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Asien : Hände weg vom indonesischen Markt

  • Aktualisiert am

Der indonesische Aktienindex verliert zehn Prozent Bild: dpa

Nach dem Terroranschlag auf Bali reagiert der indonesische Aktienmarkt heftig. Die Tourismusbranche muss das Schlimmste befürchten.

          3 Min.

          Die weltweit sechstbeste Performance seit Jahresbeginn konnte der Jakarta Composite Index vorweisen. Aber das war vergangene Woche. Nach dem blutigen Bombenanschlag auf eine Diskothek auf der indonesischen Insel Bali am Wochenende verlor der Index über zehn Prozent und sackte von 376 Punkten auf 337 Punkte ab. Über das Jahr gesehen ist der Index nun 0,5 Prozent im Minus.

          Der größte Tagesverlust seit vier Jahren hat den Jakarta Composite Index (JSX) auf den niedrigsten Stand seit Frühjahr 2001 geführt. Im Vergleich zur Performance der großen europäischen und amerikanischen Indizes klingt das recht harmlos, aber der Anschlag könnte eine Kettenreaktion ausgelöst haben. So befindet sich der JSX schon seit Mitte Juni dieses Jahres in einem klaren Abwärtstrend, die Höchststände lagen im Mai und Juni bei fast 550 Punkten.

          Der Weg nach unten scheint vorgezeichnet

          Abwärtspotenzial ist also in großem Maße vorhanden, während nichts für eine Trendumkehr spricht. „Die Situation ist sehr ernst und ein Absacken beim Index auf 300 Punkte in mittelbarer Zukunft scheint nicht unrealistisch“, erklärte Erwan Teguh Teh, Analyst bei PT Danareksa Securitas. Die Terroranschläge dürften die wirtschaftlichen Probleme Indonesiens erheblich verstärken.

          Kursverlauf des Jakarta Composite Index in den vergangenen zwölf Monaten.
          Kursverlauf des Jakarta Composite Index in den vergangenen zwölf Monaten. :

          Die indonesische Regierung hatte in diesem Jahr ein Wachstum von vier Prozent und von 5,5 Prozent im kommenden Jahr erwartet. Da die Tourismusbranche aber mit 5,5 Billionen Euro fünf Prozent zum Bruttosozialprodukt beisteuert und acht Millionen Menschen beschäftigt, dürften diese Wachstumspläne nicht aufgehen. Schon kurz nach dem Anschlag flogen die ersten Touristen in ihre Heimatländer zurück, von Reisen in die Region wird abgeraten. Die amerikanische Regierung rät den 10.000 in Indonesien registrierten Amerikanern dazu, das Land zu verlassen. Nach der Asienkrise ist das erneut ein schwerer Schlag für den Tourismus in der Region, der als Wachstumsmotor angesehen wird.

          Indonesische Notenbank stützt die Rupiah

          Auch die indonesische Rupiah (IDR) bekam die Folgen des Bombenattentats zu spüren. Sie eröffnete am Montagmorgen bei 9.300 IDR je Dollar, nachdem am Freitag noch ein Kurs von 9.010 IDR gehandelt worden war. Die indonesische Notenbank intervenierte daraufhin in einem geschätzten Umfang von 15 bis 20 Millionen US-Dollar und korrigierte den Kurs auf etwa 9.250 IDR. Händler meinten aber, dass die Notenbank nicht über ausreichende Devisenreserven verfüge, um bei weiterem Verkaufsdruck gegenhalten zu können. Die Rupiah war vor dem Anschlag hinter der Norwegischen und der Isländischen Krone in diesem Jahr die bislang härteste Währung gegenüber dem Dollar.

          Gegenwärtig kämpft Indonesien mit einem Budgetdefizit von 4,3 Billionen Dollar, das nur durch ausländische Investoren und Hilfen gestopft werden kann. Schon vor dem Anschlag waren die Investitionen aus dem Ausland in den ersten neun Monaten des Jahres um elf Prozent rückläufig im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Sicherheitsbedenken könnten nun dazu führen, dass Investitionsvorhaben in Indonesien auf Eis gelegt werden - gerade auch im Tourismussektor - und Gelder abgezogen werden.

          Ausländisches Kapital fließt ab

          Die ersten Fondsmanager kündigten bereits eine Reduzierung ihres Engagements in indonesischen Werten an, so zum Beispiel Ean Kiam, Fondsmanager bei Credit Agricole Asset Management in Singapur. Händler beobachteten auch vereinzelte Umschichtungen aus Indonesien in Bankenwerte aus Singapur, das nun als sicherer Hafen angesehen werde. Unter der schwächeren Rupiah litt vor allem PT Astra International, der größte Autobauer Indonesiens. Die Aktie brach um elf Prozent ein. Das Indexschwergewicht PT Telekomunikasi rutschte sogar 17 Prozent ab, PT HM Sampoerna, der zweitgrößte Tabakkonzern des Landes, büßte zwölf Prozent ein.

          Für Ende Oktober ist ein wichtiges Treffen mit internationalen Geldgebern wie zum Beispiel der Weltbank geplant, bei dem über weitere Kredite für Indonesien beraten werden soll. 2001 bekam das Land 3,14 Billionen Dollar zugesprochen. Die Höhe der diesjährigen Finanzspritze wird wahrscheinlich eine entscheidende Rolle für den Umgang mit der aktuellen Krise spielen. Das Treffen wird auf jeden Fall stattfinden, betonte ein Sprecher der Weltbank. Unterdessen versuchte der Wirtschaftsminister Indonesiens am Montag bei einem Treffen mit in- und ausländischen Investoren, die schlimmsten Befürchtungen zu zerstreuen.

          Keine Gründe mehr, auf Indonesien zu setzen

          Der Erfolg solcher Maßnahmen ist mehr als zweifelhaft, Sicherheitsversprechen sind pure Rhetorik. Weitere Anschläge würden den Jakarta Composite Index extrem schwer treffen, aber auch ausgehend von der aktuellen Lage sind weitere Kursstürze zu befürchten. Da die Wachstumsimpulse der Wirtschaft zudem stark bedroht sind, gibt es im Moment kein triftiges Argument, Indonesien als Investment-Gelegenheit in Betracht zu ziehen. Ein schnelles Abziehen von vorhandenen Engagements könnte weiteren Schaden verhindern.

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