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Amerikanische Geldpolitik : Erzeugt die Fed neue Blasen?

  • -Aktualisiert am

Fed-Präsident Bernanke sieht kein Problem mit Blasen Bild: AP

In Asien wird die amerikanische Politik des billigen Geldes mit Sorge verfolgt. Bernanke zufolge seien Ängste vor einer spekulativen Blase jedoch übertrieben.

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          Die amerikanische Politik des billigen Geldes stand in jüngster Zeit im Kreuzfeuer der Kritik hochrangiger Finanzvertreter asiatischer Staaten. Präsident Barack Obama und Notenbankchef Ben Bernanke wird vorgeworfen, die Risiken neuer Vermögenspreisblasen und weiterer Wirtschaftsturbulenzen munter zu ignorieren.
          Kritikern zufolge habe die Fed im zurückliegenden Jahrzehnt die Blasenbildung im Technologiesektor und auf dem Häusermarkt vorangetrieben und sei nun dabei, mit historisch niedrigen Leitzinsen die Voraussetzungen für eine neuerliche Blase enormen Ausmaßes zu schaffen. Internationale Investoren nutzen das derzeitige Niedrigzinsniveau in den Vereinigten Staaten für Zinsdifferenzgeschäfte, die sogenannten „Carry Trades“.

          Sie nehmen zinsgünstige Kredite in Dollar auf und legen diese in höher rentierliche Vermögenswerte an, von indonesischen Aktien bis hin zu Kupfer-Terminkontrakten. Bei Obamas jüngstem Asienbesuch warnte Liu Mingkang, Chef der chinesischen Bankenaufsicht, dass die amerikanische Geldpolitik „neue, reale und unüberwindbare Risiken für die Erholung der Weltwirtschaft, insbesondere für jene der Schwellenländer“ schaffe. Ähnlich äußerten sich auch Japans Zentralbankgouverneur Masaaki Shirakawa und der Hongkonger Verwaltungschef Donald Tsang.

          Ist der Finanzmarkt wichtig?

          Doch alles hat zwei Seiten. In ausführlichen Reden und spontanen Kommentaren begründeten Bernanke und andere hochrangige Vertreter der Fed, weshalb die Ängste vor einer Blasenbildung übertrieben seien. Erstens sei derzeit, wenn überhaupt, nur bei wenigen Anlageklassen eine augenscheinliche Überbewertung zu erkennen. Zweitens könnte eine der Blasenbildung entgegenwirkende Zinsanhebung die zaghaft beginnende Konjunkturerholung abwürgen. Und drittens könne man überhitzte Märkten besser in den Griff bekommen, indem man die Krisenfestigkeit von Finanzinstituten verbessere, wobei Bernanke und Kollegen einräumten, in diesem Punkt in der Vergangenheit versagt zu haben.

          Am 16. November machten Bernanke und Vizepräsident Donald L. Kohn in getrennten Auftritten klar, dass die Vermögensmärkte nicht im Mittelpunkt der amerikanischen Geldpolitik stünden. Tags darauf sagte Janet Yellen, Präsidentin der Fed von San Fransisco in einer Rede in Hongkong, dass die Frage, ob die Fed „versuchen sollte, potentiell gefährlichen Vermögenspreisschwankungen vorzubeugen“, keinesfalls geklärt sei.

          Der Geist von Greenspan

          In amerikanischen Finanzkreisen geht man mit der Fed und ihrer vermeintlich lässigen Haltung gegenüber Exzessen hart ins Gericht. Nouriel Roubini, Professor für Volkswirtschaft an der Universität von New York, behauptet, dass die Fed mit billigem Geld zu spekulativen Exzessen in alle Arten risikobehafteter Vermögenswerte faktisch einlade; er spricht in diesem Zusammenhang von der „Mutter aller Carry Trades“.

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