https://www.faz.net/-gv6-rgxd

Alternative Geldanlage : Steigende Preise für Kunst sorgen für gute Stimmung

  • Aktualisiert am

Die Preise bei Auktionen steigen Bild: AP

Kunstsammler zeigen sich immer zuversichtlicher, nachdem die Preise für Kunstobjekte immer weiter steigen. Eine Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet mit einem anhaltend hohen Preisniveau, zeigt eine Studie.

          2 Min.

          Mit zum Teil rasant steigenden Börsen ist zwar die Diskussionen über alternative Anlageformen etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß sich die offensichtliche Liquiditätsschwemme auch in anderen Bereichen bemerkbar macht.

          Zum Beispiel bei den Rohstoffen und auch am den Kunstmärkten. Denn Kunstsammler zeigen sich immer zuversichtlicher, nachdem die Preise für Kunstobjekte immer weiter steigen, berichtet Anders Petterson. Der ehemalige Anleihehändler bei JPMorgan Chase & Co. in London hat seine erste Studie zum Verbrauchervertrauen am Kunstmarkt durchgeführt. Für seinen ArtTactic Market Confidence Indicator befragte Petterson rund 80 Personen aus Unternehmer- und Finanzkreisen, die Kunst sammeln, sowie 70 Händler, Auktionäre und Kunstkritiker.

          Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet mit anhaltend hohen Preisen

          Im November waren die Käufer 25 Prozent zuversichtlicher als im Mai, zeigt der von Petterson entwickelte Indikator. Rund 84 Prozent der 150 befragten Kunstsammler und -händler gehen davon aus, daß die Preise in den kommenden sechs Monaten hoch bleiben. Bei der ersten Erhebung im Mai betrug dieser Anteil unter den Teilnehmern nur 45 Prozent.

          Die Erhebung macht deutlich, wie sehr der Kunstmarkt dem Aktienmarkt ähnelt, wo erfolgreiche Erstemissionen einen Schub an Zuversicht auslösen können. Seit Pettersons erster Befragung haben einige Künstler ihre Rekorderlöse bei Auktionen verdoppelt und auf internationalen Messen wie der Londoner Frieze wurde 25 Prozent mehr verkauft.

          „Die Marktmechanismen sind gleich, ob bei Immobilien oder Kunst“, sagte Ali Bagherzadeh, Manager eines Londoner Industrieunternehmens und Kunstsammler. „Wenn man sieht, daß die Leute in einen Kaufrausch verfallen, macht man mit. Man redet sich dann ein, daß man in einen aufsteigenden Markt einsteigt und muß dabei sein.“

          Die Preise für zeitgenössische Kunst, die im Jahr 2005 um rund zehn Prozent zulegten, haben sich seit 1995 vervierfacht, teilt das Indexunternehmen Art Market Research mit. Hochgetrieben wurden die Preise von den Käufen der Museen, privaten Sammlern wie dem Milliardär Eli Broad, und Kunstspekulanten, die eine Alternative zu Aktien such en.

          Einzelne Künstler sind besonders en vogue

          Auch die Zuversicht für einzelne Künstler steigt. Das Rating des britischen Bildhauers Damien Hirst stieg von Mai bis November 140 Prozent, von 33 auf 79. Dies dürfte zum Teil auf den Verkauf seines in Formaldehyd eingelegten Tigerhais an Hedge-Fonds-Manager Steven Cohen zurückzuführen sein, sagte Petterson am Mittwoch gegenüber Bloomberg News.

          Die Bewertungen für die Künstler Peter Doig, Luc Tuymans und Kai Althoff lagen im November alle bei 100, weil alle Befragten sich optimistisch über sie äußerten. Der für seine Cowboy-Motive bekannte Richard Prince erhielt ein Rating von 84, gegenüber 56 im Mai. Ein Rating über 50 bedeutet, daß Anleger eher optimistisch als pessimistisch sind. Insgesamt äußerten sich 87 Prozent der Befragten optimistisch f ür die Wertentwicklung des Kunstmarktes, gegenüber 70 Prozent im Mai.

          Kunstsammler sehen aber auch Risiken für die Zukunft des Marktes, obwohl fast 90 Prozent der Befragten äußerten, der Markt habe sich stärker entwickelt als im Mai. Mehr als die Hälfte sagten, daß Spekulanten dem Markt schaden könnten und 37 Prozent erklärten, daß ein wahlloser Kaufrausch die Preise ins Uferlose treibe. 26 Prozent sehen in den rapide ansteigenden Auktionserlösen ein Risiko.

          Weitere Themen

          Bayer lässt den Dax im Plus starten

          Glyphosat-Streit : Bayer lässt den Dax im Plus starten

          Die politischen Spannungen um Hongkong haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenstart zunächst unbeeindruckt gelassen. Positive Nachrichten im Konflikt um den Unkrautvernichter von Bayer verleihen dem Kurs des Chemiekonzerns Auftrieb.

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.