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Aktien unter Druck : Anleger sorgen sich um die Banken

Düstere Zeiten: Investmentbanken zeigen Ertragsrückgänge von fast 30 Prozent an. Bild: Helmut Fricke

Der Aktienkurs der Deutschen Bank verliert seit Mitte März fast ein Viertel. Doch auch bei anderen großen Bankaktien sieht es derzeit nicht gut aus. Denn die Geldinstitute kommen unter Druck.

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          Die Anleger meiden wieder die Aktien europäischer Banken. Sie befürchten schlechte Zahlen im ersten Quartal. Darauf haben die Banken selbst hingewiesen, aber auch die jüngsten Zahlen zum Geschäft der Investmentbanken zeigen Ertragsrückgänge von fast 30 Prozent an. Abermals trifft es die Aktionäre der Deutschen Bank besonders hart. Der Aktienkurs sank am Donnerstag in der Spitze um 3,4 Prozent auf 13,69 Euro. Kurz vor Handelsschluss lag der Titel mit 13,85 Euro um 2,3 Prozent im Minus. Seit dem 18. März, als sich der Titel zwischenzeitlich auf 18,53 Euro erholt hatte, beträgt der Kursverlust inzwischen fast ein Viertel.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber auch andere Bankaktien stehen unter Druck. Der Titel der Commerzbank hat sich seit Mitte März um 10 Prozent verbilligt. Am Donnerstag lag der Kurs mit 7,30 Euro um gut zwei Prozent schwächer. Deutlich unter Druck gerieten die Titel italienischer Banken. Die Aktien von Unicredit büßten 2,7 Prozent ein und die von Intesa Sanpaolo um 2,5 Prozent. Die Aktie der spanischen Santander hat in den vergangenen drei Wochen 14 Prozent verloren. Die mit einem Börsenwert von 52 Milliarden Euro noch immer teuerste Bank im Euroraum will die Zahl ihrer Mitarbeiter im spanischen Heimatmarkt um 1200 oder fünf Prozent verringern. Schon in der vergangenen Woche hatte Santander mitgeteilt, dass 450 Filialen in Spanien geschlossen werden. Das sind 13 Prozent des Netzwerks.

          Die Maßnahmen der wegen ihrer hohen Profitabilität im Filialgeschäft geschätzten Bank Santander zeigen den Handlungsbedarf, der auf den Banken lastet. Nicht nur die Institute mit einem großen Kapitalmarktgeschäft wie die Deutsche Bank stehen unter Druck, sondern auch die weniger schwankungsanfälligen Bereiche. Das liegt vor allem an den sehr niedrigen oder sogar negativen Zinsen, eine Folge der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Hinzu kommen in Südeuropa und insbesondere in Italien die Probleme mit ausfallgefährdeten Krediten.

          Die europäischen Banken stehen gegenwärtig viel stärker unter Druck als die amerikanischen Institute. Waren die Aktienkurse Anfang Februar fast noch im Gleichschritt gefallen, gab es in den vergangenen Wochen eine unterschiedliche Entwicklung. Der europäische Stoxx-Banken-Index büßte mehr als 10 Prozent ein, während für den amerikanischen KBW-Index das Minus nur gut zwei Prozent beträgt. Auch die amerikanischen Banken hatten aufgrund der hohen Kursschwankungen an den Finanzmärkten in den ersten Monaten vor schlechteren Ergebnissen gewarnt. Dazu zählten die Citigroup und JP Morgan.

          Wo finden die Kurse ihren Boden?

          Die Investoren bewerten die europäischen Banken aber gegenwärtig deutlich skeptischer. Die aktuellen Kursniveaus halten die Fondsmanager von Columbia Threadneedle für nicht einladend. „Wir können nicht sagen, dass bei den Bewertungen momentan eine Bodenbildung erkennbar ist“, so Portfoliomanager Frederic Jeanmaire. Die Bewertungen liegen seiner Ansicht nach noch immer über den Tiefstständen, die in den Jahren 2009 und 2011 erreicht worden seien. Er empfiehlt weiterhin, europäische Bankaktien unterzugewichten.

          Wenig hilfreich war die Veröffentlichung der Deutschen Bank über die Spartenergebnisse in ihrer neuen, seit Jahresanfang geltenden Struktur. Das Wertpapierhandelsgeschäft wurde nicht nur durch die hohen Abschreibungen auf Bankers Trust belastet, sondern schnitt auch operativ sehr schlecht ab. Im vierten Quartal wäre es auch ohne Sonderaufwand zu einem Verlust gekommen, was für das nun anstehende erste Quartal enttäuschende Zahlen erwarten lässt. Zwar dürften die hohen Abschreibungen, die der Vorstandschef John Cryan im vergangenen Jahr auf Bankers Trust und Postbank vorgenommen hatte, nicht mehr belasten, es besteht aber weiterhin Unsicherheit, wie hoch die Rechtsrisiken zu Buche schlagen werden. Ende 2015 hatte die Deutsche Bank dafür 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Nun kommen zum Umbau auch noch Ertragsrückgänge in einem schwierigen Umfeld hinzu.

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