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Apple : Der Erfolg verzerrt die Prognosen

  • -Aktualisiert am

Der Meister-Cook und sein iPhone Bild: dpa

Sonderfall Apple: Die Analysten ignorieren die Gewinne des erfolgreichen Computerherstellers, um den Markttrend deutlich abzubilden - der Einfluss wäre zu groß.

          Apple wird an der Wall Street immer mehr zum Sonderfall. Nach Ansicht von Aktienmarktstrategen verzerrt der große geschäftliche Erfolg des Computerherstellers den allgemeinen Trend der Unternehmensgewinne. Um diesen besser zu erfassen, ergriff Jonathan Golub, Aktienstratege der Schweizer Bank UBS, nun eine ungewöhnliche Maßnahme: Er verfasste zwei unterschiedliche Analysen über die zu Ende gehende Bilanzsaison für das vierte Quartal. Im ersten Bericht analysierte er wie üblich die Gewinnentwicklung aller Unternehmen im breiten Aktienindex S&P 500. In der zweiten Analyse rechnete er die Ergebnisse von Apple heraus.

          Die größten Unternehmen
          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Nach Angaben des „Wall Street Journal“ haben auch Aktienstrategen amerikanischer Banken wie Morgan Stanley, Goldman Sachs, Wells Fargo und der britischen Bank Barclays ähnliche Kalkulationen erstellt. Börsianer achten stark auf den Trend der Unternehmensgewinne, weil das langfristig der wichtigste Faktor für die Entwicklung von Aktienkursen ist. Denn Aktien verbriefen Anteile an Unternehmen.

          Riesiger Einfluss

          Der Einfluss von Apple auf den allgemeinen Trend ist riesig. Der Konzern hatte im Januar aufgrund starker Nachfrage nach dem Tabletcomputer iPad und dem Multimediahandy iPhone einen Rekordgewinn von 13 Milliarden Dollar für das vergangene Quartal ausgewiesen - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Umsatz war um 73 Prozent auf 46 Milliarden Dollar gestiegen. Dieses Resultat trug dazu bei, dass die operativen Gewinne aller im S&P 500 abgebildeten Unternehmen im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Prozent gestiegen sind. Lässt man die Ergebnisse von Apple außen vor, schrumpft das Gewinnwachstum amerikanischer Unternehmen jedoch auf mäßige 2,8 Prozent, rechnet UBS-Fachmann Golub vor. „Es ist, als ob man mit der Isolierung dieses einen Unternehmens Licht durch ein Prisma betrachtet - man sieht die Dinge klarer“, sagte Golub dem „Wall Street Journal“.

          Noch drastischer ist der Apple-Effekt in der Technologiebranche. Nach Berechnungen von David Kostin, der bei Goldman Sachs die Anlagestrategie für den amerikanischen Aktienmarkt verantwortet, haben Technologieunternehmen im vierten Quartal ihre Gewinne um 21 Prozent gesteigert. Ohne Apple bleibt nur ein Gewinnplus von 5 Prozent übrig. „Um Trends zu beobachten und zu sehen, was mit anderen Unternehmen geschieht - nicht nur mit dem, das so außergewöhnlich ist - ist es wichtig, Apple zu isolieren“, sagt auch Barry Knapp, der leitende Aktienstratege bei Barclays.

          Durchbruch der 500-Dollar-Marke

          Technologiewerte gehören in diesem Jahr zu den Zugpferden des Aktienmarktes. Der Nasdaq-100-Index, in dem die größten Titel der für Technologiewerte bekannten elektronischen Börse Nasdaq abgebildet sind, ist in diesem Jahr um mehr als 14 Prozent gestiegen. Der S&P 500 legte dagegen nur um rund 8 Prozent zu. Der Aktienkurs von Apple ist um mehr als 27 Prozent geklettert und notierte im Handelsverlauf am Mittwoch um 515 Dollar.

          Am Montag hatte der Apple-Kurs erstmals die 500-Dollar-Marke durchbrochen. Innerhalb von nur 34 Tagen war der Kurs der Aktie von 400 auf 500 Dollar gestiegen. Ende vergangener Woche waren Gerüchte aufgekommen, dass Apple schon im kommenden Monat eine neue Version des populären iPad vorstellen werde. Das sorgte für Kursphantasie. Zudem hoffen Börsianer auf die erstmalige Ausschüttung einer Dividende, da Apple über 100 Milliarden Dollar Barmittel verfügt.

          Mehr als Google oder Amazon

          Apple setzte sich vor etwas mehr als zwei Wochen wieder an die Spitze der amerikanischen Börsenschwergewichte. Mit einem aktuellen Börsenwert von rund 475 Milliarden Dollar ist Apple fast 70 Milliarden Dollar mehr wert als die Nummer zwei auf der Liste, der Ölkonzern Exxon Mobil. Apple ist an der Börse auch mehr als doppelt so viel wert wie das Technologieunternehmen IBM, das mit einem Börsenwert von 223 Milliarden Dollar hinter dem Softwareriesen Microsoft immerhin an vierter Stelle der wertvollsten amerikanischen Aktiengesellschaften steht.

          Die hohe Marktkapitalisierung von Apple sorgt auch für ein großes Gewicht in den einschlägigen Aktienindizes. Der Anteil von Apple am S&P 500 beläuft sich auf 3,8 Prozent. Den Nasdaq-100-Index dominiert Apple mit einen Gewicht von 16,6 Prozent geradezu. Das ist mehr, als die Internetunternehmen Google und Amazon sowie der Halbleiterkonzern Intel zusammen auf die Waage bringen. Es ist aber nicht das erste Mal, dass ein Börsenliebling die Marktbarometer derartig prägt. Seit 1980 hatten fünf Unternehmen zeitweise ein höheres Gewicht im S&P 500 als jetzt Apple: IBM, Microsoft, Exxon Mobil, die Telefongesellschaft AT&T und der Mischkonzern General Electric.

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