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Leitzins : Die Fed hält still – aber nicht mehr lange

Zum Wohle der Nation und ihres Wohlstands: Eingangsportal der Börse in New York Bild: AFP

Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Amerika verzichtet die Zentralbank auf eine Leitzins-Erhöhung. Vieles spricht dafür, dass es im Dezember so weit sein wird.

          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hat die vorletzte Möglichkeit verpasst, in diesem Jahr die Leitzinsen zu erhöhen. Wie erwartet bleiben Zinsen für die kurzfristigen Ausleihungen zwischen Banken im Korridor zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Auf dieses Niveau waren sie im Dezember 2015 gehievt worden. Allerdings bereitet die Fed das Terrain für einen Zinsschritt im Dezember. Damit bleibt die Zentralbank der Tradition treu, unmittelbar vor Präsidentschaftswahlen von Zinserhöhungen abzusehen. Nur zweimal seit den siebziger Jahren haben die amerikanischen Notenbanker Zinserhöhungen kurz vor Wahlterminen beschlossen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Gerald Braunberger

          Die Fed machte in ihrer Stellungnahme nach Abschluss der Sitzung am Mittwoch klar, dass Faktoren, die für eine Leitzinserhöhung sprechen, weiter an Gewicht gewonnen haben. Gleichwohl habe man sich entschlossen, auf weitere Belege dafür zu warten, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft in Richtung der von ihr ausgegebenen Zielmarken entwickle: eine Inflationsrate von zwei Prozent und maximale Beschäftigung.

          Nah dran an der Zielinflation

          Die Zinsentscheidung trifft auf nervöse Finanzmärkte. Sie blicken wie gebannt auf die weitere Entwicklung in den Vereinigten Staaten, wo das inzwischen wieder offen erscheinende Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump um den Einzug in das Weiße Haus für Aufregung sorgt. Damit fokussieren sich die Blicke auf den Dezembertermin für den einzigen Zinsschritt in diesem Jahr nach der Zinswende im Dezember 2015. Die Terminmärkte gaben schon vor Ende der Fed-Sitzung einem Zinsschritt im Dezember eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 60 Prozent.

          Beflügelt wird die Erwartung durch die Preisentwicklung: Die Preise, bereinigt um Lebensmittel- und Energiepreise, sind binnen eines Jahres um 1,7 Prozent gestiegen im von der Fed präferierten Inflationsindex der Privatkonsumenten-Ausgaben. Sie nähern sich damit der von der Fed angestrebten Zielinflation von zwei Prozent. Die Fed verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass sich die Inflation leicht erhöht habe.

          Stecken politische Motive dahinter?

          Mit der Verweigerung des Zinsschrittes kommt nun trotz der Prognosen der Terminmärkte die Spekulation auf, dass selbst der Dezember-Termin ohne Zinsschritt verstreichen könnte: dann nämlich, wenn der republikanische Kandidat Donald Trump zum Präsidenten gewählt würde. Derzeit versucht die Fed, jeden Eindruck zu vermeiden, politische Motive könnten ihre geldpolitischen Schritte beeinflussen.

          Diesen Vorwurf hatte der Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei, Donald Trump, vor einigen Wochen erhoben, Yellen halte die Zinsen nur deshalb niedrig, weil sie Präsident Barack Obama helfen wolle. Die Fed-Chefin hatte solche Vorwürfe energisch zurückgewiesen. „Ich sage mit Nachdruck, dass Parteipolitik keine Rolle spielt in unseren Diskussionen über eine angemessene Geldpolitik“, sagte sie im September.

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