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Amerika : Bush oder Kerry: Mögliche Folgen für die Aktienmärkte

  • -Aktualisiert am

Kerry hat aus Sicht von Fondsmanagern bessere Chancen als Bush Bild: dpa/dpaweb

Die Präsidentschaftswahlen in Amerika sind noch zweieinhalb Monate entfernt. Jetzt ein Termingeschäft auf den Ausgang abzuschließen, wäre ein Glücksspiel, meint Amey Stone. Doch einige Gedanken dazu könnten nicht schaden.

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          Die Wahlbeobachtung durch Investoren wird voraussichtlich mit den Parteitagen der Republikaner ab dem 30. August verstärkt beginnen und mit den ersten Fernsehdebatten Ende September intensiver werden. Der Ausgang der Präsidentschaftswahlen sei „definitiv etwas, das Investoren in ihre Erwägungen einbeziehen sollten“, sagt Michael Panzner, Börsenhändler bei Rabo Securities und Autor des Buches „The New Laws of the Stock Market Jungle“ („Die neuen Gesetze im Aktienmarkt-Dschungel“).

          „Professionelle Investoren werden dafür bezahlt, daß sie sechs Monate vorausblicken“, so Greg Valliere, Chefstratege bei der Washingtoner Research-Abteilung von Charles Schwab. „Sie dürften jetzt anfangen zu prognostizieren, wie die Dinge nach den Wahlen aussehen könnten.“ Professionelle Investoren können den Wahlausgang zu diesem Zeitpunkt zwar ebenso wenig vorher sagen wie die politischen Experten. Statt dessen schauen sie sich jedoch beide Szenarien an - eine Wiederwahl von George Bush und einen Sieg John Kerrys.

          Kerry trotz republikanischer Kongreßmehrheit mit großem Einfluß

          Ein Blick auf die Geschichte ist dabei wenig hilfreich. Die Aktien entwickelten sich unter Bill Clinton wesentlich besser als unter Bush II, aber im laufenden Jahr hat der S&P 500-Aktienindex ziemlich genau die Futures-Preise widergespiegelt, die eng mit einer Wiederwahl Bushs verbunden sind. Wenn Bush in Wahlumfragen an Popularität gewinnt, steigen auch die Aktien und umgekehrt.

          Dieser Zusammenhang wird nach Ansicht mancher Analysten zum Zeitpunkt der Wahlen so vielleicht nicht mehr bestehen. Sie gehen davon aus, daß sich Investoren mit Kerry anfreunden, je mehr sie über seine zukünftige Regierungssituation wissen. Ein Kongreß mit einer republikanischen Mehrheit würde Kerry die Verabschiedung von Gesetzen zwar erschweren, meint Valliere, aber ein Präsident könne dennoch enormen Einfluß haben. Beispielsweise glaubt er, daß das ordnungspolitische Umfeld unter Kerry ungünstiger wäre.

          Gesundheitssektor profitiert von Bushs Wiederwahl

          Nur bestimmte Branchen würden eventuell durch neue Regularien betroffen. „Für die meisten Branchen macht es keinen großen Unterschied, wer gewinnt“, so Andy Laperriere, Leiter der Research-Firma International Strategy & Investment (ISI) in Washington. „Aber für einige wenige macht es einen großen Unterschied“. Es folgt eine Übersicht, wie wichtige Branchen vom Wahlausgang betroffen sein könnten.

          Der Gesundheitssektor würde nach Ansicht von Analysten am meisten von einer Wiederwahl Bushs profitieren. Für die großen Pharma-Firmen wären vier weitere Jahre unter einer Bush-Regierung wahrscheinlich eine große Erleichterung. Pharma-Aktien haben in den vergangenen Monaten einiges einstecken müssen, weil sich Investoren Gedanken über Kerrys Pläne gemacht haben, die Kostenerstattung für verschreibungspflichtige Medikamente zu senken und die Einfuhr billigerer Medikamente aus Kanada zu erleichtern. Ebenso würden andere Firmen im Gesundheitsbereich, beispielsweise Versicherer durch eine Wiederwahl Bushs einen positiven Impuls erhalten.

          Bush-Sieg bringt psychologischen Vorteil für Rüstungsindustrie

          Die Energie- und Rüstungsindustrien sind unter der Regierung Bush am besten gediehen. Peter Cohan, Autor und Management-Berater in Marlborough, Massachusetts, hat einen Index entwickelt, der sich aus global führenden Unternehmen der Öl-, Kohle-, Gas- und Rüstungsindustrie zusammensetzt. Der so genannte W Industrial Complex Index (WIC) hat seit Januar 2001 um 39 Prozent zugelegt, während der Referenzindex S&P 500 um 18 Prozent und der Nasdaq-Index im selben Zeitraum um 34 Prozent sanken.

          Politikanalysten gehen davon aus, daß ein Wahlsieg Bushs kurzfristig ein Plus für diese Industrien bedeuten würde. Die tatsächlichen Auswirkungen der weiteren Politik Bushs auf die Umsätze und Gewinne dieser Unternehmen wären jedoch schwer vorhersehbar. Beispielsweise könne die Rüstungsindustrie einen psychologischen Vorteil aus einer Wiederwahl Bushs erhalten, erläutert Lapierre, die Beschaffung von Waffen würde jedoch unabhängig vom Wahlausgang steigen. „Falls Kerry gewinnt, würden die Rüstungsaktien verlieren, aber das wäre eine gute Kaufgelegenheit“, ergänzt Lapierre noch. Panzner ist dagegen der Ansicht, dass Bush die Verteidigungsausgaben insgesamt reduzieren könnte, zum Teil, um das Haushaltsdefizit zu begrenzen.

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