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Es geht wieder aufwärts : Amerikanische Bankaktien auf Erholungskurs

  • -Aktualisiert am

Händler an der New Yorker Börse. Bankaktien entwickelten sich zuletzt stark. Bild: Reuters

Die Prügelknaben der Wall Street stehen wieder besser da. Doch die Zinspolitik könnte den Aufschwung bremsen.

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          Jamie Dimon scheint ein überaus schlauer Mann zu sein. Mitte Februar sickerte durch, dass der Vorstandsvorsitzende der größten amerikanischen Bank JP Morgan Chase Aktien seines Instituts gekauft hat. Und zwar in großem Stil: Dimon legte insgesamt 26,6 Millionen Dollar an - sein gesamtes Jahresgehalt des vergangenen Jahres inklusive Bonus. Für den 60 Jahre alten Dimon war das weit mehr als ein weiteres Puzzlestück für seine Altersvorsorge. Es sollte offenbar sein Vertrauen in die Stabilität seiner Bank signalisieren - und darüber hinaus in das Wachstumspotential der amerikanischen Wirtschaft, von der JP Morgan und der ganze Bankensektor stark abhängt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Das Signal wurde an der Börse verstanden. Der KBW Nasdaq Bank Index, ein vielbeachtetes Branchenbarometer, kletterte seit Dimons Aktienkauf um 12 Prozent. Damit wurden Banken wieder zu einer treibenden Kraft der allgemeinen Aktienkurserholung an der Wall Street. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 legte im gleichen Zeitraum um knapp 11 Prozent zu.

          Während der S&P 500 seine Verluste aus den schwankungsreichen ersten Monaten des Jahres damit wieder wettgemacht hat, besitzen Bankaktien an der Wall Street allerdings noch weit mehr Erholungspotential. Der KBW Nasdaq Bank Index liegt im Vergleich zum Anfang des Jahres immer noch um fast 10 Prozent im Minus. Finanztitel waren in den ersten Wochen des Jahres überdurchschnittlich stark gefallen, obwohl viele Banken das profitabelste Jahr seit der Finanzkrise hinter sich haben und auch die Prognosen für das vierte Quartal weitgehend übertroffen hatten.

          Aber Börsianer fürchteten, dass der gefallene Ölpreis in einer Kettenreaktion nicht nur die Erträge von Ölproduzenten, sondern auch die Gewinne der Banken schmälern könnte. Amerikanische Banken hatten Kredite an Öl- und Gasunternehmen vergeben, die von Ausfällen bedroht schienen. Einige führende Banken, darunter auch JP Morgan Chase, hatten deswegen ihre Rückstellungen erhöht. Marianne Lake, die Finanzchefin von JP Morgan, hatte die Energiebranche als größten Stressbereich bezeichnet.

          Die dunklen Wolken sind nicht völlig verzogen

          Die Ölpreise haben sich seit Mitte Februar aber deutlich erholt, was den Druck auf die Energiebranche linderte. Die Aktienkurse der im S&P 500 abgebildeten Energieunternehmen sind seit der großen Aktienorder von Dimon um mehr als 15 Prozent gestiegen und liegen auch im Gesamtjahr deutlich im Plus. Dennoch sind die dunklen Wolken über der Finanzbranche nicht völlig verzogen. Sorgen machen Anlegern die weiterhin niedrigen Zinsen. Die amerikanische Notenbank Fed hatte nach ihrer Sitzung in der vergangenen Woche signalisiert, dass es in diesem Jahr nur zwei anstelle der zuvor erwarteten vier Leitzinsanhebungen geben werde. Steigende Leitzinsen gelten als positiv für Banken, weil dadurch ihre Zinsmargen, also die Differenz zwischen Spar- und Kreditzinsen, steigen.

          Steigende Zinsen sind zudem ein Indiz für einen Wirtschaftsaufschwung. Davon profitieren Banken, weil sowohl Unternehmen als auch Privatleute mehr Kredite nachfragen und auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass diese Darlehen schließlich wieder zurückgezahlt werden. Wirtschaftswachstum und die daraus resultierende Aussicht auf wachsende Gewinne von Unternehmen schlagen sich zudem in steigenden Aktienkursen nieder. Das wiederum stützt das Geschäft der Wall-Street-Banken, die junge Unternehmen an die Börse bringen und etablierteren Firmen helfen, mit der Emission von Wertpapieren Kapital aufzunehmen.

          Die Fed hatte die Leitzinsen im Dezember leicht angehoben. Die nach der jüngsten Sitzung deutlich gewordene Zurückhaltung der Fed ist die Folge latenter Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum und die zuletzt starken Schwankungen an den Finanzmärkten. Das birgt nach den Worten der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen Risiken für die amerikanische Volkswirtschaft.

          Die Aktienkurse der Banken reagierten auf die Zinspause der Fed zunächst mit Einbußen, setzen dann aber ihren Erholungskurs fort. Skeptische Analysten führten das auf Aktienrückkäufe großer Banken zurück. JP Morgan hatte am Donnerstag ein großes Rückkaufprogramm eigener Aktien angekündigt. Die Bank of America hat am Freitag ihre Rückkaufpläne ausgeweitet. Marktanalystin Gina Sanchez, Vorstandsvorsitzende des Wertpapierhauses Chantico Global, glaubt deswegen nur an eine kurzfristige Erholung. „Das ist nicht langfristig, es wird nur als Handelsstrategie halten“, sagte Sanchez dem Wirtschaftssender CNBC. „Da die Fed praktisch für eine Weile in der Warteschleife ist, ist der Aufschwung der Bankaktien schon vorbei“, meint Sanchez.  Solange nicht von besseren Zinsmargen die Rede sei, werden die Aktienkurse der Banken „wahrscheinlich“ nicht mehr stark steigen.

          Auch der bekannte Anleiheinvestor Bill Gross, der einen Fonds des Vermögensverwalters Janus verwaltet, warnte angesichts niedriger Zinsen vor dem Kauf von  Bankaktien. „Bank/Finanz scheint entweder ein Sektor zu sein, der nach Kauf schreit, oder ein permanent geschädigtes Opfer von Abschreibungen, schärferer Regulierung und deutlich niedrigeren Margen in der Zukunft. Ich votiere für Letzteres“, schrieb Gross. JP Morgan-Chef Dimon, der offenbar anders denkt, hat inzwischen einen Buchgewinn von rund 2,4 Millionen Dollar gemacht. Der Aktienkurs von JP Morgan, der nicht ganz so stark gefallen war wie der Rest der Branche, ist seit Bekanntwerden seines Kaufs um 9 Prozent gestiegen.

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