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Börse : Geld verdienen mit den hechelnden Hunden

  • -Aktualisiert am

Hot Dogs: Wer nur auf die gebeutelten Werte des Dow Jones setzt, schneidet oft besser ab als der ganze Index. Bild: dpa

Mit einem simplen Anlageplan hat sich im vergangenen Jahr der amerikanische Aktienmarkt schlagen lassen – allen Turbulenzen an der Börse zum Trotz. Das funktioniert auch langfristig.

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          Im schwierigen Börsenjahr 2015 hat sich in Amerika eine klassische und auch von Privatanlegern einfach zu kopierende Anlagestrategie ausgezahlt: „Dogs of the Dow“. Die „Hunde des Dow“ sind die jeweils zehn Aktien im Dow-Jones-Index, die am Anfang eines Jahres auf die höchste Dividendenrendite kommen. Anleger, die diesem Plan Anfang Januar 2015 gefolgt sind, erzielten im vergangenen Jahr inklusive Dividenden einen Gewinn von 2,6 Prozent. Damit schnitten sie klar besser ab als der Gesamtindex, in dem 30 große und bekannte amerikanische Standardwerte abgebildet sind. Der Dow Jones hat im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Analysegesellschaft Bespoke Investment Group nur einen Gewinn von 0,2 Prozent abgeworfen. Ohne Berücksichtigung von Dividendenausschüttungen, also gemessen an der reinen Kursentwicklung, beendete das populäre Marktbarometer das Jahr sogar zum ersten Mal seit 2008 im Minus.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Deutsche Anleger profitierten zusätzlich von einem Engagement an den amerikanischen Börsen, weil der Dollar gegenüber dem Euro im vergangenen Jahr um rund 10 Prozent aufgewertet hat. Die zehn Dow-Hunde übertrumpften auch den breiter gefassten Aktienindex S&P 500, der Anlegern mit Dividenden einen Gewinn von 2,35 Prozent bescherte.

          Lukrative Hundestrategie

          Mit der Hundestrategie, die Anfang der neunziger Jahre vom amerikanischen Fondsmanager Michael O‘Higgins populär gemacht wurde, setzen Anleger häufig auf die Verlierer des Vorjahres. Das hat Methode. Anleger werden so gezwungen, Aktien zu vergleichsweise günstigen Einstiegskursen zu erwerben. Damit vermeiden sie einen Fehler, den gerade unerfahrene Kleinanleger häufig machen. Die kaufen Aktien häufig erst, wenn die Kurse bereits deutlich gestiegen sind. Das schmälert das künftige Kurspotential und erhöht die Gefahr von Rückschlägen. Der Blick auf die Dividendenrendite bringt dagegen fast automatisch Aktien ins Depot, deren Kurse sich ermäßigt haben. Die Dividendenrendite errechnet sich, indem man die jährliche Ausschüttung an die Aktionäre durch den Kurs einer Aktie dividiert. Fällt der Kurs bei gleichbleibender Dividendenzahlung, steigt die Rendite.

          Schon der Begriff „Dogs of the Dow“ suggeriert, dass es sich bei den Aktien um zuletzt verschmähte Titel handelt. Umgangssprachlich kann Dog ein hässliches Mädchen oder eine wertlose Sache bezeichnen. Auch im Deutschen sind Hunde trotz ihrer allgemeinen Beliebtheit sprachlich nicht gerade positiv besetzt. Man denke nur an Adjektive wie hundeelend oder hundsgemein.

          Beste Hunde sind McDonald‘s und General Electric

          Der beste Dow-Hund im vergangenen Jahr war die Schnellrestaurantkette McDonald‘s, die Aktionären mit Dividenden und Kursaufschlägen einen Gewinn von 30 Prozent gebracht hat. Kurz dahinter hechelte der Mischkonzern General Electric mit einem Plus von 28 Prozent ins Ziel. Die Aktienkurse der beiden Top-Dogs profitierten von Umstrukturierungen. McDonald‘s parierte den Angriff von Konkurrenten mit einer Ausweitung seines Angebots. GE reagierte auf die Forderungen prominenter Analysten und trennte sich von großen Teilen seiner Finanzsparte.

          Bild: F.A.Z.

          Immer geht die Strategie allerdings nicht auf. Zu den schwächsten Titeln im Rudel gehörten im vergangenen Jahr der Baumaschinenhersteller Caterpillar (minus 23 Prozent) sowie die Ölkonzerne Chevron (minus 16 Prozent) und Exxon Mobil (minus 13 Prozent). Die Unternehmen litten unter der konjunkturellen Schwäche der großen Schwellenländer. Dies belastete Rohstoff- und Ölpreise sowie die Nachfrage nach schweren Caterpillar-Bulldozern und Lastwagen, die zum Abbau von Rohstoffen benutzt werden. McDonald‘s, GE und der Getränkehersteller Coca-Cola verlassen nach den Kursgewinnen des vergangenen Jahres nun das Dow-Rudel. Neu hinzu gekommen sind der Technologiekonzern IBM, der Netzwerkausrüster Cisco Systems und der Einzelhändler Wal-Mart Stores.

          Unverändert tummeln sich neben Caterpillar und den beiden Ölriesen der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble, die Pharmakonzerne Merck & Co. und Pfizer sowie die Telefongesellschaft Verizon unter den Dow-Hunden.

          Nicht immer erfolgversprechend

          Dividendentitel waren in den vergangenen Jahren auch populär, weil sie angesichts extrem niedriger Zinsen für Anleger, die auf regelmäßige Ausschüttungen Wert legen, eine Alternative zu festverzinslichen Wertpapieren waren. Nachdem die amerikanische Notenbank im Dezember erstmals seit dem vergangenen Jahrzehnt die Leitzinsen leicht erhöht hat, rechnen Händler an der Wall Street mit weiterhin steigenden Zinsen. Das macht Anleihen im Vergleich zu Aktien wieder attraktiver und könnte möglicherweise Dividendentitel belasten.

          Ohnehin ist die Hundestaffel des Dow nicht jedes Jahr erfolgreich. In sieben der vergangenen 15 Jahre hatte sich der Aktienindex S&P 500 besser entwickelt als das Hunderudel im Dow. Für Anleger mit langem Atem hat sich die Strategie dennoch ausgezahlt. Die Hunde-Aktien kamen in den vergangenen Jahren auf einen durchschnittlichen Gewinn von 8,4 Prozent. Mit dem S&P 500 waren nur 6,9 Prozent drin.

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