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Anlagestrategie : Aktienstrategen sehen kaum noch Luft nach oben

Bild: F.A.Z.

Um 700 Punkte ist der Dax seit Februar gestiegen. Im Vergleich zum März 2009 sind es sogar fast 2700 Punkte. Geht es nach Meinung der meisten Aktienstrategen, dürften in den nächsten Monaten nicht mehr allzu viel hinzukommen.

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          Um 700 Punkte ist der Dax seit Februar gestiegen. Im Vergleich zum März 2009 sind es sogar fast 2700 Punkte. Geht es nach Meinung der meisten Aktienstrategen, dürften in den nächsten Monaten nicht mehr allzu viel hinzukommen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die Erwartungen der Marktteilnehmer an die Entwicklung von Konjunktur und Unternehmensgewinnen haben sich in den vergangenen Monaten nämlich zusehends verbessert. Positive Überraschungen auf breiter Front werden dadurch erheblich erschwert. Einen Treiber für die Aktienmärkte, der den Kursen noch mal einen Kick nach oben geben könnte, vermag daher kaum jemand auszumachen.

          Übergangsphase in eine Seitwärtsbewegung?

          Wohlwollend nahmen die Märkte dabei auch am Mittwoch überraschend gute Quartalszahlen wie jene von Apple und Volkswagen zur Kenntnis. Auch die Zahlen von Daimler am Dienstag und von den amerikanischen Banken im Wochenverlauf vermochten die Märkte zu erfreuen. Ein Kursfeuerwerk lösten sie gleichwohl nicht aus. Mit rund 6260 Punkten konnte der Dax auch am Mittwoch sein bisheriges Jahreshoch aus der Vorwoche bei 6311 Punkten nicht übertreffen.

          "Die Aktienmärkte befinden sich in einer Übergangsphase in eine Seitwärtsbewegung", sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege der Unicredit. Auf 6000 Punkten sieht er den Dax sowohl zur Jahresmitte wie auch zum Jahresende. "Der Konjunkturoptimismus der Anleger geht zunehmend in Sorglosigkeit über", sagt Greetfeld. "Das erhöht die Anfälligkeit für Rückschläge." So sei die Klage der amerikanischen Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs eigentlich nur eine unternehmensspezifische Nachricht, die bei Bekanntwerden vergangenen Freitag allenfalls andere Bankaktien hätte noch belasten dürfen. "Die Nachricht hat jedoch den ganzen Markt erheblich negativ tangiert", sagt Greetfeld. "Das ist ein schlechtes Zeichen für die Marktverfassung." Zudem sieht Greetfeld die oberen Wendepunkte bei den konjunkturellen Frühindikatoren erreicht: "Sie haben im März 2009 sehr gut die Wende am Aktienmarkt zum Besseren signalisiert und dürften nun den Beginn einer schwierigeren Wegstrecke am Aktienmarkt anzeigen."

          Auch die finanzielle Lage Griechenlands treibt die Aktienstrategen zusehends um. Bisher seien die Risiken, die daraus erwachsen könnten, kaum in den aktuellen Bewertungen am Aktienmarkt enthalten. Auch verweisen Strategen darauf, dass das Beispiel Griechenland den erheblichen Bedarf fiskalpolitischer Konsolidierungsanstrengungen in zahlreichen Industrieländern offenbare, was das künftige Wirtschaftswachstum belasten dürfte.

          Andauernder und nicht mehr hinterfragter „Schwellenländeroptimismus“

          Besser sehen die Marktstrategen die Lage in den Schwellenländern. "Aus den großen Schwellenländern China, Indien und Brasilien kommen sehr positive Zeichen für die weitere konjunkturelle Entwicklung", sagt Roland Ziegler, Aktienstratege der BHF-Bank. Die Problemlage dort sei eine völlig andere. "Während die Amerikaner auf eine Stabilisierung ihres Immobilienmarktes auf niedrigem Niveau hoffen, müssen die Chinesen die Entwicklung kräftig bremsen, um Überhitzungen zu vermeiden." Mittelfristig ist er in Erwartung deutlich höherer Wachstumsraten der Schwellenländer auch für die dortigen Aktienmärkte optimistischer. "Nachdem die Erholung der Aktienmärkte dort sehr viel früher begonnen hat, sind die Märkte auch eher in eine Seitwärtsbewegung übergegangen. Die Hochs stammen noch aus dem vergangenen Jahr", sagt Ziegler. "Diese Ruhepause dürfte bis zur Jahresmitte beendet werden, und dann bieten die Schwellenmärkte wieder deutlich bessere Chance-Risiko-Verhältnisse als die Industrieländer." In den Aktienmärkten in Europa und Amerika sieht Ziegler eine gestiegene Rückschlagsgefahr, da die Erwartungen ständig weiter stiegen. "Viele können sich Kursverluste gar nicht mehr richtig vorstellen. Das ist immer ein kritischer Zeitpunkt", sagt Ziegler.

          Dass die Märkte jedoch am Beginn einer ausgeprägten Abwärtsbewegung stehen, erwarten die meisten Strategen nicht. "Der Schwung ist an den Märkten erst einmal weitgehend raus, der grundsätzliche Trend stimmt jedoch", sagt Marc-Gregor Czaja, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg. Die extrem gute Kostenkontrolle der Unternehmen in der Krise, verbunden mit nun wieder langsam steigenden Umsätzen, sorge für eine weiter deutlich positive Gewinnentwicklung. "Diese wichtigste Kenngröße für den Aktienmarkt liefert weiter positive Impulse", sagt Czaja. Nach einer zwischenzeitlichen Durststrecke sieht die LBBW den Dax zum Jahresende auf 6500 Punkten - immerhin noch ein Anstieg von gut 200 Punkten vom derzeitigen Niveau aus.

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