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Apple vs. Samsung : Samsung-Aktie könnte jetzt ein Kauf sein

Die feindlichen Brüder Bild: AFP

Das Urteil für Apple sieht aus wie eine Niederlage von Samsung: tatsächlich könnten beide am Ende die Sieger gegen den Rest der Branche sein.

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          Es ist eine nachrichtenschwache Zeit an den Börsen. Die spärlichen Nachrichten erhalten daher größeren Stellenwert. Obwohl man über den Patentkrieg zwischen Apple und Samsung nicht sagen kann, dass er unbedeutend sei.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und so kommt es am Montag, wie es kommen musste. Der Kurs der Samsung-Aktie fiel nach dem verlorenen Patentprozess gegen Apple in Seoul deutlich um mehr als 7 Prozent. Die Südkoreaner müssen, nachdem amerikanische Geschworene die Verletzung mehrerer Patente für iPhone und iPad durch zahlreiche Samsung-Geräte festgestellt haben, Apple Schadenersatz von zunächst rund 1,05 Milliarden Dollar leisten. Die Patentvorwürfe von Samsung an Apple wiesen die Geschworenen hingegen komplett ab.

          Auf dem Weg zum Oligopol?

          Was sich auf den ersten Blick wie eine komplette Niederlage aussieht, muss keine sein. Denn Samsung und Apple sind im Grunde so etwas wie die feindlichen Brüder, über die es dann heißt: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“ Denn während sich die Konzerne auf vier Kontinenten vor Gerichten bekriegen, ist gleichzeitig Apple der größte Kunde vom Samsung und sorgte immerhin für 9 Prozent des Umsatzes im vergangenen Rekordquartal.

          Das schafft wechselseitige Abhängigkeiten und könnte dann dazu führen, dass sich die beiden rasch zu Lasten der anderen, kleineren Hersteller einigen. So klagt Apple auch gegen den Hersteller HTC aus Taiwan. Ein Verkaufsverbot für Samsung-Produkte in Amerika könnte wegweisend sein für den Prozess gegen HTC.

          Wie grotesk sich der Kampf Samsung gegen Apple ausnimmt, zeigt ein jüngstes Urteil ausgerechnet aus Samsungs Heimat Südkorea: Hier fliegen nach Informationen der PC Welt infolge eines Patenturteils sowohl Apples iPhone 3 GS, iPhone 4, iPad und iPad2 als auch Samsungs Galaxy S1 und S2, Tab und Tab 10.1 aus den Regalen. Noch ein Grund mehr für beide Unternehmen sich zu einigen.

          Wettbewerbstheorie spricht für Friedensschluss

          Das hätte sogar einen volkswirtschaftlichen Hintergrund. So ist die Wettbewerbsintensität in einem Duopol theoretisch am größten - das zeigt sich im hitzigen Kampf vor den Gerichten. Da aber beide vom Frieden mehr profitieren, wird sie praktisch früher oder später äußerst niedrig sein, namentlich dann wen das Oligopol von weiteren Unternehmen kaum noch bestreitbar ist.

          Bild: FAZ

          Letztlich erscheint der ganze Patentkrieg irgendwie lächerlich. So gilt als das Hineinzoomen in einzelne Inhalte durch doppeltes Antippen als Patent- Verletzung. Da dürfte man wohl noch eher Apple vorwerfen, den Doppelklick von Microsoft patentiert zu haben. Könnte es dann auf den Windows-Rechnern bald mit dem Doppelklick vorbei sein, falls Bill Gates in den Achtzigern darauf kein Patent eingereicht hat? Man fragt sich so einiges.

          Charttechnische Lage setzt Fragezeichen

          Analysten rechnen jedenfalls nicht mit größeren nachteiligen Auswirkungen für Samsung. Nicht weniger als 16 Experten gaben seit Freitag neue Anlageempfehlungen für die Aktie ab. Alle lauten „kaufen“. Bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 8,4 für das laufende und 7 für das kommende Jahr erscheint diese derzeit auch fundamental eher günstig. Apple ist dagegen mit KGVs von mehr als 15 bzw. 12,6 doch deutlich höher bewertet.

          Bild: F.A.Z.

          Insofern könnte der Kursrutsch vom Tage eine Einstiegsmöglichkeit sein, nachdem die Samsung-Aktie von ihrem Allzeithoch 1,41 Millionen Won vom 2. Mai schon vorher zurückgekommen war. Die Reaktion vom Tag hat den Kurs im Grunde in den Bereich zurückgeführt, in den die Notierung danach abgestiegen war und von dem sie sich zuletzt wieder erholt hatte. Indes ist die charttechnische Entwicklung derzeit etwas unsicher. Ein Unterschreiten des jüngsten Tiefs bei 1,091 Millionen Won wäre ein Alarmzeichen und könnte einem Rückfall unter die Marke von 1 Million Won vorangehen.

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