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Amerika : Ölpreis dürfte mehr Einfluß auf die Märkte haben als Bush oder Kerry

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Aber hat die Politik des jeweiligen Kandidaten in den nächsten ein oder zwei Jahren einen großen Einfluß auf das, was an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft geschieht? Wahrscheinlich eher nicht, meint S&P. Amy Tsao erläutert, warum.

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          An der Wall Street existieren verschiedene Theorien darüber, wie sich eine zweite Amtszeit George W. Bushs oder die Wahl eines neuen Präsidenten mit Namen John Kerry auf die Entwicklung der Märkte auswirken könnte. Aber hat die Politik des jeweiligen Kandidaten in den nächsten ein oder zwei Jahren tatsächlich einen großen Einfluß auf das, was an den Märkten und in der Wirtschaft geschieht?

          Wahrscheinlich eher nicht, lautete der Tenor der Analysten und Ökonomen der Kredit-Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) auf einem Forum am 21. Oktober zum Thema Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten.

          Zweigeteilter Kongreß bremst Präsidenten

          „Die kommenden Jahre werden eher vom Staatsdefizit, dem Terrorismus und einer Wirtschaft bestimmt, die die stärkste Phase einer langanhaltenden konjunkturellen Expansion bereits hinter sich gelassen hat“, meint David Wyss, Chef-Volkswirt bei S&P. Außerdem dürfte ein zweigeteilter amerikanischer Kongreß die Einflußmöglichkeiten des nächsten Präsidenten - ganz gleich, um wen es sich dabei handelte - ohnehin stark beschneiden.

          Wyss spricht außerdem von einem unmittelbar bevorstehenden „leichten“ Konjunkturabschwung. Aktienanleger sollten also eher auf ein langsameres Gewinnwachstum und eine mäßige gesamtwirtschaftliche Stärke gefaßt sein. Auf den Kreditmärkten könne insgesamt mit einem sich „stabilisierenden“ Umfeld gerechnet werden. Lediglich einigen Telekommunikationsunternehmen und Versorgungsgesellschaften müßten schlechtere Aussichten bescheinigt werden. „Was wir so mitbekommen, läßt auf etwas weniger Zuversicht schließen“, meint dazu auch Phil Edwards, Leiter der Abteilung Investment Services bei S&P. „Derzeit erhalten wir recht gemischte Informationen.“

          Einige der Meinungsäußerungen von S&P-Analysten zu Themen, die unmittelbar nach den Präsidentschaftswahlen im Fokus stehen dürften, haben wir im Folgenden kurz für Sie zusammengefaßt.

          Hauptproblem: hohe Ölpreise

          Nach Ansicht von David Wyss haben die Ölpreise sicherlich höchste Priorität. Ganz gleich, was die beiden Kandidaten jeweils zu diesem Thema sagten, weder Kerry noch Bush könne wirklich etwas bewirken, damit sich die Rohölpreise in naher Zukunft in die entgegengesetzte Richtung bewegten. Derzeit sind die Energieausgaben der amerikanischen Haushalte laut Wyss noch in Ordnung. Die Konsumenten verwendeten etwa fünf Prozent ihres Einkommens für ihren Energiebedarf: Benzin, Heizöl oder Gas und Strom. Auch wenn dieser Prozentsatz höher ausfalle als in den vergangenen Jahren, liege er doch noch weit von den knapp acht Prozent Einkommen entfernt, die die Amerikaner in den achtziger Jahren durchschnittlich für ihren Energiekonsum hätten aufbringen müssen.

          Rohöl werde derzeit zu einem Preis von 55 Dollar je Faß gehandelt. „Dies wird uns abbremsen, aber nicht zum Anhalten bringen“, so David Wyss weiter. Er zeigt sich zuversichtlich, daß sich der Ölpreis wieder bei circa 35 Dollar einpendeln wird. Aber Wyss muß auch zugeben, daß man die Prognose eines in naher Zukunft fallenden Ölpreises keinesfalls mit Sicherheit aufstellen kann. Unter der Annahme, daß der Ölpreis tatsächlich etwas fällt, könnte die amerikanische Wirtschaft aber nach Ansicht des Chef-Volkswirts 2005 um 3,5 Prozent wachsen.

          Gemäßigtes Gewinnwachstum und überfälliger Bullenmarkt

          In den vergangenen beiden Jahren habe sich das Gewinnwachstum der Unternehmen im Aufbruch befunden. 2004 werden die im S&P 500-Aktienindex gelisteten Unternehmen eine beeindruckende Erhöhung ihrer operativen Gewinne um durchschnittlich 21 Prozent verbuchen können, lautet die Prognose von Ken Shea, Leiter der Abteilung Global Equity Research bei S&P. 2005 werde jedoch nicht einmal halb so gut ausfallen. Shea rechnet für das kommende Jahr mit einem operativen Gewinnwachstum von durchschnittlich neun Prozent.

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