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Amerikanische Bankaktien : Die Überlebenden der Finanzkrise

  • -Aktualisiert am

Hort der Stabilität: Banken aus Houston, Texas, schlagen sich in der Finanzkrise bisher besonders gut Bild: AP

Es gibt sie tatsächlich: nicht vergiftete Finanzaktien in den Vereinigten Staaten, die von der Kreditkrise nicht infiziert worden sind. Manche von diesen Titel brachten mutigen Anlegern, die einen Einstieg wagten, sogar beachtliche Kursgewinne.

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          Es ist inzwischen ein wiederkehrendes Thema der Kreditkrise: Jede Woche sieht sich ein anderes Unternehmen der Finanzbranche gezwungen, frisches Kapital einzusammeln, um die gewaltigen Löcher in der Bilanz zu stopfen. Am 9. Juni war die Investmentbank Lehman Brothers an der Reihe, die nach einem Verlust von 2,8 Milliarden Dollar im zweiten Quartal eine Kapitalerhöhung in Höhe von 6 Milliarden Dollar ankündigte.

          Angesichts der Höhe der infolge der Subprime-Krise entstandenen Schäden ist es daher nicht selten eine Überraschung, wenn man auf ein Finanzunternehmen stößt, das im vergangenen Jahr gegen den Trend erfolgreich war. Doch: es gibt sie wirklich, die„ungiftigen“ Finanzaktien - jene von Unternehmen, die sich nicht in hochriskanten Finanzinstrumenten engagierten, die vielen Akteuren der Branche die Bilanz verhagelten.

          Selbst in den am stärksten betroffenen Gebieten der Finanzbranche - etwa bei Investmentbanken, diversifizierten Finanzkonzernen oder regionalen Hypothekenfinanzierern - tummeln sich einige gut geführte Unternehmen, die dem Sturm trotzten.

          Ein Einstieg bei U.S. Bankcorp zahlte sich aus

          Beispielsweise U.S. Bancorp: Fast alle anderen amerikanischen Großbanken, angefangen bei den Giganten Bank of America und Citigroup, gerieten in dem für Bankgeschäfte härtesten Umfeld der jüngsten Geschichte unter die Räder. Die Aktien von U.S. Bancorp bescherten den Anlegern jedoch seit Ausbruch der Krise im vergangenen August trotz hoher Volatilität immerhin einen kleinen Gewinn.

          Während viele Hedge-Fonds durch faule Subprime-Kredite kräftig Federn lassen mussten, konnten die Fonds von Black Rock diese Entwicklung antizipieren und von den Hypotheken- und Kreditproblemen profitieren. Der Online-Broker Charles Schwab hielt sich von riskanten Subprime-Papieren fern, die seinem Wettbewerber E-Trade Financial schwer zu schaffen machten und schlug anschließend Kapital aus der Schwäche seines Konkurrenten, indem er neue Kunden akquirieren konnte.

          Auch manche Regionalbank überrascht

          Auch einigen regionalen Unternehmen gelang es, die Anleger zu überraschen. So stieg etwa die Aktie von Hudson City Bancorp aus Paramus (New Jersey) seit vergangenem August um fast 40 Prozent, während UMB Financial aus Kansas City (Montana) um knapp 35 Prozent zulegen konnte.

          „Es ist alles eine Frage des Kapitals“, sagt Don Wordell, Portfoliomanager vom RidgeWorth Mid-Cap Value Equity Fund. Unternehmen sind auf ausreichende liquide Mittel angewiesen, um stürmische Zeiten zu überstehen, und jene mit knappen Kassen sind gezwungen, neue Anleger ins Boot zu nehmen und zusätzliche Aktien auszugeben, wodurch die Anteile der Altaktionäre verwässert werden.

          U.S. Bancorp ist effizient strukturiert

          Erfolgreiche Finanzunternehmen haben sich unterschiedlicher Strategien bedient, um eine ausreichend hohe Kapitalausstattung zu gewährleisten. U.S. Bancorp beispielsweise konnte mit Kosteneinsparungen in einer ohnehin bereits effizienten Unternehmensstruktur glänzen. „Wenn man starke Gewinnmargen generiert, besitzt man einen größeren Spielraum zur Bewältigung von Kreditschwierigkeiten“, sagt Blake Howells von Becker Capital Management.

          Terry Morris vom National Penn Investors Trust sieht in einem niedrigen Schuldenstand ein weiteres Merkmal starker Finanzunternehmen während der Kreditkrise. „Je höher die Verschuldung, desto geringer die Flexibilität bei Auftreten von Problemen“, so Morris.

          Eine konservative Unternehmenskultur zahlte sich aus

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