden. Gegen eine grundlegende Trendwende spricht auch die Prognose der BoJ, wonach auch im Jahr 2003 mit einem Anhalten der Deflation zu rechnen sei und das wirtschaftliche Umfeld weiter zahlreiche Risiken berge.

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