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Anlagestrategie : Neue Quartalszahlen - Nagelprobe für die Aktienrally

  • -Aktualisiert am

Fallen die Quartalszahlen der Unternehmen gut aus, finden Börsianer das sehr entspannend Bild: dpa

Alcoa, Monsanto und andere amerikanische Unternehmen legen jetzt ihre Quartalszahlen vor. Bislang haben die Geschäftsdaten enttäuscht. Das könnte sich negativ auf die jüngste Kursrally auswirken.

          3 Min.

          Die geringen und weiter sinkenden Erwartungen an amerikanische Unternehmen in der Berichtssaison zum dritten Quartal vorgelegten Zahlen werden zur Nagelprobe für die jüngste Aktienmarktrally. Analysten rechneten bereits damit, dass das Wachstum der Unternehmensgewinne auf den niedrigsten Stand seit mehreren Jahren absinken werde. Einige Großkonzerne, darunter Alcoa und Monsanto, blieben nach Auftakt der aktuellen Berichtssaison hinter den Erwartungen zurück; andere, etwa International Paper sowie die Energieunternehmen Chevron und Valero Energy, sprachen Gewinnwarnungen aus.

          Natürlich gibt es auch Hoffnungsschimmer. So legte etwa die Kaufhauskette Costco ein überzeugendes Zahlenwerk vor, aus dem ein Anstieg der vergleichbaren Umsätze um fünf Prozent hervorging, woraufhin die Aktie des Unternehmens am 10. Oktober auf ein neues Allzeithoch vorstieß. Und die Berichtssaison zum dritten Quartal hat gerade erst begonnen.

          Sind die Analystenerwartungen zu pessimistisch?

          Dessen ungeachtet hat die Berichtssaison keinen guten ersten Eindruck hinterlassen. Reuters Estimates verfolgt die Analystenschätzungen sowie die vorgelegten Quartalsergebnisse der Unternehmen im breit angelegten Aktienindex S&P-500. Rechneten Analysten zu Beginn dieser Woche noch mit einem Anstieg der Unternehmensgewinne von 3,2 Prozent auf Jahressicht, so betrug dieser Wert zur Wochenmitte nur noch 2,6 Prozent.

          „Wir erwarten natürlich kein Rekordquartal“, sagt Ashwani Kaul, Analyst bei Reuters Estimates. In den ersten beiden Quartalen 2007 lag das Gewinnwachstum von Unternehmen im S&P-500 bei über acht Prozent, während es 2006 noch im zweistelligen Bereich angesiedelt war.

          Für das aktuelle Berichtsquartal geht man davon aus, dass die Gewinnstärke bei Unternehmen im Gesundheits- und Technologiebereich durch schwächere oder stagnierende Gewinne in vielen anderen Sektoren überlagert werde. Die Situation bei zyklischen Konsumgütern wurde hierbei am negativsten eingeschätzt.

          Einige Anleger erwarten zu viel

          Es würde allerdings niemanden überraschen, wenn die Unternehmensgewinne insgesamt gesehen über den Analystenerwartungen lägen. Mehr als drei Jahre lang haben Unternehmen die Schätzungen der Analysten regelmäßig übertroffen. Nach einer Studie des amerikanischen Aktienstrategieteams der Deutschen Bank lag das Gewinnwachstum seit 2004 um durchschnittlich vier Prozentpunkte über den Erwartungen.

          Einige Anleger erwarten jedoch zu viel von den in diesem Quartal vorgelegten Berichten. Chris Johnson von der Johnson Research Group ist davon überzeugt, dass die Anleger vom großen Zinsschritt der Fed vom 18. September „noch immer berauscht sind“. Treibende Kraft hinter der Rally ist eher „die Angst, den Sprung auf den fahrenden Zug zu verpassen, als der Wunsch, in Qualitätswerte zu investieren“. Johnson zufolge könnte die gesamte Kaufdynamik rasch in Verkaufsdruck umschlagen, sollten die vorgelegten Zahlen vermehrt enttäuschend ausfallen.

          Alcoa und Monsanto mit Abschlägen

          Der traditionsgemäß die amerikanische Berichtssaison einläutende Aluminiumgigant Alcoa verzeichnete im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von 3,2 Prozent, während der Gewinn je Aktie mit 55 Cent die Erwartungen um 11 Cent verfehlte. Am 10. Oktober gab die Aktie des Unternehmens um 99 Cent oder 2,49 Prozent nach und schloss bei 38,73 Dollar.

          Nach Ansicht von Morningstar-Aktienanalyst Pat Dorsey profitieren zahlreiche amerikanische Unternehmen von der Schwäche des Dollars, wodurch die im Ausland erwirtschafteten Gewinne ansteigen. Bei Alcoa ist es dagegen genau umgekehrt: das Unternehmen produziert verstärkt im Ausland und verkauft seine Erzeugnisse an amerikanische Abnehmer.

          „Die Aussagekraft der diesem Quartal vorgelegten Berichte wird durch den Währungseffekt merklich beeinträchtigt“, sagt Dorsey und merkt ergänzend an, dass es wichtig sei, über den einmaligen Währungsaspekt hinaus zu blicken und sich ein Bild von der tatsächlichen Entwicklung eines Unternehmens zu machen.

          Der von Monsanto berichtete Verlust von 39 Cent je Aktie (18 Cent ohne Einmaleffekte) lag klar über den Analystenprognosen von 17 Cent. Das Agrarchemieunternehmen kann zwar mit außerordentlichen Wachstumsaussichten aufwarten, im Aktienkurs sind jedoch bereits die Erwartungen eines mehrere Jahre anhaltenden kräftigen Wachstums eingepreist. Die Aktie gab am 10. Oktober nach Börsenstart um 2,8 Prozent nach, konnte im weiteren Handelsverlauf jedoch einen Großteil der Verluste wettmachen und beschloss den Tag mit einem Abschlag von 74 Cent oder 0,83 Prozent bei 88,78 Dollar.

          Gewinnprognosen für das vierte Quartal im Fokus

          Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses steht aktuell das Ausmaß der Abschwächung der amerikanischen Wirtschaft. Hierzu zählen Faktoren wie die Stimmung der amerikanischen Verbraucher, der Zustand des Häusermarktes sowie die Auswirkungen der Turbulenzen im Kredit- und Hypothekenbereich.

          Aus diesem Grund spielen die Gewinnprognosen von Unternehmen für das vierte Quartal und für das kommende Jahr nach Ansicht von Dorsey eine erheblich wichtigere Rolle als die Ergebniszahlen für das abgelaufene dritte Quartal.

          Anleger blicken wahrscheinlich bereits über die schwächeren Drittquartalszahlen hinaus und rüsten sich für bessere Zeiten. Nach Angaben von Reuters Estimates rechnen Analysten damit, dass die im S&P-500 vertretenen Unternehmen im vierten Quartal 2007 und Anfang 2008 zu zweistelligem Gewinnwachstum zurückkehren werden. In den kommenden Wochen könnten die Märkte daher verschnupft auf alle Zeichen reagieren, die darauf hindeuten, dass diese erwarteten höheren Gewinnzuwächse ausbleiben könnten.

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