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Anlage-Strategie : So sichern sich Anleger gegen Kursrückschläge ab

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Bild: FAZ.NET

Die Kurse an den Börsen sind in den vergangenen Wochen rasant gestiegen. Technische Indikatoren können nun manchen Anleger vorsichtiger werden lassen. Sie können sich mit verschiedenen Strategien wappnen - zum Beispiel mit dem Kauf von Puts.

          Mit einem Kursgewinn von knapp 50 Prozent in drei Monaten hat sich der Dax zusammen mit vielen anderen Aktienmärkten weltweit von den Märztiefs erholt. Das ist beachtlich, denn eine Kursdynamik dieser Art hat es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

          Sie führt allerdings dazu, dass die Börsen zumindest aus markttechnischer Sicht ziemlich stark überkauft sind. So war der Abstand zwischen dem Indexstand an sich und dem gleitenden 200-Tagesdurchschnitt am Freitag mit 18 Prozent so groß geworden wie zuletzt vor einem Jahr, kurz bevor der Markt kräftig nach unten drehte.

          Der Blick in die weitere Vergangenheit zeigt, dass Konsolidierungs- oder Korrekturbewegungen regelmäßig dann anstanden, wenn diese Abweichung das inzwischen erreichte Niveau markiert oder gar überschritten hatte. Auch andere Indikatoren deuten unabhängig von allen fundamentalen Überlegungen auf die Möglichkeit einer Konsolidierung hin.

          Technische Indikatoren können manchen Anleger vorsichtiger werden lassen

          So ist zum Beispiel in den Vereinigten Staaten die Differenz zwischen dem Vix-Index, der die von den Händlern erwarteten Kursschwankungen der im S&P-500-Index gehandelten Aktien in Form der gehandelten Volatilitäten repräsentiert, und dem Volatilitäts-Future, vergleichsweise groß geworden. Die Händler gehen also davon aus, dass die Volatilität in den kommenden Wochen zunehmen wird. Das tut sie in der Regel dann, wenn die Kurse an den Börsen fallen.

          Auch aus fundamentaler Sicht sind die in den Aktienkursen eingebetteten Gewinnerwartungen vergleichsweise ambitioniert. Viele Anleger scheinen davon auszugehen, dass sich die Konjunktur weltweit rasch und deutlich von den jüngsten Rückschlägen erholen und die Wirtschaft dynamisch wachsen wird. Das jedoch ist längst nicht sicher. Aufgrund der gewaltigen geldpolitischen und fiskalischen Impulse mag es kurzfristig zumindest in Quartalsvergleichen zu erstaunlichen Wachstumsraten kommen.

          Allerdings absolut betrachtet auf deutlich tieferen Niveau als noch vor einem Jahr. Das heißt, auch bei Unternehmen sind die Umsatz- und Ertragsniveaus tiefer als damals. Ob sie sich auf die Schnelle wiederherstellen lassen, wird sich zeigen müssen. Immerhin war schon der Boom der vergangenen Jahre mit einer wahren Kreditblase erkauft worden. Die erhoffte Erholungsbewegung wird gleich zweifach auf Kosten der Zukunft erzwungen: Erstens, indem die Staatsverschuldung beinahe weltweit rasant zunimmt. Zweitens, indem Produktkäufe aufgrund äußerst dubioser Anreize wie der Abwackprämien künstlich vorgezogen werden. Die „erkünstelte“ Nachfrage dieser Art wird dafür später fehlen.

          Wie kann der Anleger reagieren? Er kann seine Aktienpositionen absichern. Zum Beispiel durch das geschickte Plazieren von Stopp-Loss-Aufträgen. In diesem Fall wird automatisch zum nächstmöglichen Kurs verkauft, sobald der Kurs eine festgelegte Untergrenze erreicht hat. Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige „Kursschwelle“ festzulegen und „zu pflegen“. Verschiedene Anbieter, etwa die Comdirect-Bank, bieten inzwischen so genannte „Trailing-Stopps“ an, die die Anpassung auf dem Weg nach oben automatisch umsetzen.

          Liegt die Verkaufsmarke zu eng am Markt, kann ein kurzes „Abtauchen“ der Aktie den Verkaufsauftrag auslösen. Zieht sie danach gleich wieder an, hätte der Anleger nicht nur zu einem ungünstigen Kurs verkauft, sondern müsste auch noch auf die weiteren Kursgewinne verzichten. Legt er sie hingegen zu weit weg, muss er vergleichsweise hohe Kursverluste hinnehmen, bis die „Schutzfunktion“ greift. Aus diesem Grund ist ein sensibles Händchen bei der Aufgabe solcher Orders nötig. Der Anleger sollte das übliche Handelsvolumen und die Volatilität des Papiers berücksichtigen.

          Verkaufsoptionen wirken wie eine Versicherung - Prämie gegen Schutz

          Eine weitere Absicherungsvariante ist der Kauf von Verkaufsoptionen oder Puts. Sie können dann interessant werden, wenn die Volatilitäten zunehmen, sobald die Kurse fallen. Puts bieten gegen Zahlung einer Prämie das Recht, ein Wertpapier zu einem bestimmten Kurs - dem gewählten Ausübungspreis - zu verkaufen oder die Differenz zwischen aktuellem Kurs und Ausübungspreis einzustreichen.

          Sie sind in diesem Sinne vergleichbar mit einer Versicherungspolice: Der Anleger erwirbt gegen die Zahlung einer Prämie ein Verkaufrecht - ohne Verpflichtungen einzugehen. Puts können entweder in Form von Optionsscheinen oder in standardisierter Form an Terminbörsen wie der Eurex, der Liffe oder der CBOE gekauft werden. Allerdings haben sie den Nachteil, rasch an Wert zu verlieren, sollten die Kurse nicht fallen und ginge die Volatilität zurück. In diesem Fall empfiehlt sich die rasche Auflösung der Position.

          Das gilt auch für eine weitere Absicherungsmöglichkeit, „das Spiel“ mit Futures, Futures-ähnlichen Zertifikaten oder Hebelzertifikaten. Futures sind nichts anderes als standardisierte Terminkontrakte auf einen Index, eine Währung, Rohstoffe oder andere Werte und Güter. Der Anleger kann sie verkaufen, um von fallenden Kursen zu profitieren - ohne sein Wertpapierdepot auflösen zu müssen. Fällt der Markt tatsächlich, kann er am Terminmarkt das gewinnen, was seine Papiere an Wert einbüßen - zumindest dann, wenn er das richtige Verhältnis zwischen Terminkontrakt und Depot ausgetüftelt hat.

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