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Analyse : Geht den US-Pharmaaktien die Puste aus?

  • -Aktualisiert am

Christian Garbe, Biotech Analyst Bild: @unit mit Bildmaterial von comchem.de

Eli Lilly und Pfizer haben ihre Geschäftsergebnisse vorgelegt. Trotz der Rückgänge sind die Wachstumsaussichten intakt, meint Christian Garbe.

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          Seit Mitte Oktober 2001 befindet sich der amerikanische Pharmasektor mit einem Kursverlust von acht Prozent und der europäische mit minus vier Prozent im Abwärtstrend. Die Pharmaaktien, die lange als ein sicherer Hafen galten und zu den defensiven Branchen wie Nahrungsmittel und Getränke zählen, haben erheblich an Attraktivität verloren.

          Besonders bemerkenswert sind die Einzelschicksale, die sich in den vergangenen Wochen ereignet haben. Als Beispiele können Bristol-Myers Squibb und Novo Nordisk gelten, die aufgrund von Gewinnwarnungen und enttäuschenden Quartalszahlen drastisch an Wert verloren haben. In dieser Woche meldeten nun die amerikanischen Pharmariesen Eli Lilly und Pfizer ihre Quartalsergebnisse und gaben einen Ausblick über die Entwicklung in diesem Jahr.

          Patentauslauf von Prozac setzt Eli Lilly zu

          Eli Lilly meldete für das erste Quartal 2002 einen Umsatz- und Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal. Allerdings war dieser Rückgang im Rahmen der Erwartung. Das Ergebnis pro Aktie fiel um 22 Prozent von 0,74 Dollar auf 0,58 Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auslöser für den Rückgang war der Auslauf des Patentes für das Antidepressivum Prozac, das seit August 2001 von Generikaunternehmen hergestellt und vertrieben wird. Der Umsatz mit Prozac fiel von 622,9 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf 186,1 Millionen Dollar.

          Allerdings zeigen die anderen Produkte des Portfolios ein starkes Wachstum. Insbesondere die Medikamente Zyprexa, Gemzar, Evista und Humulog haben einen durchschlagenden Erfolg im Markt. Da Lilly keinen weiteren signifikanten Patentauslauf wie Prozac zu befürchten hat, bietet das Produktportfolio eine stabile Wachstumsbasis für die Zukunft.

          Im Vergleich zu den Wettbewerbern verfügt Lilly über die wachstumsstärkste Produktpipeline im Pharmasektor. Produkte wie Xigris gegen Sepsis, das Ende 2001 in den Markt eingeführt worden ist, erfüllt zwar im Moment noch nicht die Umsatzerwartungen. Aber es hat das Potenzial in den nächsten Jahren zu einem Blockbuster zu werden. Auch Cialis, ein Konkurrenzprodukt zu Pfizers Potenzmittel Viagra, könnte noch in diesem Jahr zugelassen werden und zukünftig jährliche Umsätze von über eine Milliarde Dollar generieren. Ab dem Jahr 2003 kann die starke Pipeline von Lilly zu einem Ergebniswachstum von über 20 Prozent pro Jahr führen. Lilly bleibt also für die Zukunft ein interessantes Unternehmen mit einer intakten Wachstumsstory.

          Pfizer mit gebremsten Wachstum

          Pfizer meldete für das 1. Quartal 2002 einen Umsatzanstieg um elf Prozent auf 8,42 Milliarden Dollar sowie ein Wachstum des Ergebnisses pro Aktie um 22 Prozent auf 0,37 Dollar. Damit traf Pfizer die Erwartungen des Marktes. Die Erlöse haben ein breites Produktportfolio generiert, das acht der 30 weltweit umsatzstärksten Medikamente überhaupt umfasst. Beispielsweise Lipitor, ein Cholesterinsenker, erhöhte den Umsatz um 29 Prozent auf 1,85 Milliarden Dollar. Das Medikament wird sehr stark beworben und konnte damit stärker wachsen als der Gesamtmarkt der Cholesterinsenker.

          Pfizer setzt bei seinen umsatzstarken Produkten auf ein intensives Marketing, was aber auch zu hohen Ausgaben in diesem Bereich führt. Somit ist weiterhin von dem Pfizer Produktportfolio ein robustes Wachstum zu erwarten, weil keine Patentausläufe zu befürchten sind. Allerdings korrigierte das Management die Erwartungen des Ergebniswachstums für das 2. Quartal nach unten und geht nunmehr davon aus, dass ein Wachstum im einstelligen Bereichen erzielt wird.

          Günstig sind die Pharmaaktien noch nicht

          Pfizer begründet die Korrektur durch erhöhte Ausgaben in Forschung und Marketing. Da die operative Marge des Unternehmens schon sehr hoch ist, wird es Pfizer zwar schwer fallen, dort noch weitere Verbesserungen zu erreichen, im 3. und 4. Quartal sieht Pfizer jedoch eine Erholung von der Wachstumsabschwächung im laufenden Quartal und hält an der Prognose des Jahresergebnisses fest. Damit bleibt auch Pfizer langfristig ein interessantes Wachstumsunternehmen.

          Auch wenn die Pharmaktien mit den jüngsten Kursverlusten billiger geworden sind, günstig sind sie noch nicht. Der globale Sektor notiert etwa mit dem 25-fachen des für 2002 geschätzten Gewinns. Umso wichtiger wird es, die Unternehmen herauszusuchen, die über eine intakte Wachstumsstory aufweisen und sich keine Sorgen um den Verlust des Patentschutzes von wichtigen Produkten machen müssen.

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