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Dax leicht erholt : Analyst sieht bei Deutscher Bank Kapitalbedarf von 20 Milliarden

  • Aktualisiert am

Dei Deutsche Bank ist weiterhin im Fokus der Börse. Bild: dpa

Der deutsche Aktienmarkt erholt sich etwas von den Verlusten der Vorwoche. Die Börse rechnet nicht mit einer Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank. Derweil setzt die Deutsche Bank-Aktie ihre Talfahrt fort.

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          Nach einer verlustreichen Woche an den Aktienmärkten ist bei Börsianern am Montag die Zuversicht zurückgekehrt. Anleger spekulieren darauf, dass die Währungshüter Amerikas bei ihrem Treffen diese Woche die Füße still halten und die Zinsen nicht erhöhen werden. Am Mittwoch entscheidet die amerikanische Notenbank Federal Reserve, ob sie die Zinsen erstmals seit Dezember 2015 wieder nach oben schraubt oder nicht. Der Dax steigt um 0,8 Prozent auf 10.359 Punkte. nachdem er auf Wochensicht rund 2,8 Prozent zuletzt verloren hatte und das Niveau von Anfang August zurückgefallen war.

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          "Auslöser für die Panikattacke war ein unguter Mix aus Konjunktursorgen", meint Claudia Windt von der Helaba. Selbst auf die Zentralbanken scheine kein Verlass mehr. "Das Bild einer konjunkturunterstützenden, dauerhaft extrem expansiven Zinspolitik bekam dank einer eher unglücklichen Kommunikation vor allem von einzelnen amerikanischen Geldpolitikern erhebliche Risse." Widersprüchliche Aussagen von Fed-Vertretern hatten in den vergangenen Wochen für Verwirrung unter Börsianern gesorgt.

          Anleger sehen die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung der Leitzinsen, die derzeit in einer Spanne von 0,25 und 0,5 Prozent liegen, im September nur bei zwölf Prozent. Analyst Jochen Stanzl warnte aber vor zu viel Optimismus. "Eine Zinserhöhung in Amerika wäre nach den letzten Wirtschaftsdaten zwar eine knallharte Überraschung. Aber die US-Notenbank ist auch bekannt dafür, nicht immer das zu tun, was von den Finanzmärkten erwartet wird."

          Unterstützung für die Börsen kam vom Ölmarkt. Die Aussicht auf die Vereinbarung einer Obergrenze für die Ölproduktion trieb die Preise für den Rohstoff in die Höhe. Nach den Worten des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro stehen die ölproduzierenden Länder innerhalb und außerhalb der Opec kurz vor einer Übereinkunft zur Stabilisierung des Ölmarktes.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Eine Einigung könnte noch diesen Monat verkündet werden. Die richtungsweisende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um zwei Prozent auf 46,62 Dollar je Fass. "Wir haben zwar nicht zum ersten Mal in diesem Jahr die Hoffnungen auf die Vereinbarung einer Förderbremse, aber diesmal helfen sie dem Ölpreis auf die Sprünge und unterstützen einzelne Märkte", sagte Volkswirt Frederik Ducrozet vom Vermögensverwalter Pictet.

          Im Dax setzten die Aktien der Deutschen Bank ihre Talfahrt vom Freitag fort und fielen um bis zu 2,6 Prozent auf 11,68 Euro. Sie waren damit der größte Verlierer im Dax. Dem Geldhaus droht aus den USA im Hypothekenstreit eine Strafe von 14 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 12,5 Milliarden Euro . "Auch wenn diese Summe noch verhandelt wird, ist klar, dass die Bank am Ende deutlich mehr zahlen muss, als bislang angenommen wurde", sagte ein Händler. Eine Kapitalerhöhung werde damit wohl unvermeidlich. Finanzkreisen zufolge hat das größte deutsche Kreditinstitut dafür 2,5 bis drei Milliarden Euro zurückgestellt.

          DT. BANK

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          Analyst Andrew Lim von der Societe Generale betonte, dass er den deutschen Branchenprimus bereits vor dieser Nachricht für deutlich unterkapitalisiert gehalten habe hat die Einstufung für Deutsche Bank auf "Sell" mit einem Kursziel von 10,50 Euro belassen. Dabei sei er sogar noch davon ausgegangen, dass die Summe neben Kosten für andere Baustellen aus den Rückstellungen von 5,4 Milliarden Euro gestemmt werden könne. Eine deutlich höhere Zahlung an die Vereingten Staaten würde aber bedeuten, dass die Bank eine Kapitalerhöhung benötige, so Lim. Insgesamt drohe ein Kapitalbedarf von etwa 20 Milliarden Euro - und damit oberhalb der Marktkapitalisierung - um eine ordentliche Kapitaldecke zu erhalten.

          Andere Finanzwerte, die am Freitag ebenfalls unter die Räder gekommen waren, konnten sich dem Abwärtstrend der Deutschen Bank entziehen und legten zu. Royal Bank of Scotland, Unicredit und ING gewannen je 1,2 Prozent, Credit Suisse und Barclays stiegen ein Prozent.

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