https://www.faz.net/-gv6-78n0m

Apple : Vom Wachstums- zum Substanzwert

  • Aktualisiert am

Apple: Derzeit schmeckt er nicht jedem Bild: dpa

Manche Dinge brauchen etwas länger, bis sich Anleger an sie gewöhnen. Dazu gehört auch die Veränderung, die der Apple-Konzern derzeit durchläuft.

          3 Min.

          Jahrelang galt Apple an der Börse als grandioses Wachstumsunternehmen. Mit immer neuen Produkten schien es zu überraschen, die die Welt zwar nicht neu erfanden, aber vorhandenes besser machten und herkömmliche Elektronikprodukte in eine Lebensgefühl verwandelten.

          Hatte irgendjemand geglaubt, dies würde ewig so bleiben? Zum einen ja, denn Aktienkäufer möchten glauben, sichert es doch den Traum von ewig steigenden Kursen. Zum anderen nein, denn das ist schlicht nicht möglich und widerspricht jeder Logik: Kein Unternehmen bleibt der ewige Dauer-Innovator.

          Solider Elektronikkonzern

          Willkommen also zur neuen Apple, einem erfolgreichen großen Elektronikkonzern, dessen Computer, Tablet-PCs und Smartphones weltweit gefragt sind. Der Absatz des iPhones ist im zweiten Quartal um 6,6 Prozent gestiegen, der Absatz des iPads übertraf mit 19,5 Millionen Stück die Prognosen um mehr als 5 Prozent.

          Der Gewinn ist in diesem Quartal gesunken, auch gegenüber dem Vorjahresquartal. Aber Apple hatte kein neues Hype-Produkt am Start wie seinerzeit. Auch das gehört eben zur neuen Apple, daran muss man sich gewöhnen.

          Von der goldenen zur silbernen Ära

          Aber wie immer wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Was war nicht alles über einen Einbruch der Verkaufszahlen des iPhones spekuliert worden. Das sei ein sich selbst verstärkender Prozess gewesen, heißt es. Da es keine fundierten Gerüchte über Innovationen gab, nahm man an es gäbe keine. Da einige Zulieferer über eine schwächere Nachfrage berichteten, preisten die Anleger gleich mal einen Zusammenbruch ein.

          Glaubte eigentlich ernsthaft jemand, dass von heute auf morgen alle Käufer mit fliegenden Fahnen zur Konkurrenz wechseln würden? Im Grunde weinen die Anleger lediglich den „Goldenen Zeiten“ nach, als Steve Jobs noch die Geschicke des Unternehmens leitete. Sein Nachfolger Tim Cook kann damit nur ein Symbol des Untergangs sein.

          Betrachtet man die Fundamentaldaten, so ergibt sich ein anderes Bild. Selbst auf Basis der Analystenschätzungen ist die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 9,5 für das laufende und 8,5 für das kommende Jahr bewertet und damit nicht teuer.

          Wachstumsschwäche, Margendruck

          Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Die Umsatzprognose für das laufende Quartal liegt unter den Analystenerwartungen. Die Konkurrenz durch preisgünstigere Android-Produkte schlägt sich sowohl in der Umsatzentwicklung, als auch in den Gewinnmargen nieder. Die Produktionskosten sind gestiegen, die Bruttomarge ist auf 37,5 von 47,4 Prozent gefallen, wird weiter auf 36 Prozent sinken und damit niedriger ausfallen als von Analysten mit 38,7 Prozent prognostiziert. „Langsameres Wachstum, Wettbewerb und Margendruck - um all das machen sich die Leute Sorgen“, sagte Shaw Wu, Analyst bei Sterne Agee & Leach, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Und angeblich gibt es jetzt auch noch Probleme bei der WLAN-Verbindung der Apple-Box fürs fernsehen, Apple-TV.

          Samsung hat derzeit den besseren Ruf. Mit seiner Strategie zahlreiche Produkte auf den Markt zu bringen und damit nicht auf Marken-Image, sondern allein auf Nützlichkeit zu setzen, ist der Konzern derzeit erfolgreicher. So habe Samsung Apple jüngst einfach mit einem größeren Bildschirm die Schau gestohlen, sagt etwa Laurence Balter, Analyst bei Oracle Investment Research.

          Samsung besser im Massenmarkt

          Möglicherweise hat Apple also ein ganz anderes Anpassungsproblem: Seine Produkte profitierten vom Charakter des Status-Symbols, des Marken-Images. Doch mittlerweile sind Smartphones ein Massenprodukt und damit hat es diesen Charakter verloren. Tablets sind nichts Innovatives mehr: Wer jetzt noch keines hat, kauft sich vielleicht mal eines zum Ausprobieren von Billigherstellern wie Odys für 75 Euro. Apple fängt nicht unter 300 Euro an.

          Zu guter Letzt ist die Samsung-Aktie derzeit mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von etwas mehr als 7 für das laufende und 6,5 für das kommende Jahr derzeit auch noch billiger. Ihr Kurs-Cashflow-Verhältnis liegt unter 5, das von Apple bei mehr als 6 und selbst der Buchwert ist niedriger.

          Die neue Substanz-Aktie

          Punkten kann Apple derzeit kurioserweise daher vor allem mit einer Dividendenrendite von 3 Prozent gegenüber 0,7 für Samsung. 55 Milliarden Dollar mehr als ursprünglich vorgesehen will der Konzern bis Ende 2015 ausschütten. Dazu soll eine Anleihe begeben werden. Zudem weitet das Unternehmen sein Aktienrückkauf-Programm um 50 Milliarden auf 60 Milliarden Dollar aus.

          Der Kurs der Apple-Aktie legte an der Nasdaq am Dienstagabend um 1,9 Prozent zu, gab aber nachbörslich wieder um 0,5 Prozent nach. In Deutschland steigt der Kurs um 0,7 Prozent, was in etwa dem Nettoanstieg in Amerika entspricht. Technisch besteht die Hoffnung, dass sich der Aktienkurs an der Unterstützungslinie fängt, die er jetzt erreicht hat.

          Dafür spricht auch, dass Apple durch die Vielzahl an Leistungen, die exklusiv nur in der Apple-Welt zu nutzen sind eine Kern-Kundschaft hat, die ihr einen soliden Erlösstrom sichert. Das betont auch die Rating-Agentur Moody’s, die das Unternehmen im Hinblick auf die geplante Emission mit der zweithöchsten Bonitätsnote „Aa1“ beurteilt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Frei, aber nicht begnadigt: Roger Stone.

          Mehrjährige Haftstrafe : Trump bewahrt Ex-Berater vor dem Gefängnis

          Der Ex-Wahlkampfberater Roger Stone wurde im Zuge der Russland-Affäre zu über drei Jahren Haft verurteilt. Nun ist er ein „freier Mann“ - dank seines langjährigen Freundes Donald Trump. vor dem Gefängnis= Washington, 11. Jul (Reuters) - US-Präsident Donald Trump bewahrt seinen zu einer ...

          Hochwasserschutz in Venedig : Mose gegen das Meer

          Sie hat sechs Milliarden Euro verschlungen und war Teil eines monumentalen Korruptionsskandals: Die riesige Anlage mit dem Namen des Propheten soll Venedigs Altstadt vor den Fluten schützen und ist so gut wie fertig. Dass sie auch funktioniert, bezweifeln aber viele.

          Bidens Wirtschaftspolitik : Mit Trump-Rhetorik gegen Trump

          Präsidentschaftskandidat Biden skizziert sein Wirtschaftsprogramm: Wie sein Rivale will er mit Protektionismus begeistern – und er verschärft seinen Anti-Wall-Street-Populismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.