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Altersvorsorge : Demographischer Wandel kein Problem für Vorsorgekapital

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Sparer werden bei ihrer privaten Altersvorsorge verunsichert. Ein Abschmelzen von Kapitalvermögen auf Grund der demographischen Entwicklung scheint denkbar. Des Experte Axel Börsch-Supan gibt Entwarnung.

          Eine Schreckenstheorie verunsichert die Sparer bei ihrer privaten Altersvorsorge. Sie geht von einer sinkenden Nachfrage nach Finanzanlagen, deswegen stark sinkenden Kapitalrenditen und damit einem drastischem Abschmelzen von Kapitalvermögen in einigen Jahrzehnten aus. Ist die Eigenvorsorge fürs Alter damit unnütz?

          Eine aktuelle Untersuchung des Experten Axel Börsch-Supan vom Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) der Universität Mannheim kommt zu beruhigenden Ergebnissen.

          „Asset Meltdown“ als Bedrohung für die Erspanisse?

          Die sogenannte „Asset Meltdown“-Hypothese geht davon aus, dass die starke Generation der Babyboomer um 2020/2030 in Rente geht. Sie wird dann ihre Vermögenswerte veräußern, um mit den Erlösen einen Teil des Alterskonsums zu finanzieren. Weil es dann aber viele Verkäufer, aufgrund des Bevölkerungsrückgangs aber nur wenige Käufer geben werde, falle der Preis von Aktien, Wertpapieren und Immobilien in den Keller. Die Eigenvorsorge ende damit in einer Katastrophe.

          Professor Dr. Axel Börsch-Supan widerspricht dieser Hypothese energisch. „Die Auswirkungen der Alterung auf das Kapitalvolumen sind zwar spürbar, aber sie bewegen sich in Größenordnungen, die das dramatisierende Schlagwort vom 'Asset Meltdown' als weit überzogen erscheinen lassen.“ Rein demographiebedingt prognostiziert Börsch-Supan eine Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Kapitalrendite um nur circa ein Prozent.
          Diese positive Einschätzung basiert auf aufwendigen demographischen und ökonomischen Simulationsrechnungen, die Börsch-Supan in seiner Untersu-chung vorstellt.

          Langsamer Prozess der Verrentung

          Danach wird sich die Verrentung der Babyboomer über rund 15 Jahre hinziehen. Entsprechend verteilt sich ein möglicher Renditerückgang über einen langen Zeitraum und ist pro Jahr kaum spürbar. Bis ins Jahr 2050 werden noch viele Arbeitnehmer eine neue kapitalgedeckte Altersvorsorge aufbauen und damit den Kapitalabzug der Babyboomer kompensieren.

          Die alternde Gesellschaft mit im Jahr 2030 acht Millionen, das bedeutet ein Drittel weniger Erwerbstätigen als heute wird zukünftig mehr Produktivkapital brauchen, um die benötigten Waren und Dienstleistungen zur Verfügung stellen zu können. Die Kapitalrendite für Anleger wird entsprechend steigen.

          Knappes Kapital führt zu steigender Rendite

          Zusätzlich wird das zwar konsumentenreiche, aber dann arbeitskräftearme Deutschland zunehmend Produkte importieren müssen, um den inländischen Konsumbedarf zu befriedigen. Dafür werden deutsche Anleger mehr denn je in kapitalarmen, aber jungen und arbeitskräftereichen Ländern investieren, in denen die Kapitalrenditen höher sind als im Inland.

          Die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft braucht zur Sicherung der Eigenvorsorge aber neben einer konsequenten Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs deutliche Sozialreformen. Eine rückläufigen Zahl von Erwerbstätigen mit heute 56 Rentnern pro 100 Erwerbstätigen muss zukünftig fast doppelt so viele Rentner - im Jahr 2030: 80 bis 95 Rentner pro 100 Erwerbstätige - durch die umlagefinanzierte Sozialversicherungssysteme mitversorgen. Diese Last muss reduziert werden, damit auch zukünftige Generationen noch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge betreiben können.

          Faktor Arbeit darf nicht teurer werden

          Die hohe Beitrags- und Steuerlast der Arbeitnehmer muss auch deswegen deutlich verringert werden, da der wachsende Keil zwischen Brutto- und Nettolöhnen den Faktor Arbeit in Deutschland sonst weiter verteuern und zwangsläufig das Arbeitsangebot für die jüngere Generation gerade dann erheblich reduzieren wird, wenn er am meisten gebrauchet wird.

          Das zeigt einerseits, dass es unter normalen Umständen zunächst keinen Grund gibt, sich über eine befürchtete Entwertung der privaten Erparnisse für das Alter Sorgen zu machen. Andererseits führt allerdings auch kein Weg an drastischen Reformen, der Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs und an der Globalisierung kein Weg vorbeiführt.

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