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32 Jahre an der Börse : Erfolgsgeschichte Apple-Aktie

Wer sagt, dass aus Obst nichts wird Bild: AFP

Die Apple-Aktie ist ein Phänomen: Über 30 Jahre hat sie im Durchschnitt jedes Jahr fast 20 Prozent gebracht. Eine (fast) unübertroffene Leistung.

          3 Min.

          Der Erfolg von Apple ist ein Phänomen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs gut vervierfacht. Doch auch sehr langfristig ist Apple eine Erfolgsgeschichte. Vor mehr als 34 Jahren, im Dezember 1980 hatte das Unternehmen einen erfolgreichen Börsengang. 4,6 Millionen Aktien wurden dem Unternehmen  zu 22 Dollar förmlich aus den Händen gerissen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es war der größte Börsengang seit dem von Ford im Jahr 1956. 300 Personen wurden zu Millionären, rund 40 waren Mitarbeiter von Apple. Mehr Millionäre hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein Unternehmen geschaffen. Steve Jobs als größter Aktionär war augenblicklich um 217 Millionen Dollar reicher. Den ersten Handelstag beschloss die Aktie rund 30 Prozent im Plus bei 28,75 Dollar.

          Seitdem hat die Aktie den Aktionären nicht zu jeder Zeit Freude gemacht. Ende der Achtziger lief der Kurs zurückgerechnet zwischen 1 und 2 Dollar seitwärts und zwischen Mitte 1995 und Ende 1997 fiel der um drei Viertel auf ein Elf-Jahres-Tief. Auch im Jahr 2000, nach dem Ende der Tech-Blase stürzte der Kurs um drei Viertel ab.

          Wer aber langfristig an der Aktie festhielt, kann sich über eine außerordentliche Kursentwicklung freuen. In den vergangenen 30 Jahren stieg der Kurs der Aktie jährlich um durchschnittlich knapp 20 Prozent. Vergleicht man das mit den 37 Wachstums-Aktien aus dem Nasdaq-Composite-Index, die ebenfalls auf eine 30jährige Geschichte zurückblicken können, so wird diese Wertentwicklung nur noch vom Biotech-Unternehmen Amgen mit 26 Prozent übertroffen. Unter dem Strich ist damit der Apple-Kurs auf das 216fache, der von Amgen auf das 1024fache gestiegen. Auch wenn das nicht so imposant klingt – auf Platz drei folgt der Halbleiter-Hersteller Applied Materials mit einem Durchschnitt von 16,3 Prozent und einem viel bescheiden klingenderen Kursanstieg auf das 92fache.

          Die meisten dieser Aktien haben einen deutlichen Kurszuwachs verzeichnet, aber nicht alle. Wer beispielsweise vor 30 Jahren auf den Prozessor-Hersteller AMD gesetzt hat, dessen Investment wäre im Durchschnitt jedes Jahr mehr als 6 Prozent weniger wert gewesen. Von 1000 Dollar wären heute noch 150 übrig – inflationsbereinigt nur 68. Und von 1000 Dollar in Aktien des Biotech-Unternehmens Plasmatech Biopharmaceuticals blieben schon nominal nur noch 5 Cents. Aus 1000 Dollar in Apple-Aktien wurden inflationsbereinigt dagegen knapp 98.000 Dollar. Nicht schlecht.

          Entwicklung der Apple-Aktie in den vergangenen 30 Jahren im Vergleich
          Unternehmen Branche Kursentwicklung p.a Gesamtertrag p.a.
          Amgen Biotechnik 26,07% 23,57%
          Apple Computer 19,63% 20,18%
          Applied Materials Halbleiter 16,27% 17,96%
          Intel Halbleiter 14,07% 15,95%
          Comcast Telekommunikation 14,40% 15,74%
          Automatic Data Processing IT 13,00% 15,15%
          CA Software 12,35% 14,12%
          Diodes Halbleiter 11,52% 12,56%
          Texas Instruments Halbleiter 10,48% 12,22%
          Microsemi Halbleiter 11,25% 12,21%
          KLA-Tencor Halbleiter 9,08% 11,42%
          Analog Devices Halbleiter 13,06% 11,22%
          Cohu Halbleiter 8,06% 10,70%
          Skyworks Solutions Halbleiter 10,70% 10,38%
          Koss Unterhaltungselektronik 7,59% 9,96%
          Micron Technology Halbleiter 8,71% 8,94%
          Electro Rent Vermietungen 6,88% 8,30%
          IBM IT 5,08% 7,84%
          Analogic Medizintechnik 6,44% 7,47%
          Interdigital Telekommunikation 6,35% 7,45%
          Coherent Biotechnik 5,25% 6,54%
          Integrated Device Technology Halbleiter 4,90% 5,74%
          Communications Systems Telekommunikation 1,92% 5,71%
          Mentor Graphics IT 4,15% 5,61%
          Bel Fuse Hardware 4,34% 5,61%
          Napco Security Telekommunikation 5,06% 5,19%
          Semtech Halbleiter 15,03% 5,19%
          American Software Software 1,76% 5,00%
          Kulicke and Soffa Halbleiter 2,65% 2,72%
          CSP IT 1,04% 2,21%
          Frequency Electronics Elektronik -0,35% 1,57%
          Dataram Hardware -1,66% -1,63%
          Data I/O IT -2,68% -2,24%
          AMD Halbleiter -6,17% -5,53%
          Xcerra Halbleiter -6,72% -5,95%
          Gigatronics Elektronik -7,40% -7,48%
          Plasmatech Biotechnik -28,00% -27,71%
          Quelle: Bloomberg

          Blickt man zurück auf den Tag des Börsengangs, so ist der Kurs der Apple-Aktie seitdem im Jahresdurchschnitt sogar um mehr als 20 Prozent oder auf das 266fache gestiegen. Und da Amgen erst im Januar 1983 an die Börse ging, schneidet Apple unter den übrig gebliebenen 13 Aktien am besten ab – gefolgt vom abgeschlagenen Prozessorenbauer Intel mit einem Zuwachs auf das 107fache.

          Entwicklung der Apple-Aktie sei Börsengang im Vergleich
          Unternehmen Branche Kursent-wicklung p.a Marktkapitalisierung Isin
          Apple Computer 20,46% 610 Mrd. € US0378331005
          Intel Halbleiter 16,84% 145 Mrd. € US4581401001
          Diodes Halbleiter 15,80% 1,1 Mrd. € US2545431015
          Automatic Data Processing IT 15,49% 35 Mrd. € US0530151036
          Analog Devices Halbleiter 13,65% 14,4 Mrd. € US0326541051
          Electro Rent Vermietungen 12,60% 311 Mio. € US2852181039
          Semtech Halbleiter 11,25% 1,5 Mrd. € US8168501018
          Texas Instruments Halbleiter 10,54% 51 Mrd. € US8825081040
          Cohu Halbleiter 8,14% 251 Mio. € US1925761066
          Skyworks Solutions Halbleiter 7,95% 14 Mrd. € US83088M1027
          IBM IT 7,70% 143 Mrd. € US4592001014
          Frequency Electronics Elektronik -1,34% 98 Mio. € US3580101067
          AMD Halbleiter -2,56% 1,8 Mrd. € US0079031078
          Quelle: Bloomberg

          Die Erfolgsgeschichte von Apple verlief indes nicht immer gradlinig. Im Großen und Ganzen lassen sich die rund 34 Jahre in fünf Abschnitte unterteilen. Von 1981 und 1985 fiel der Kurs unter dem Strich im Jahresdurchschnitt um ein Achtel – wer klug war, nutzte den zehnmonatigen Höhenflug zwischen August 1982 und Juni 1983 zum Ausstieg. Damals präsentierte Apple mit „Lisa“ einen der ersten PCs mit Maus und grafischer Benutzeroberfläche. Doch weil Lisa zu teuer war, verkaufte sie sich schlecht. 1984 stellte Apple die Produktion wieder ein. Zudem verpasste man den avisierten Liefertermin für den ersten Mac. Dann flopte der Apple III, weil er zum Vorgänger Apple II nicht richtig kompatibel war. Obendrein überhitzte das neue Modell, bei dem zu allem Überfluss auch noch die Chips aus ihren Sockeln rutschten.

          Die nächste Gelegenheit zum gewinnbringenden Ausstieg bot sich dann erst wieder 1987, am Ende einer Aufwärtsbewegung, die im Jahresdurchschnitt immerhin ein Kursplus von 182 Prozent mit sich brachte. Diese war tatsächlich wohl dem Abschied von Steve Jobs zu verdanken, der sich seinerzeit einen Machtkampf mit Vorstandschef John Sculley lieferte.

          Bild: FAZ.NET

          Was folgte war eine lange Seitwärtsbewegung, deren sich Niveau Anfang der Neunziger erhöhte, bevor der Kurs 1997 ein neues Rekordtief erreichte. Am Ende dieser zehn Jahre war die Aktie 56 Prozent weniger wert und so wenig wie zuletzt im Frühjahr 1986. Anschließend gab es eine mit der schrittweisen Rückkehr von Steve Jobs, steigenden Mac-Verkäufen und dem Start des Apple Store eine Kurserholung, die nahtlos in die Tech-Blase überging, welche bekanntlich platzte. Übrig bleib bis 2003 ein Kursgewinn von insgesamt 100 Prozent.

          Erst 2004 begann die aktuelle Erfolgsstrecke. Genauer gesagt am 13. Oktober 2004. Da legte Apple Geschäftszahlen für vierte Quartal vor und hatte 500 Prozent mehr iPods verkauft als im Vorjahresquartal. In Amerika hatte man damit einen Marktanteil bei MP3-Playern von 92 Prozent. Seitdem ist der Kurs bis heute im Jahresdurchschnitt um mehr als 50 Prozent gestiegen. In den 24 Jahren davor waren es nur 7,7 Prozent gewesen. Nicht dass man darüber jammern wollte.

          Bild: FAZ.NET

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