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Arabische Finanzspritze : Kurzfristiger Impuls für die Daimler-Aktie

  • Aktualisiert am

Stern über Arabien Bild: dpa

Der arabische Fonds Aabar steigt mit 2 Milliarden Euro bei Daimler ein und wird damit größter Anteilseigner. Die Anleger freuen sich, die Aktie des krisengeplagten Automobilherstellers gewinnt deutlich an Wert. Doch die Aktie ist hoch bewertet.

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          Der krisengeplagte Automobilkonzern Daimler bekommt einen neuen Großaktionär, und die Anleger frohlocken: Nach Handelsstart am Montag legt der Kurs der Daimler-Aktie um bis zu 8 Prozent zu. Dem Dax beschert dies ein Monatshoch. Allerdings bröckelten die Kursgewinne der Daimler-Aktie rasch ab. Dennoch liegt sie mehr als 3 Prozent im Plus.

          Am Sonntag hatte Daimler vermeldet, dass sich das Unternehmen mit dem Staatsfonds Aabar aus dem Emirat Abu Dhabi ein zweites Emirat als Aktionär ins Haus geholt hat. Investoren aus Kuwait halten bereits einen Anteil an Daimler in Höhe von 7,6 Prozent.

          Elektroautos im Visier

          Jetzt rückt die Investmentgesellschaft Aabar zum größten Einzelaktionär bei dem Stuttgarter Automobilkonzern auf. Für den Einstieg erhöht Daimler das Grundkapital um 10 Prozent, die neu ausgegebenen Aktien gehen zum Preis von 20,27 Euro an Aabar. Das entspricht einem Abschlag von 5 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Daimler fließen 1,95 Milliarden Euro an neuem Eigenkapital zu.

          Bild: F.A.Z.

          Die Zusammenarbeit zwischen Aabar und Daimler soll sich auf die Entwicklung von Elektroautos sowie Verbundwerkstoffen für die Automobilproduktion konzentrieren. Die Kooperation verschaffe dem Unternehmen „zusätzliche Flexibilität für Investitionen in innovative Fahrzeugtechnologien in einer Zeit, die durch wirtschaftliche Unsicherheit“ geprägt sei, hieß es.

          Stärkung in schwieriger Zeit

          Der Einstieg der Araber kommt in einer Zeit, in der wegen der Wirtschaftskrise die Daimler-Anteile günstig zu haben sind. Der Kurs der Daimler-Aktie hat sich innerhalb eines Jahres halbiert.

          Mit dem Einstieg der Investoren aus Abu Dhabi werden 16 Prozent des Daimler-Kapitals in den Händen von langfristigen Anlegern liegen. Anders als etwa BMW hat Daimler keinen starken Familienaktionär, der die Unabhängigkeit wahrt. Wegen des rasanten Kursverfalls der Aktie befürchtete Daimler zuletzt, dass aggressive Investoren sich beim Unternehmen günstig einkaufen und versuchen könnten, das Lkw-Geschäft abzutrennen. Nun wird Daimler weniger anfällig für feindliche Übernahmeangriffe sein.

          Daimler kann zudem mit der Finanzspritze in einer schwierigen Zeit seine Bilanz stärken. Die Automobilindustrie steckt in einer der größten Krisen, die die Branche jemals erlebt hat. Sinkende Autoabsätze führen zu hohen Verlusten und haben bei vielen Herstellern zu Kurzarbeit geführt. Daimlers Autoverkäufe in Europa - dem wichtigsten Markt für Daimler - sanken im Februar um 18 Prozent.

          Der Mittelzufluss (Cashflow) ging um 76 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurück . Die Ratingagentur Moody´s erwägt, das Kreditrating von Daimler zu senken. Per Ende 2008 betrug die Eigenkapitalquote nach Daimler-Angaben konzernweit 24,3 Prozent.

          Kreative Ansätze notwendig

          Gute Nachrichten also aus Sicht der Anleger, die den Aktienkurs am Montag nach oben treiben. Dennoch steht der Automobilkonzern vor enormen Problemen, und diese werden in Zeiten der Rezession auch weiter bleiben.

          Dass die neuen Investoren keinen Aufschlag bezahlt haben sowie der Ausschluss der bestehenden Aktionäre von der Kapitalerhöhung, verstärkt nach Ansicht der Analysten der UBS die Sorgen hinsichtlich der finanziellen und strategischen Position des Unternehmens. Die Transaktion zeige zudem, dass die Notwendigkeit für kreative Ansätze bestehe, da die Nachfrage bei den bestehenden Aktionären für eine Kapitalerhöhung ohne strukturelle Änderungen begrenzt sei.

          Im Juni hatte Daimler angekündigt, eigene Aktien im Wert von 6 Milliarden Euro zurückzukaufen. Damals notierte der Wert bei 45 Euro. Im Oktober stoppte Daimler wegen der sich verschärfenden Finanzkrise das Programm.

          Hoch bewertet

          Auf Basis der Analystenschätzungen ist die Daimler-Aktie für das laufende Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 28 und für das kommende Jahr noch mit 13 bewertet. Das ist angesichts der Branchenkonjunktur sehr viel. Es setzt zudem voraus, dass nicht nur der Umsatz 2010 wieder stiegt, sondern auch einen Anstieg des operativen Gewinns von mehr als 40 Prozent. Diese Prognosen wollen erste einmal erreicht sein.

          Technisch bewegt sich der Aktienkurs nach dem Anfang März erreichten Allzeittief von 17,44 Euro derzeit wieder im Band zwischen 20 und 28 Euro. Darüber hinaus sollten sich Anleger auch keine allzu großen Hoffnungen machen.

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