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Anlagestrategie : Bewertungen in Amerika noch nicht auf Rezessionsniveau

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Bild: Sarasin

Die Kurse an der Wall Street sind zwar bereits gefallen. Aber im historischen Vergleich sind amerikanische Aktien noch nicht günstig. Laut einer Studie von Sarasin gab es nur eine Rezessionsphase, in der die Bewertung teurer war.

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          An den Weltbörsen geht seit einiger Zeit die Angst vor einer Rezession in Amerika um. Die Kurse sind wegen dieser Ängste auch schon deutlich zurückgekommen. Sollte es tatsächlich zu einer Rezession kommen, ist es aber fraglich, ob an der Wall Street die Kurse schon stark genug gefallen sind. Zumindest nähren historische Bewertungsvergleiche Zweifel in dieser Hinsicht.

          In einer Studie weisen die Analysten vom Schweizer Bankhaus Sarasin darauf hin, dass eine Rezession in Amerika wegen der höheren Energiepreise, weniger Arbeitsplätzen und fallenden Häuserpreisen und den damit verbundenen dämpfenden Auswirkungen auf den Konsum eine Rezession unausweichlich scheint. Und das wiederum würde Druck auf die Unternehmensgewinne bedeuten. Bei Sarasin wird damit gerechnet, dass sich das negative Gewinnwachstum im Finanzsektor im Verlauf des Jahres auf die übrigen Branchen und auf andere Regionen ausweiten wird. In Amerika erwarten die Schweizer deshalb um zehn bis 20 Prozent sinkende operative Gewinne, während die Gewinne in anderen Ländern, welche nur indirekt von einer Rezession in Amerika betroffe wären, nur leicht fallen dürften.

          Gemessen an den hauseigenen Prognosen sind die aktuell noch vorherrschenden Konsens-Schätzungen um bis zu 30 Prozent zu hoch. Die Analysten rechnen im Durchschnitt nicht mit einer Rezession. Im Gegenteil, für die Jahre 2008 und 2009 progonstizieren sie sogar eine Gewinnsteigerung. Das birgt Enttäuschungspotenzial und das wiederum dürfte den Druck auf die Aktienmärkte noch verstärken, wenn die Schweizer mit ihren Thesen richtig liegen.

          Aktienmarktbewertung sinkt in Rezessionen

          Nach den Kursverlusten der vergangenen Monate argumentieren manche Marktteilnehmer zwar, eine Rezession in Amerika sei in den Aktienkursen bereits eskomptiert. Aufgrund der großen Verluste im Finanzsektor ist jedoch die Bewertung des amerikanischen Aktienmarktes trotz des Kursrückschlags unter dem Strich kaum günstiger geworden. Historisch betrachtet ist dies eher unüblich. Im Durchschnitt der vergangenen sechs Rezessionen in Amerika fällt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zehn Monate vor einer Rezession und steigt erst zwei Monate nach Beginn der Rezession wieder (siehe Grafik).

          Die Bewertung sinkt zunächst, da die Kurse meist schneller fallen als die Gewinne, welche dem Konjunkturzyklus nachfolgen. Bis alle Anleger von der Realität einer Rezession überzeugt sind, dürften die Aktienmärkte deshalb noch günstiger werden, schreiben die Sarasin-Analysten in ihrer Studie. Die angehängte Grafik zeigt, dass der amerikanische Aktienmarkt im historischen Vergleich nicht günstig bewertet ist. Tatsächlich gab es nur eine Rezessionsphase (2001), in welcher die Bewertung teurer war. Bei fallenden Gewinnerwartungen wird die aktuelle Bewertung daher laut Sarasin kaum vor einem weiteren Ausverkauf schützen.

          Man rechnet wegen der erwarteten Rezession in Amerika global mit sinkenden Gewinnen. Es müsse deshalb in den nächsten Monaten mit Anpassungen bei den Gewinnschätzungen nach unten gerechnet werden und damit, dass die Aktienmärkte den Gewinneinbruch antizipieren werden. Die Bewertung der Aktienmärkte dürfte daher bis Mitte des Jahres noch fallen. Die Kursziele für die wichtigsten Aktienmärkte haben die Sarasin-Analysten aufgrund der tieferen Gewinne um rund zehn Prozent zurückgenommen. Erst eine Wende im Konjunkturzyklus sowie eine Stabilisierung im Finanzsektor dürften ab Mitte Jahr zu einem freundlicheren Börsenklima führen. Für den derzeit bei 7.467 Punkten notierenden Swiss Market Index könnte dies laut Sarasin bis zur Jahresmitte zunächst noch zu einem Fall bis auf 6.600 Punkte führen, bevor sich das Schweizer Börsenbarometer dann bis Jahresende wieder bis auf 8.200 Punkte erholen könnte.

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