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Amerikanischer Finanzmarkt : Anleger-Frust über Trump belastet New Yorker Börse

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss kaum verändert auf 20.661 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 0,2 Prozent auf 2348 Zähler vor. Bild: AP

Während Anleger die Umsetzung von Trumps Steuerversprechen einfordern, konzentriert sich der amerikanische Präsident lieber auf die Abschaffung von Obamacare. Das setzt einige Unternehmen an den Aktienmärkten unter Druck.

          2 Min.

          Zweifel an raschen Erfolgen der Wirtschaftspolitik des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump haben am Mittwoch die New Yorker Börsen belastet. „Die Stimmung wird durch die Erkenntnis geprägt, dass Donald Trump wohl nicht alle seine Versprechen halten kann – vielleicht nicht einmal die meisten“, sagte Anlagestratege Alvin Tan von der Bank Societe Generale (SocGen). Die Ermittlungen wegen Beeinflussung der Wahl durch Russland unter Mithilfe von Trumps Wahlkampfteam verstärkten die Unruhe. „Dies passt in das Bild, dass die erhofften und angepriesenen Konjunkturprogramme nicht so schnell kommen, wie von den Märkten erwartet – wenn überhaupt.“

          Gegen Trumps Gesundheitsreform regt sich überparteilicher Widerstand im amerikanischen Kongress. Sollte sie scheitern, würde dem Präsidenten finanzieller Spielraum für seine „phänomenalen“ Steuersenkungen und billionenschweren Infrastruktur-Investitionen fehlen, betonten Analysten der Rabobank. „Die Pläne zur Deregulierung der Banken könnten ebenfalls auf Eis gelegt werden.“

          Sportartikelhersteller Nike unter Druck

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss kaum verändert auf 20.661 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 0,2 Prozent auf 2348 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 0,5 Prozent auf 5821 Punkte. In Frankfurt ging der Dax 0,5 Prozent tiefer auf 11.904 Punkten aus dem Handel, der EuroStoxx50 büßte 0,3 Prozent auf 3420 Zähler ein. Der mutmaßliche Anschlag in London bewegte die Kurse kaum.

          In den Vereinigten Staaten standen bei den Einzelwerten die Papiere des weltgrößten Sportartikelherstellers Nike unter Druck, dessen Quartalsumsatz hinter den Erwartungen zurückblieb. Ihm setzt auf dem Heimatmarkt der deutsche Rivale Adidas immer stärker zu. Die Nike-Aktie verlor mehr als sieben Prozent. Dagegen verteuerten sich die Papiere des Logistikkonzerns FedEx um 2,1 Prozent. Der Paketdienst äußerte sich optimistisch über die Entwicklung der Gewinnmargen.

          Kreditmärkte erleben Aufschwung

          Aus Furcht vor einer Pleite warfen Anleger Aktien von Sears in hohem Bogen aus ihren Depots. Die Papiere des amerikanischen Einzelhändlers stürzten zwölf Prozent ab. Das Unternehmen hatte in seinem am Dienstagabend veröffentlichten Geschäftsbericht eingeräumt, dass „substantieller Zweifel an der Fähigkeit zur Weiterführung des Geschäfts“ besteht.

          Ein Quartalsergebnis über Markterwartungen machte Winnebago zum Börsen-Liebling. Die Aktien des Anbieters von Wohnmobilen verteuerten sich um mehr als sechs Prozent. Das Unternehmen steigerte den Umsatz im abgelaufenen Quartal um fast zwei Drittel auf 370,5 Millionen Dollar.

          An der New York Stock Exchange wechselten rund 900 Millionen Aktien den Besitzer. 1589 Werte legten zu, 1350 gaben nach und 153 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,84 Milliarden Aktien 1212 im Plus, 1614 im Minus und 212 unverändert.

          Die amerikanischen Kreditmärkte waren angesichts der politischen Unsicherheiten gesucht. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 11/32 auf 98-23/32. Die Rendite sank auf 2,396 Prozent. Der 30-jährige Bond verbesserte sich um 24/32 auf 99-25/32 und rentierte mit 3,012 Prozent.

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