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Am Rande der Gamescom : Computerspielaktien für Zocker

Hartgesottene Zocker sind von Spiele-Herstellern begeistert Bild: REUTERS

Die Hersteller von Computerspielen begeistern die Spieler bei der Messe Gamescom in Köln. An der Börse überwiegt dagegen die Skepsis.

          4 Min.

          Die Augen von Computerspielern richten sich momentan nach Köln. Dort findet die weltgrößte Computerspielemesse statt, die Gamescom. Viele Branchengrößen haben ihre Zelte aufgeschlagen, um Spieleneuheiten vorzustellen. Aber auch für Anleger kann sich ein Blick auf die Aktien der Unternehmen lohnen, zumindest, wenn man risikobereit ist. „Ein Spiel mit hohen Entwicklungskosten kann schnell das gesamte Ergebnis des Herstellers herunterziehen, wenn es sich nicht gut genug verkauft“ sagt Eric Handler, Analyst bei MKM Partners.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Andererseits könne es aber auch einen Überraschungshit geben. „Das kann deutliche Kursgewinne und Verluste zur Folge haben“, so ein anderer Analyst. Was die Anleger momentan aber vor allem interessiert, ist die Frage, wohin sich der Markt entwickelt.

          Zugewinne im zweistelligen Prozentbereich erwartet

          „Die Branche hat längst den Status als Nischenmarkt verloren“, sagt Niklas Wilke von Pricewaterhouse Coopers (PWC). Das zeigen auch Zahlen des Marktforschungsinstituts Gartner: 2011 setzten Computerspielehersteller etwa 74 Milliarden Dollar um. Zum Vergleich: An den Kinokassen wurde lediglich ein Umsatz von etwa 33 Milliarden Dollar verzeichnet. Auch für die nächsten Jahre werden bei den Computerspielen Zugewinne im zweistelligen Prozentbereich erwartet. Manche Spiele kosten allein in der Entwicklung über 300 Millionen Dollar und übertreffen damit längst die Produktionskosten von Filmen.

          Dem entgegengesetzt gibt es einen anderen Trend, der den Spieleherstellern zu schaffen macht: Immer weniger Spieler wollen für anspruchsvolle Titel um die 50 Euro bezahlen. Dafür haben wenig aufwendige Gelegenheitsspiele Konjunktur, die man auf seinem Smartphone für nur einen Euro kaufen kann oder sogar kostenlos bezieht. „Damit sinken die Margen deutlich, und die Unternehmen müssen nach neuen Monetarisierungsmöglichkeiten Ausschau halten“, sagt Wilke.

          Kaufempfehlung Activision

          Am erfolgreichsten macht das momentan Activision Blizzard. Zwar hat die Aktie seit 2008 etwa 40 Prozent an Wert verloren, die Entwicklung zeigt aber wenigstens zaghaft nach oben. Aktuell notiert das Papier bei 11,50 Dollar. Im Portfolio von Activision Blizzard befinden sich Titel wie das Rollenspiel „Diablo 3“, das den erfolgreichsten Start eines Computerspiels hinlegte und von dem sich im zweiten Quartal mehr als zehn Millionen Kopien verkauften. Aber auch klassische Action-Spiele wie die der Call-of-Duty-Reihe. Im vergangenen Geschäftsquartal erwirtschaftete der Publisher einen Gewinn von 185 Millionen Dollar und verbuchte mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz.

          „Gerade wegen der hohen Rentabilität ist Activision eine Kaufempfehlung“, sagt Analyst Handler und sieht einen Zielkurs von 17 Dollar. Lange Zeit wurde ein Spiel nur einmal verkauft, und das Unternehmen verdiente so auch nur einmal. 2005 verschaffte Activision Blizzard mit World of Warcraft den Online-Rollenspielen einen Boom, noch immer spielen etwa 10 Millionen Menschen das Spiel Monat für Monat.

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