https://www.faz.net/-gv6-3duv

Analystenempfehlungen : Analystendrama bei Merrill Lynch geht weiter

  • Aktualisiert am

Bild:

Nächster Akt im Drama um Merrill Lynch-Analysen. Diesmal geht es um eine Studie über das umstrittene Konglomerat Tyco.

          2 Min.

          Neuer Akt im Analystendrama um Merrill Lynch: Die Investmentbank hat ihren Analysten Phua Young gefeuert, weil dieser am vergangenen Donnerstag Analysen zum umstrittenen Industriekonglomerat Tyco International an institutionelle Kunden verschickt hatte, ohne eine Zustimmung des Managements einzuholen - eine „Strong Buy“-Empfehlung, versteht sich.

          Seit er 1999 zu Merrill Lynch kam, hatte der Analyst diese Einschätzung vertreten und nun noch einmal bekräftigt, nachdem das Konglomerat seinen Plan zur Aufspaltung in vier Teile wieder fallen ließ und einen Verlust im zweiten Quartal von 1,9 Milliarden Dollar gemeldet hatte.

          Kurs von Tyco bricht erneut ein

          „Wir begrüßen den Plan, das Unternehmen intakt zu lassen“, hatte Young in dem Bericht geschrieben. Die Aufgabe des Teilungsplans „dürfte außerdem die Unsicherheit über die Zukunft Tycos mindern“, so dass sich Investoren wieder verstärkt fundamentalen Daten zuwenden würden. Die Tyco-Aktie brach unterdessen am Montag an der Wall Street um weitere 14,57 Prozent auf 17 Dollar ein, und hat sich damit seit Jahresanfang mehr als gedrittelt.

          Die Investoren fürchten, dass es Tyco nicht schnell genug gelingen könnte, seine Finanzsparte CIT Group an die Börse zu bringen, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden. Ebenfalls am vergangenen Donnerstag reichte Tyco den Emissionsprospekt für CIT ein, das für 7,15 Milliarden Dollar verkauft werden soll, zwei Milliarden Dollar weniger, als Tyco vergangenen Juni dafür bezahlt hatte. Bei fälligen Schulden von rund 14 Milliarden Dollar in den nächsten eineinhalb Jahren könnte Tyco in Schwierigkeiten mit den Banken geraten, fürchten Analysten. „Ein Erfolg des CIT-Börsengangs ist zwingend“, meint etwa Marcy Yeamans, Analystin bei Banc One Investment Advisors.

          „Kein Zusammenhang mit Ermittlungen“

          Die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC und die Staatsanwaltschaft ermitteln derzeit gegen mehrere Wall Street-Häuser wegen des Vorwurfs, ihre Analysten hätten positive Analysen über Unternehmen geschrieben, um diese als Investmentbank-Kunden zu gewinnen oder zu halten (vgl. Links). In der Vergangenheit hatte Merrill Lynch Wertpapiere für Tyco platziert, war aber nicht bei den Teilungsplänen oder dem CIT-Verkaufsplan involviert.

          Unterdessen betonte Merrill Lynch, gegen den Inhalt der Tyco-Studie hätte es nichts einzuwenden, und die Entlassung stehe in keinem Zusammenhang mit den derzeitigen Ermittlungen gegen die Investmentbank. Der Versand der Studie sei vielmehr ein Verstoß gegen die Firmenpolitik und die Aufsichtsstandards. An diesem Montag will es aber fast so aussehen, als reihe sich die Studie in die bisherigen umstrittenen Fehleinschätzungen der Investmentbank ein.

          Weitere Themen

          Die Super-Bonanza am Ölmarkt

          FAZ Plus Artikel: Begehrte Tanklager : Die Super-Bonanza am Ölmarkt

          Im südafrikanischen Hafen von Saldanha verstecken sich die größten Öllager auf der Südhalbkugel. Wegen der Turbulenzen am Ölmarkt sind die Kapazitäten jetzt besonders begehrt. Auch ein Unternehmen aus Hamburg mischt mit.

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Bodo Ramelow vor einer Regierungserklärung im Thüringer Landtag.

          Thüringen plant Lockerungen : Mutig oder falsch?

          Die Pläne der Thüringer Landesregierung, den allgemeinen Lockdown wegen der Corona-Pandemie vom 6. Juni an aufzuheben, stößt nicht nur bei Gesundheitsexperten auf scharfe Kritik. Doch in der Bevölkerung erfährt Bodo Ramelows Vorstoß auch Zustimmung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.