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Leitzins : Die Fed hält still – aber nicht mehr lange

Allerdings spielt Politik trotzdem eine wichtige Rolle für geldpolitische Entscheidungen, sofern sie wirtschaftliche Entwicklungen beeinflusst. So hatten verschiedene Mitglieder des geldpolitischen Entscheidungsgremiums der Fed vor der Brexit-Entscheidung gesagt, die damit erwartete politische Unsicherheit habe sie davon abgehalten, für einen Zinsschritt zu votieren.

Märkte bevorzugen offenbar Clinton

Das gilt allerdings auch für die aktuelle Präsidentenwahl, zumal die Wahrscheinlichkeit einer Präsidentschaft des republikanischen Kandidaten Trump den Umfragen zufolge steigt. Die Märkte setzten auf Hillary Clinton, hat der Ökonom Justin Wolfers ermittelt – auf der Grundlage von Marktbewegungen am 26. September, als sich Clinton und Trump zur TV-Debatte trafen, die Clinton Umfragen zufolge gewonnen hatte.

Während der Debatte stiegen Aktienkurse in Amerika, England und Asien, die Währungen von Mexiko, Kanada und Südkorea kletterten gegen den Dollar, Futures auf erwartete Volatilitäten sanken. Wolfers destillierte die Marktbewegungen und kam zur Schätzung, dass die Märkte eine Wahl Trumps mit internationalen Aktienwert-Einbußen zwischen 10 und 15 Prozent gleichsetzten, mit einem Wertverlust des Pesos und deutlich höherer Volatilität.

„Parteipolitik spielt in unseren Diskussionen keine Rolle“: Fed-Chefin Janet Yellen

Ein solches Szenario würde die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung im Dezember deutlich senken. Die Fed sagte zu einem solchen Szenario, sie lasse sich von ökonomischen Kennziffern leiten und werde nicht „politisch“ werden. Für Aufmerksamkeit hatte Yellen vor wenigen Wochen mit der Bemerkung gesorgt, eine auf sehr hohen Touren laufende amerikanische Wirtschaft könne möglicherweise viele in den vergangenen Jahren aufgebauten Schwächen überwinden. Dies wurde von manchen Händlern und Analysten so verstanden, als würde Yellen zumindest vorübergehend auch eine höhere Inflationsrate als die angestrebten 2 Prozent in Kauf nehmen. Diese Spekulationen sind zuletzt aber wieder abgeebbt.

Keine Erhöhung vor Wahlen - mit zwei Ausnahmen

Dass eine Leitzinserhöhung unmittelbar vor Wahlen ungewöhnlich wäre, zeigt die Historie. Zweimal nur hat die Fed seit 1972 die Leitzinsen in den zwei Monaten vor amerikanischen Präsidentschaftswahlen angehoben. Elf Präsidentschaftswahlen gab es in diesem Zeitraum. Im Jahre 2004 erhöhte der damalige Fed-Chef Alan Greenspan die Leitzinsen. Präsident George W. Bush wurde trotzdem wiedergewählt. Anders lag der Fall 1980, als der Fed-Vorsitzende Paul Volcker die Zinsen kurz vor der Wahl anhob. Der demokratische Präsident Jimmy Carter wurde nicht wiedergewählt und räumte seinen Platz für seinen republikanischen Gegenspieler Ronald Reagan.

Im Jahr 1972 regierte der Republikaner Richard Nixon das Weiße Haus und hatte schwere Sorgen um seine Wiederwahl. Er drängte den damaligen, von ihm nominierten Vorsitzenden der Fed, Arthur Burns, aggressiv zu einer expansiven Geldpolitik, wie für Forschungszwecke freigegebene Tonbandaufnahmen zeigen. Doch Burns blieb standhaft und erhöhte in der ersten Sitzung nach Nixons Wiederwahl sogar die Leitzinsen. Leitzinssenkungen kurz vor Präsidentschaftswahlen haben sich häufiger ereignet, nämlich viermal seit dem Jahr 1972.

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