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Analyse : Personality-Aktien sind riskant

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Martha Stewart hat den Aktienkurs ihres Unternehmens ins Trudeln gebracht Bild: dpa

Mit den Namen der Gründer stehen und fallen Unternehmen, das jüngste Beispiel ist Martha Stewart. Gibt es Ärger, sackt der Aktienkurs in den Keller.

          Aktien von Unternehmen zu kaufen, die eng an einen Namen oder eine Persönlichkeit gebunden sind, ist riskant. Häufig schießen Aktien solcher Unternehmen anfangs nach oben, es ist jedoch schwer vorherzusehen, wie lange der Erfolg anhält. Der Aktienkurs des Schuh-Designers Kenneth Cole Productions hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt. Martha Stewart Living Omnimedia, Tommy Hilfiger und Polo Ralph Lauren sind hingegen eingebrochen.

          „Es ist ein zweischneidiges Schwert", zeigt sich David Yucius von Aurora Investment Counsel vorsichtig. Er hat erfolgreich darauf spekuliert, dass die Aktie von Martha Stewart fällt. „Es ist schwer vorherzusagen, wann sich das Blatt wendet und die Abhängigkeit von einer wichtigen Person zum Nachteil wird."

          Vom Erfolg des Designer hängt der Kurs ab

          Wenn ein Designer Erfolg hat, geht es auch den Unternehmen gut, die seine Kollektion verkaufen. Ein Beispiel ist der Einzelhändler Target. Analysten bringen seinen Erfolg in Verbindung mit dem Designer Mossimo Gianulli, dessen Produkte in den Target-Läden verkauft werden. Verlieren die Kunden aber das Interesse an einer bestimmten Marke, bricht die Aktie ein. Im Fall von Martha Stewart und Schuhdesigner Steven Madden ging es mit den Aktienkursen bergab, als die Firmengründer des Betrugs beschuldigt wurden.

          „Bekannte Namen haben einen riesengroßen Einfluss auf den Aktienkurs ihrer Unternehmen", erklärt der Vermögensberater Cummins Catherwood von Rutherford Brown & Catherwood. „Wir kaufen solche Aktien normalerweise nicht, weil unsere Kunden langfristige Kapitalanlagen bevorzugen. Der Einzelhandel ist so ein unberechenbares Geschäft, da muss man darauf eingestellt sein, die Aktien sofort wieder zu verkaufen."

          Ermittlungen gegen die Firmengründerin

          Martha Stewart Living hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass der Gewinn im dritten Quartal um 42 Prozent zurückgegangen sei und auch im laufenden Quartal unter den Erwartungen bleiben werde. Das Unternehmen vermarktet die Tipps seiner Firmengründerin zur Haushaltsführung. Doch nachdem Medienstar Martha Stewart der Insiderhandel mit Aktien vorgeworfen wurde, stiegen die Ausgaben des Unternehmens für Public Relations und Versicherungen.

          Die amerikanische Börsenaufsicht SEC untersucht, ob Stewart aufgrund von Insiderwissen ihre Aktien von Imclone Systems verkauft hat. Die Unternehmensgründerin ist eng mit Imclone-Gründer Samuel Waksal befreundet, könnte die Informationen aber auch von ihrem früheren Broker - der auch die Waksal-Familie betreute - erhalten haben. Da Stewart die Beschuldigungen abgestritten hat, droht ihr auch eine Klage wegen Falschaussage.

          Ohne den Chef geht's wieder aufwärts

          Der Aktienkurs von Steven Madden brach am 22. Juni 2000 um 40 Prozent ein, nachdem Madden wegen Aktienbetrugs festgenommen wurde. Er gab das Steuer seines Unternehmens im vergangenen Jahr ab, nachdem er zugegeben hatte, mit zwei korrupten Brokern kooperiert zu haben. Diese hatten Aktienkurse bei Börseneinführungen künstlich hochgetrieben. Im April wurde Madden zu 41 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Aktie seines Unternehmens geht es nach seinem Abgang wieder besser. Seit Jahresbeginn hat sie 21,5 Prozent zugelegt. Diese Woche hat das Unternehmen seine Prognose für den Jahresgewinn angehoben.

          Wer in Unternehmen investieren will, an deren Spitze eine bekannte Persönlichkeit steht, sollte nach Ansicht von Investoren vor allem darauf achten, wie gesund das Unternehmen hinter ihnen ist und wie die Wachstumsstrategie aussieht. „In einem solchen Fall muss zwischen dem Namen und dem Geschäft genau unterschieden werden", warnt Himali Kothari von John Hancock Advisors in Boston.

          Zwischen Namen und Geschäft unterscheiden

          Ein Beispiel dafür ist Liz Claiborne, ein Modehersteller, der mehrere Marken aufgekauft hat, um seine Angebotsbreite und Preisklasse zu diversifizieren. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 20 Prozent zugelegt. Firmengründerin Liz Claiborne zog sich bereits 1990 aus dem Aufsichtsrat zurück. Sie ließ einen der am schnellsten wachsenden und profitabelsten Bekleidungshersteller der 80er Jahre hinter sich.

          Am Beispiel Tommy Hilfiger zeichnen sich Kothari zufolge hingegen die Gefahren von Investments in brandaktuelle Marken ab. „Unternehmen müssen eine gewisse Bandbreite in ihrem Angebot haben", meint der Analyst, „und außerdem einen starken Markennamen."

          Der Absturz von Tommy Hilfiger

          „Tommy kam aus der spaßorientierten, städtischen Gesellschaft - und das hat anfangs auch gut funktioniert", bestätigt Wendy Liebmann von der Beratungsfirma WSL Strategic Retail. Aber im Laufe der Jahre „konnten sie sich offenbar nicht weiterentwickeln. Tommy Hilfiger blieb in der Zeit stecken." Hilfiger will nach Weihnachten 37 seiner 44 Läden in den USA schließen, um Kosten zu senken.

          Liebmann setzt jetzt auf Mossimo, dessen Jeans-Produkte immer mehr Marktanteile von Bekleidungsketten wie Gap abzwacken. „Wenn es mit den Designernamen gut läuft, ist das fantastisch für den Aktienkurs", erklärt die Beraterin, „wenn nicht, trifft es einen voll." Der Aktienkurs von Mossimo allerdings hat sich dieses Jahr mehr als verdreifacht.

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