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Anlagestrategie : Auf der Suche nach Dividenden

  • -Aktualisiert am

AT&T bietet eine hohe Dividende Bild: REUTERS

Die Aktien von „Schrottunternehmen“ schneiden in der ersten Phase einer Börsenerholung oft gut ab. Später jedoch sind Anleger an guten Unternehmen, die stabile Dividenden zahlen, interessiert. Ihre Aktien sind langfristig reizvoll.

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          Die Jagd nach Schrottaktien ist offiziell beendet - meint zumindest John Gould, Co-Manager des Cullen High Dividend Equity Fonds. „Die 363 Aktien des Aktienindex Standard & Poor's 500, die Dividenden abwerfen, haben im vergangenen Jahr 26,2 Prozentpunkte zugelegt, die Aktien ohne Dividenden dagegen 65,3 Prozentpunkte“, sagt er.

          „Die unattraktiven Unternehmen ohne Dividenden und Erträge schnitten also wesentlich besser ab - und das ist typisch für einen Markt, der sich gerade von extremen Kursrückgängen erholt. Aber nun treten wir in eine neue Phase ein. Die besten Ergebnisse haben in den vergangenen vier Monaten die Aktien mit starken Dividenden erzielt.“

          Aktien von ausschüttenden Unternehmen schneiden langfristig gut ab

          Dass Gould die Zahlung von Dividenden als ein Zeichen von Unternehmensstärke betrachtet, sollte niemanden verwundern, der die Geschichte der Märkte kennt. Seit 1972 haben die S&P-500-Aktien mit Dividenden eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,5 Prozent erzielt. Die Aktien ohne Dividenden kamen nach Angaben von Ned Davis Research dagegen auf nur 1,2 Prozent - und lagen damit deutlich unter dem gesamten S&P 500 mit 6,8 Prozentpunkten. Die gute Jahresrendite der Aktien mit Dividende ist wohl darauf zurückzuführen, dass ihre Volatilität ein Drittel geringer war als die Volatilität der Aktien ohne Dividende.

          Leider liegt der durchschnittliche Dividendenertrag von Aktien derzeit bei nur 2,2 Prozent - und damit noch weit unter der durchschnittlichen Aktienrendite von 5,4 Prozent nach dem letzten großen Einbruch am Aktienmarkt im Jahre 1974. Aber die Renditen werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach wieder erholen. Da Bankkonten fast nichts abwerfen und Rentenpapiere kaum mehr als drei oder vier Prozent bringen, hungern die Anleger regelrecht nach Erträgen. Außerdem sitzen viele Unternehmen auf ihren Geldreserven, die sie während der Wirtschaftsflaute gehortet haben, und wissen nun gar nicht so recht, was sie mit ihnen anfangen sollen. Schließlich hielten die Barmittel Ende 2009 in den Unternehmensbilanzen einen Anteil von 12,5 Prozent an allen Vermögenswerten - und damit den höchsten Anteil aller Zeiten. „Microsoft sitzt auf 36 Milliarden Dollar Cash“, sagt Gould. „Was wollen sie denn damit anfangen? Es würde mich nicht wundern, wenn sie noch vor Jahresende eine weitere Dividendenerhöhung bekannt gäben.“ (Bloombergs Team, das die Dividendenprognosen erstellt und dafür sieben Faktoren verwendet, geht davon aus, dass Microsoft seine Dividenden sowohl in diesem als auch im nächsten Quartal beibehalten und erst in den folgenden Quartalen von 2010 von 13 Cents auf 14 Cents pro Aktie anheben wird.)

          Anleger, die diesem Trend folgen wollen, sollten über Beteiligungen an einem dividendenorientierten Anlagefonds oder einem börsennotierten Fonds nachdenken. Die Manager dieser Fonds verwenden in der Regel drei Fonds-Arten: Equity Income, Dividend Growth und Dividend Capture.

          Equity Income Fonds sind von allen drei Fonds meist die konservativsten - mit ihrer Ausrichtung auf momentan hohe, stabile Dividendenerträge. Das gilt auch für die Fonds Allianz Dividend Value und American Century Equity Income. „Wir suchen nach Unternehmen, die nachhaltige Dividenden haben“, sagt American Centurys Manager Phil Davidson. „Dann kaufen wir ihre Aktien, wenn sie gerade recht unpopulär sind, und wenn die Erträge im historischen Vergleich über dem Durchschnitt liegen. Als erstes verwenden wir aber sehr viel Zeit auf das Studium ihrer Bilanzen, damit wir uns auch wirklich ganz sicher sein können, dass ihre Dividenden zukunftsfähig sind.“

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