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Anlagestrategie : Privatanleger investieren wider besseres Wissen vor allem zuhause

Dort lässt sich eine gewisse Informationsunschärfe vermuten: Denn investieren in Lateinamerika heißt vornehmlich investieren in Brasilien. Die Sorgenkinder sind dagegen Argentinien oder Venezuela, die aber kaum eine Rolle für Kapitalanlagen spielen.

Das zeigt sich auch darin, dass immerhin 51 Prozent angeben, sich zu wenig auszukennen. Gerade letzterer Anteil zeigt eine steigende Tendenz: 2008 waren es noch 43 Prozent, die dieses Argument ins Feld führten.

„Das Investitionsverhalten bleibt von Angst geprägt“

Verstärkt wird die Sicherheitsneigung privater Investoren vor allem durch unscharfe Ängste vor einer globalen Rezession und vor inflationsbedingten Wertverlusten, worin jeweils ein Drittel der Befragten die derzeit größten Risiken für Kapitalanlagen sehen. Ja sogar Umweltkatastrophen werden von 8 Prozent genannt. 2009 waren es noch 3 Prozent - offenbar ein Effekt des Untergangs der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko.

„Das Investitionsverhalten vieler Privatanleger bleibt von Angst geprägt“, sagt Achim Küssner, Geschäftsführer von Schroder Investment Management. „Die notwendige Diversifikation wird weiterhin vernachlässigt. Anlegern entgehen dadurch nicht nur Renditechancen, sondern durch die geringe Streuung erhöhen sie auch das Risiko in ihrem Portfolio.“ Anleger erkennten offenbar Gefahren, handelten aber nicht entsprechend. Und das obwohl der Anteil von Privatanlegern, die sich als „absolut sicherheitsorientiert“ verstehen, im Jahr 2010 auf 79 Prozent von 70 Prozent vor zwei Jahren gestiegen ist.

Lieblingsanlage: das Sparbuch bei der Bank um die Ecke

Diese Erkenntnisse, sind an sich nicht neu, und sie zeigen, dass wenn es Lernprozesse gibt, diese nur sehr langsam von statten gehen. Aber die Langsamkeit ist ein Grundelement der Geldanlage von Privatanlegern. Weniger als 10 Prozent verkaufen oder kaufen ihre Kapitalanlagen mehrmals im Quartal, mehr als zwei Drittel seltener als jährlich oder nie. Die Aktivität ist zudem deutlich zurückgegangen. Vor zwei Jahren waren es noch 12 bzw. 58 Prozent.

Das Ergebnis ist klar: 13 bzw. 15 Prozent der Befragten verteilen mehr als 80 Prozent ihres Vermögens über Sparbücher, Tages- und Festgeldkonten, bei Aktien sind es nur 4 Prozent. 79 Prozent der Befragten sind überwiegend in Deutschland investiert, 30 Prozent in Europa, während China und Indien gerade einmal auf 3 bzw. 2 Prozent kommen. Als Hoffnungsschimmer mag gelten, dass die Übergewichtung Deutschlands seit 2008 immerhin um 4 Prozentpunkte, die Europas von 32 auf 30 Prozent zurückgegangen ist.

Faule Lehrer oder faule Schüler?

„Es gibt nach wie vor ein starkes Informationsdefizit bei Anlegern,“ resümiert Küssner, der hier viel Arbeit für die Kapitalanlagebranche sieht, deren Berater über die Vorteile einer breiten Diversifikation aufklären müsse - gerade wegen der Finanzkrise und der entstandenen Unsicherheiten. Wollte man despektierlich sein, so müsste man fragen, was die Berater bisher getan haben.

Letztlich aber täte man ihnen wohl auch unrecht: Denn für die meisten Menschen, die auch diese Zeilen nicht lesen dürften, ist wichtig, dass ihr Geld irgendwie unter ist und sie das Gefühl haben, sich keine Sorgen machen zu müssen. Und das darf auch einer machen, von dem sie glauben, dass der sich damit auskennt. Es ist wie in der Schule, wenn eine Klasse schlecht ist: Taugt der Lehrer nichts oder sind die Schüler dumm?

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