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Altersvorsorge : Riester-Rente enttäuscht auch in diesem Jahr

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Bild: F.A.Z.

Die Riester-Rente bleibt auch in diesem Jahr weit hinter den Erwartungen der Branche zurück: Die Komplexität des Produktes sowie die Reformdiskussionen lassen den Absatz weiterhin stagnieren.

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          Die Riester-Rente bleibt auch in diesem Jahr weit hinter den Erwartungen der Branche zurück: Die Komplexität des Produktes sowie das andauernde politische Tauziehen um weitere mögliche Reformen der Alterssicherungssysteme lassen den Absatz von Riester-Policen weiterhin stagnieren. Auch für das anstehende Endjahresgeschäft erwarten viele Experten keine Wiederholung des Schlußspurtes vom Vorjahr.

          "Die Akzeptanz der Riester-Rente ist nach wie vor niedrig", heißt es beim Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), der Interessenvertretung der Fondsbranche. Die Zahl der Riester-Fondssparpläne hat dem BVI zufolge in diesem Jahr stagniert: Waren es zu Beginn des Jahres rund 212000 Verträge, so ist die Zahl der Verträge bis zur Jahresmitte auf gerade einmal 227000 geklettert. Auch beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) spricht man von einer sehr verhaltenen Nachfrage in diesem Jahr - derzeit haben die Versicherer etwas mehr als 3 Millionen Riester-Policen.

          Verunsicherung unter Versicherten

          Für Unruhe in der Branche sorgte auch eine Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), der zufolge seit Januar dieses Jahres mehr als 300.000 Riester-Policen gekündigt worden sind - auch aufgrund der Verunsicherung angesichts immer neuer Reformdiskussionen. Ermittelt hat das DIA diese Zahl aus einer Umfrage, doch die Versicherungswirtschaft mag nicht von einem außergewöhnlich hohen Storno sprechen: "Das Storno der Riester-Policen liegt im Durchschnitt", heißt es beim GDV. Auch bei den drei Marktführern unter den Versicherern, der Allianz, der Ergo und der AMB Generali, spricht man davon, daß sich die Stornos im üblichen Rahmen bewegen. Bei der Fondsgesellschaft Union Investment, die mit 163000 Verträgen bei den Riester-Fondsprodukten Marktführer ist, spricht man ebenso wie beim Konkurrenten DWS von einem eher geringen Storno.

          Eine Belebung könnte das Geschäft wie bereits im Vorjahr noch einmal zum Jahresende erfahren, wenn es darum geht, sich die Förderbeträge für das Jahr 2003 noch zu sichern - doch in der Branche ist man wenig optimistisch: Die meisten Branchenbeobachter erwarten zwar ein besseres Geschäft zum Jahresende, das aber deutlich unter den Abschlußzahlen des Vorjahres liegen wird. Entscheidend dürfte in den Augen vieler Beobachter auch sein, wie die Politik sich in den kommenden Monaten verhalten wird, gibt es doch immer wieder Spekulationen um eine Reform der Riester-Rente: "Die zunehmende Verunsicherung der Anleger - auch bedingt durch die politische Diskussion - drückt auf den Absatz", heißt es bei der Ergo. Nach wie vor ist der größte Kritikpunkt der gesamten Branche aber die Komplexität der Riester-Produkte: "Die Kunden verstehen die Riester-Rente nicht, sie ist zu kompliziert und zu bürokratisch", heißt es bei der DWS.

          „Mehr Zeit geben“

          Größere Chancen räumt die Branche der betrieblichen Variante der Riester-Förderung ein: "Das ist die einfachere Variante: Der Anleger muß keinen Zulagenantrag, keinen Überweisungsträger ausfüllen, sondern nur unterschreiben", sagt Johanna Weber von der Allianz Leben. "Derzeit gibt es etwas mehr als 3 Millionen private Riester-Verträge und 2 Millionen betriebliche Riester-Verträge - dieses Verhältnis wird sich umdrehen", sagt Bernd Katzenstein vom DIA. In diese Kerbe schlägt auch der BVI, der mit seinen Reformvorschlägen zur Riester-Rente darauf zielt, die Trennung zwischen der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge aufzuheben.

          Optimistischer ist man bei Union Investment: "Man muß der Riester-Idee noch ein wenig mehr Zeit geben, bis sie sich durchsetzt, solche Prozesse dauern länger", sagt ein Sprecher. Worüber die Branche nicht so gerne spricht, sind die mangelnden Anreize für den Vertrieb: Riester-Produkte gelten wegen des Beratungsaufwands als schwer vermittelbar und im Vergleich zu anderen Produkten als wenig lukrativ für Vermittler, so daß diese lieber andere, provisionsträchtigere Produkte den Kunden anbieten.

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