https://www.faz.net/-gv6-8mzmg

Leitzins : Die Fed hält still – aber nicht mehr lange

Zum Wohle der Nation und ihres Wohlstands: Eingangsportal der Börse in New York Bild: AFP

Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Amerika verzichtet die Zentralbank auf eine Leitzins-Erhöhung. Vieles spricht dafür, dass es im Dezember so weit sein wird.

          3 Min.

          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hat die vorletzte Möglichkeit verpasst, in diesem Jahr die Leitzinsen zu erhöhen. Wie erwartet bleiben Zinsen für die kurzfristigen Ausleihungen zwischen Banken im Korridor zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Auf dieses Niveau waren sie im Dezember 2015 gehievt worden. Allerdings bereitet die Fed das Terrain für einen Zinsschritt im Dezember. Damit bleibt die Zentralbank der Tradition treu, unmittelbar vor Präsidentschaftswahlen von Zinserhöhungen abzusehen. Nur zweimal seit den siebziger Jahren haben die amerikanischen Notenbanker Zinserhöhungen kurz vor Wahlterminen beschlossen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Die Fed machte in ihrer Stellungnahme nach Abschluss der Sitzung am Mittwoch klar, dass Faktoren, die für eine Leitzinserhöhung sprechen, weiter an Gewicht gewonnen haben. Gleichwohl habe man sich entschlossen, auf weitere Belege dafür zu warten, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft in Richtung der von ihr ausgegebenen Zielmarken entwickle: eine Inflationsrate von zwei Prozent und maximale Beschäftigung.

          Nah dran an der Zielinflation

          Die Zinsentscheidung trifft auf nervöse Finanzmärkte. Sie blicken wie gebannt auf die weitere Entwicklung in den Vereinigten Staaten, wo das inzwischen wieder offen erscheinende Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump um den Einzug in das Weiße Haus für Aufregung sorgt. Damit fokussieren sich die Blicke auf den Dezembertermin für den einzigen Zinsschritt in diesem Jahr nach der Zinswende im Dezember 2015. Die Terminmärkte gaben schon vor Ende der Fed-Sitzung einem Zinsschritt im Dezember eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 60 Prozent.

          Beflügelt wird die Erwartung durch die Preisentwicklung: Die Preise, bereinigt um Lebensmittel- und Energiepreise, sind binnen eines Jahres um 1,7 Prozent gestiegen im von der Fed präferierten Inflationsindex der Privatkonsumenten-Ausgaben. Sie nähern sich damit der von der Fed angestrebten Zielinflation von zwei Prozent. Die Fed verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass sich die Inflation leicht erhöht habe.

          Stecken politische Motive dahinter?

          Mit der Verweigerung des Zinsschrittes kommt nun trotz der Prognosen der Terminmärkte die Spekulation auf, dass selbst der Dezember-Termin ohne Zinsschritt verstreichen könnte: dann nämlich, wenn der republikanische Kandidat Donald Trump zum Präsidenten gewählt würde. Derzeit versucht die Fed, jeden Eindruck zu vermeiden, politische Motive könnten ihre geldpolitischen Schritte beeinflussen.

          Diesen Vorwurf hatte der Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei, Donald Trump, vor einigen Wochen erhoben, Yellen halte die Zinsen nur deshalb niedrig, weil sie Präsident Barack Obama helfen wolle. Die Fed-Chefin hatte solche Vorwürfe energisch zurückgewiesen. „Ich sage mit Nachdruck, dass Parteipolitik keine Rolle spielt in unseren Diskussionen über eine angemessene Geldpolitik“, sagte sie im September.

          Weitere Themen

          Am Ende ist alles weg

          Negativzinsen : Am Ende ist alles weg

          Was passiert mit dem Geld von Negativzins-Verweigerern? Im Extremfall landet das Ersparte der Sparer nach 30 Jahren in der Staatskasse. Selbst auf gesperrten Konten können auf Umwegen Negativzinsen fällig werden.

          BGH-Urteil kann Banken einiges kosten

          Gebührenrückzahlungen : BGH-Urteil kann Banken einiges kosten

          Das BGH-Urteil zu den Gebührenerhöhungen kann sich für die Banken noch zu einer echten Belastung auswachsen. Die Finanzaufsicht BaFin rechnet im schlimmsten Fall mit Kosten in Höhe des halben Jahresüberschusses.

          Topmeldungen

          Marokkanische Migranten am 18. Mai bei der Ankunft in Ceuta

          Migration aus Marokko : Ansturm auf Ceuta

          Tausende Menschen sind innerhalb eines Tages in die spanische Exklave Ceuta geströmt. Die politische Botschaft aus Rabat: Ohne Marokko lässt sich der Kampf gegen die illegale Migration nach Europa nicht gewinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.