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Apple & Co. : Technologieaktien unter Kursdruck

Apple-Chef Tim Cook bei der Vorstellung eines neuen Produkts: Sind seine Aktien zu hoch bewertet? Bild: AFP

Eine Studie von Goldman Sachs wirft an der Börse die Frage auf, ob die Bewertungen für Technologiewerte zu hoch sind. Besonderes Interesse gilt Apple. Droht eine neue spekulative Blase?

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          An der Wall Street hat sich am Montag im frühen Handel der Ausverkauf der Technologieaktien fortgesetzt. Der technologielastige Composite-Index der elektronischen Börse Nasdaq, an der Branchengiganten wie Apple und Alphabet notiert sind, sackte in den ersten Handelsminuten um mehr als 1 Prozent ab – deutlich stärker als das breiter gefasste Aktienmarktbarometer S&P 500. Damit setzten sich die Kursverluste des vergangenen Freitags fort, als der Nasdaq-Composite-Index, ein wichtiger amerikanischer Index für Technologiewerte, um fast 2 Prozent nachgegeben hatte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Gerald Braunberger

          Die schlechte Stimmung bei amerikanischen Technologieaktien hinterließ zum Wochenauftakt deutliche Spuren an den Börsen rund um den Globus. So hatten im frühen Handel in Asien die Kurse von Technologieaktien deutlich nachgegeben. Später schlossen sich die europäischen Börsen diesem Trend an. Danach verlor in Deutschland der Tec-Dax am Montag vorübergehend mehr als 3 Prozent. Nahezu alle Werte rangierten im Minus; besonders stark waren allerdings Aktien von Unternehmen betroffen, die in engen Geschäftsbeziehungen mit Apple stehen.

          Daher war der deutsch-britische Hersteller von Halbleitern Dialog Semiconductor mit einem Kursverlust von rund 8 Prozent der schwächste Einzelwert im Tec-Dax. Die Halbleiter werden in vielen Produkten von Apple verwendet. Im Dax litt besonders die Aktie von Infineon. An der Schweizer Börse zählte die Aktie des Halbleiterherstellers AMS zu Wochenbeginn zu den größten Verlierern.

          In den Vereinigten Staaten sackten die Kurse von im Nasdaq Composite stark gewichteten Einzeltiteln wie des Elektronikkonzern Apple, dem Internetkonzern Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, und dem Online-Einzelhändlers Amazon am Montag wie schon am Freitag abermals um jeweils mehr als 3 Prozent ab.

          Normale Reaktion bei populären Papieren?

          Es handelte sich um eine harsche Kehrtwende für ein Börsensegment, das in diesem Jahr zu den großen Favoriten gezählt hatte. Die Kurse der Technologietitel im S&P 500 waren dieses Jahr bis zum Freitag um durchschnittlich 22 Prozent geklettert. Auch nach den jüngsten Kursverlusten liegen die Tech-Werte immer noch mit rund 16 Prozent im Plus – gut doppelt so stark wie der S&P 500.

          Apple

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          Die starken Kursgewinne der Technologieaktien hatten unter Profi-Anlegern zuletzt aber für Unbehagen gesorgt. Nach einer Umfrage der Bank of America Merrill Lynch hielten Fondsmanager die Wette auf den Nasdaq Composite für die derzeit „weltgrößte Massenspekulation“. Michael Hartnett, der Chefanlagestratege der Bank, hatte die Stimmung der Investoren vor der Kehrtwende am Freitag dennoch als „optimistisch“ bezeichnet. Trotz der Rekorde in Aktien- und Anleihemärkten sei „Irrationalität noch nicht spürbar“. Händler ziehen sich manchmal bewusst aus zu populären Positionen zurück. Dahinter steht die Überlegung, dass irgendwann das Kaufinteresse erlahmen wird, wenn die Mehrheit der Anleger investiert und die Kurse schon deutlich gestiegen sind.

          Genau das scheint am Freitag passiert zu sein. Der für die weltweite Anlagestrategie des Vermögensverwalters Guggenheim verantwortliche Scott Minerd konstatierte, dass Aktien- und Anleihemärkte nur selten so hoch bewertet und stabil seien wie zuletzt. „Das macht mir Sorgen“, schrieb Minerd in einem Bericht an seine Klienten.

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          Die Begründung für den allgemeinen Ausverkauf der Technologieaktien, die an der Wall Street herumgereicht wurde, war ein Bericht des Analysten Robert Boroujerdi von der Investmentbank Goldman Sachs. Boroujerdi verglich die fünf aktuell bedeutendsten Aktien aus der Tech-Branche mit den fünf Spitzenwerten am Ende der Internethausse im März des Jahres 2000. Damals war eine spekulative Blase geplatzt.

          Keine neue Internetblase befürchtet

          „Die jüngsten Kursgewinne großer Technologieaktien haben bei manchen Investoren Erinnerungen (Albträume?) an den letzten euphorischen Anstieg der Nasdaq geweckt“, beobachtete der Analyst. Boroujerdi vertritt aber nicht die These, dass es sich abermals um eine spekulative Blase handele. Zwar sorgt er sich, dass die fünf großen Technologiewerte Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Facebook wie im Jahr 2000 ein überdurchschnittlich großes Gewicht im Aktienmarkt haben. Allerdings seien die Unternehmen finanziell in gesünderer Verfassung als im Jahr 2000. Zudem seien die Aktien wesentlich niedriger bewertet als damals. Trotz dieser insgesamt ausgewogenen Analyse reichte der Hinweis auf das große Anlegertrauma der Jahrhundertwende offenbar, um genügend Panikstimmung zu erzeugen.

          NASDAQ COMP.

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          Am Montag sorgte zudem ein Analystenbericht des Wertpapierhauses Mizuho Securities zu Apple für schlechte Stimmung. „Der Aktienkurs hat sich in diesem Jahr überdurchschnittlich gut entwickelt, und wir glauben, dass der Enthusiasmus für den neuen Produktzyklus in den aktuellen Kursen voll enthalten ist“, hieß es in dem Bericht. Apple wird im September eine neue Version seines populären iPhones vorstellen. Die Aussicht auf steigende Absatzzahlen hatte den Kurs zuletzt in die Höhe getrieben.

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          Mizuho-Analyst Abhey Lamba glaubt nun, dass das weitere Kurspotential begrenzt ist, und hat die Aktien daher heruntergestuft. Auf Technologiewerte entfielen zuletzt rund 23 Prozent des gesamten S&P-500-Börsenwertes. Damit sind Tech-Werte das wichtigste Börsensegment, gefolgt von Gesundheitswerten und Finanzaktien mit jeweils knapp 14 Prozent. Technologieaktien im S&P 500 kamen nach Angaben des Informationsdienstes Factset zuletzt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19 auf Basis der für die kommenden 12 Monate erwarteten Gewinne. Damit waren sie etwas teurer als der S&P 500, der ein durchschnittliches KGV von knapp 18 ausweist – was etwas über dem historischen Durchschnitt liegt. Aber Technologiewerte sind immer noch sehr viel günstiger als auf dem Höhepunkt der spekulativen Blase im Jahr 2000, als das KGV dieses Marktsegments auf mehr als 53 geklettert war.

          TecDAX ®

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