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Anlagestrategie : Der Trick mit der Dividende

Bild: F.A.Z.

Die Idee ist so alt wie lukrativ: Wer Aktien kauft, die hohe Gewinnausschüttungen bringen, also Dividenden, verdient daran auf Dauer mehr. Die Strategie hat 2008 zwar ein schlechtes Jahr erlebt. Doch 2009 sieht alles anders aus.

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          Die Idee ist so alt wie lukrativ: Wer Aktien kauft, die hohe Gewinnausschüttungen bringen, also Dividenden, der verdient daran auf Dauer mehr. Seit der amerikanische Vermögensverwalter Michael O'Higgins 1991 die Dividendenstrategie in seinem Buch vorstellte, hat sie die Anleger kaum enttäuscht. "Dogs of the Dow" heißt diese Strategie, und sie funktioniert ganz simpel: Der Anleger sucht einmal im Jahr die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite aus, im Dow- Jones-Index oder im Dax. Diese Aktien behält er dann für ein Jahr, danach beginnt er wieder von vorn.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dividendenstrategien sind bereits mehrfach getestet worden. Zwar finden sich immer wieder schwache Jahre, doch wer längere Zeiträume am Stück betrachtet, ist bisher mit dividendenstarken Aktien immer gut gefahren. Das zeigt auch der Dividenden-Dax (Div-Dax) der Deutschen Börse, in dem jeweils die 15 dividendenstärksten Dax-Unternehmen stecken.

          Dividendenrendite liegt über jener von Staatsanleihen

          In der Finanzkrise haben die Anleger mit den Dividenden-Favoriten 2008 zwar viel mehr Geld verloren als mit anderen Aktien, weil ihnen die Dividendenrendite viele Banken ins Depot gespült hatte. Doch Ende 2009 zeigt sich: In diesem Jahr erweisen sich die Dividendenwerte schon wieder als lukrativ. Während der Dax bisher 21 Prozent gewonnen hat, hat der Div-Dax 25 Prozent zugelegt.

          Auch jetzt gibt es noch genügend Gründe, auf hohe Gewinne zu hoffen. Die Dividenden sinken zwar bei einigen Firmen, doch auch die Kurse haben nachgegeben. Mit 3,6 Prozent liegt die Dividendenrendite aktuell immer noch deutlich über der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen - eine Situation, wie sie in den zehn Jahren vor der Krise nie vorgekommen ist.

          Warum ausgerechnet die Dividendenkönige dauerhaft so viel Rendite bringen, weiß niemand so genau. Schließlich sind hohe Dividenden zwar ein Signal für hohe Ertragskraft, wie Alexander Kempf am Kölner Zentrum für Finanzforschung (Centre for Financial Research) betont - aber eben auch dafür, dass die Firmen das ausgeschüttete Geld nicht mehr selbst profitabel investieren können.

          Der Vermögensverwalter Hendrik Leber verweist auf einen anderen Effekt. Aktien mit einer hohen Dividendenrendite bringen nicht nur eine verhältnismäßig hohe Gewinnausschüttung, sondern haben auch einen recht niedrigen Kurs. Und das bedeutet: Sie sind aus irgendeinem Grund unbeliebt. Darum heißt die Strategie auch "Dogs of the Dow", nach den ungeliebten "Hunden des Dow".

          Doch die Abneigung der Anleger ist in den wenigsten Fällen wirklich langfristig. Manchmal sind die entsprechenden Aktien vorübergehend zu langweilig, weil sie kein großes Gewinnwachstum versprechen. Oder die Unternehmen haben eine größere Krise hinter sich. Solange sie aber noch eine Dividende ausschütten, gehen sie vermutlich nicht im nächsten Jahr pleite.

          Anleger, die eine Dividendenstrategie verfolgen möchten und sich dabei streng an die Regeln halten wollen, können sie mit mehreren Indexfonds abbilden: Fonds auf den deutschen Div-Dax zum Beispiel beinhalten schlicht immer die 15 Aktien aus dem Deutschen Aktienindex, die die höchste Dividendenrendite liefern.

          Wer sich nicht auf Deutschland beschränken möchte, findet Indexfonds für dividendenstarke Aktien auch aus dem Euro-Raum. Hierfür ist der "Dow Jones Euro Stoxx Select Dividend 30" einer der wichtigsten Indizes. Er ist schon etwas komplizierter aufgebaut. Die Aktien müssen neben einer hohen Dividendenrendite auch fünf Jahre lang die Dividende mindestens stabil gehalten haben, und sie dürfen höchstens 60 Prozent ihres Gewinns ausgeschüttet haben.

          Anleger, die aktiven Fondsmanagern mehr trauen als den rein mechanischen Regeln, haben ebenfalls viel Auswahl. Werner Hedrich von der Fonds-Ratingagentur Morningstar hält viel von einem Fonds der niederländischen ING-Bank, der den Namen "Invest Euro High Dividend" trägt. Dahinter stehe ein großes Team, das sich auf die Auswahl von Dividendentiteln spezialisiert habe. Der ING-Fonds hat außerdem den Vorteil, dass er sein Geld auf der ganzen Welt anlegt. Durch die Verteilung werden die Risiken etwas geringer.

          Ist die Dividende der Telekom gefährdet?

          Manche Leute wollen ihr Geld trotzdem lieber nur in der EuroZone anlegen. Für die eignen sich laut Hedrich zum Beispiel der "LBBW Dividenden Strategie" und der "DWS Top Dividende". All diese Fonds haben das schwierige Jahr 2008 gut gemeistert, während die Dividendenindizes voller Banken waren und besonders viel Geld verloren.

          Wer längerfristig auf einzelne Aktien setzen möchte, muss noch etwas genauer hinsehen. Die "Dogs of the Dow"-Strategie sortiert Verliererfirmen aus, sobald sie kein Geld mehr verdienen. Wer sein Portfolio aber nicht jedes Jahr neu zusammenstellt, hält möglicherweise manche Aktien so lange, bis der Kurs ernsthaft leidet.

          Eine Aktie, bei der diese Gefahr besteht, ist aus Sicht von Vermögensverwalter Leber die Deutsche Telekom. Deren Gewinn hänge immer noch stark vom deutschen Festnetzgeschäft ab, da aber verliere sie immer mehr Kunden und immer mehr Umsatz. Die Deutsche Telekom ist auch eine der wenigen Aktien, deren Kursverluste über viele Jahre die Dividende schlicht aufgefressen haben.

          Zu Lebers Favoriten zählen dagegen die beiden großen Versicherungen: die Allianz als einer der größten Versicherer Europas, der in Schwellenländern enorme Wachstumschancen hat. Der zweite Versicherer unter Lebers Favoriten ist die Münchener Rück. Der weltweit größte Rückversicherer steht nach der Finanzkrise und den Schwierigkeiten des Konkurrenten AIG stärker da als zuvor und kann künftig wohl höhere Prämien durchsetzen.

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