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Argentinien-Krise : Scharfe argentinische Kritik am IWF

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Die Stimmung in Argentinien ist gereizt, auch bei den Politikern. Dem IWF wird mangelndes Verständnis der Lage vorgeworfen.

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          Der stellvertretende argentinische Wirtschaftsminister Jorge Todesca hat scharfe Kritik am Internationalen Währungsfonds (IWF) geübt und diesem mangelndes Verständnis für sein in einer schweren Finanzkrise steckenden Land vorgeworfen.

          Die Regierung in Buenos Aires arbeite sehr hart an einem schlüssigen Konzept, um die
          schwere Rezession in den Griff zu bekommen. „Wir brauchen keine IWF-Beamten, die uns alle zwei Minuten erzählen, welchen Kurs wir einschlagen sollen, und dies aus 10.000 Kilometer Entfernung tun, ohne die Situation gut zu kennen“, sagte er am Samstag in einem Interview.

          Vorerst keine neuen IWF-Kredite

          Am Freitag hatte die stellvertretende IWF-Direktorin Anne Krueger öffentlich Zweifel an der Wirksamkeit des von der argentinischen Regierung beschlossenen dualen Währungskurssystems geäußert. Außerdem sagte sie, die bisherigen Informationen über den neuen Wirtschaftskurs reichten nicht aus, um Gespräche über Finanzhilfen aufzunehmen. Argentinien kann daher zunächst nicht mit wieteren Krediten des IWF rechnen.

          Am gleichen Tag war der Peso am ersten Tag seiner Freigabe erneut im Verhältnis zum US-Dollar abgerutscht. Die argentinische Landeswährung wurde in Buenos Aires mit rund 1,70 zu einem Dollar notiert. Dieser Wert lag deutlich unter dem offiziellen Umrechnungskurs von 1,40.

          Allerdings hatten Beobachter teilweise ein noch tieferes Abgleiten des Pesos erwartet.
          Am Freitag protestierten tausende Argentinier in Buenos Aires zum Teil gewalttätig gegen die Finanzpolitik der Regierung und forderten, mehr Geld von ihren Konten abheben zu dürfen, als dies nach der jüngsten Verfügung möglich ist. Die Polizei feuerte Tränengas und Gummigeschosse auf die Menge, es gab allerdings keine Berichte über Verletzte.

          Erste Proteste seit Duhaldes Amtsantritt

          Es waren die ersten großen Proteste seit dem Amtsantritt von Präsident Eduardo Duhalde am 2. Januar. Die Regierung will mit ihren Maßnahmen nach der Abwertung des Pesos einem weiteren Verfall der argentinischen Währung vorbeugen.
          Für den Devisenumtausch von Privatleuten gilt daher ein freier Peso-Kurs, für den Außenhandel wurde ein Verhältnis von 1,40 Peso für einen Dollar festgelegt. Die bisherige Eins-zu-Eins-Bindung an den Dollar war 1991 beschlossen worden.
          Diese Kopplung hatte die damalige Hyperinflation gestoppt, in den vergangenen Jahren aber zunehmend zu Wettbewerbsnachteilen für die Exportindustrie geführt. Die Rezession in Argentinien dauert seit fast vier Jahren an.

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