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Alternative Energien : Aktien der Windkrafthersteller - spekulativer Auftrieb

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Die Aktien der Hersteller von Windmühlen befinden sich im Aufwind und verbuchen deutliche Kursgewinne. Allerdings sind sie zum Teil extrem teuer. Es fragt sich auch, wie weit die Kaufargumente tragen können.

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          Die Hersteller von alternativen Anlagen zur Energieerzeugung befinden sich schon seit Monaten im Höhenflug. Das gilt für den Bereich Bioenergie genauso wie für die Solarwerte und auch sowohl die Hersteller von Windkraftwerken als auch die der Windparkbetreiber.

          So hat die Aktie von Repower Systems auf Sicht eines Jahres knapp 250 Prozent zugelegt, die von Nordex knapp 174 Prozent, die Papiere von Vestas Wind ein Plus von 93 Prozent und selbst die des Pleiteunternehmens Umweltkontor Renewable Energy konnte wohl aufgrund einer allgemeinen Euphorie etwas mehr als fünf Prozent zulegen.

          Gründe für Kursgewinne werden gesucht und gefunden ...

          Hintergrund scheint die Überlegung zu sein, anhaltend hohe Rohstoff- und Energiepreise würden die Produkte der Unternehmen konkurrenzfähiger im Vergleich mit konventionellen Stromerzeugern machen. Auch Meldungen aus den Vereinigten Staaten mögen eine Rolle spielen, künftig mehr aus alternative Energien zu setzen als auf konventionelle. Selbst dann, wenn es sich um mehr als um Lippenbekenntnisse handeln sollte, dürfte es empfehlenswerte sein, die Fakten nicht zu verkennen.

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          Und die zeigen, daß die Energiepreise zumindest in Deutschland künstlich verteuert sind.
          Wer weiß aber schon, wie lange sich die hohen Energiepreise halten lassen, ohne die Gesamtwirtschaft nachhaltig zu beeinträchtigen. Gleichzeitig haben sich viele Windkraftbetreiber in der Vergangenheit mit ihren Wirtschaftlichkeitsberechnungen massiv verschätzt, so daß sich viele Windparks trotz der hohen Subventionen nicht rechnen. Nicht selten wurden die Winde über- und die Unterhaltskosten unterschätzt. Selbst Betrügereien kamen vor.

          Aus diesen Gründen dürfte es kaum verwundern, daß die Aktien der Unternehmen in der Baisse massiv unter die Räder kamen. Die Papiere von Nordex etwa fielen von 109 Euro während der Euphorie noch im Juli des Jahres 2001 bis auf gerade noch 1,44 Euro im April des vergangenen Jahres. Inzwischen konnte sich die Aktie allerdings ähnlich deutlich von ihren Tiefs erholen wie jene von Repower Systems. Beide haben inzwischen den langfristigen Abwärtstrend längst hinter sich gelassen und streben wie in alten Zeiten nach oben.

          Deutliche Kursgewinne - hohe Bewertungen

          Die Aktie von Nordex hat alleine in der laufenden Woche knapp 44 Prozent zugelegt, am Freitag geht es um etwas mehr als zehn Prozent nach oben auf 12,36 Euro. Hintergrund dürften Meldungen sein, nach denen das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr nicht nur einen Gewinn erzielen, sondern dabei auch noch die ursprünglichen Erwartungen übertreffen wird. Man rechnet nun mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von 13,8 Millionen Euro, ließ das Unternehmen wissen. Hintergrund seien die hohen Strompreise in Deutschland.

          Am Donnerstag hatte das Unternehmen die Umsatzprognose für das laufende Jahr von 400 auf 460 Millionen Euro erhöht. Auch die Prognose für die Auftragseingänge für dieses Jahr wurden um 33 Prozent auf 600 Millionen Euro erhöht. Das klingt nicht schlecht. Allerdings gibt es ein Problem: Die Gewinnentwicklung scheint nicht mitzuhalten. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr liegt das Kurs-Gewinnverhältnis der Nordex-Aktie bei knapp 176 und der Repower-Aktie bei knapp 49. Auf dieser Basis muß man als Anleger schon recht optimistisch in die weitere Zukunft blicken, um sich die Papiere auf den erreichten Niveaus noch ins Depot zu legen.

          Absicherungsstrategien, wenn nicht gar Gewinnmitnahmen scheinen ratsam zu sein. Denn wer weiß schon, wie lange die Energiepreise angesichts möglicher Einsparpotentiale so hoch bleiben. Mit Blick auf die Erfahrungen der Vergangenheit wird man sich als Anleger auch die Frage stellen müssen, wie zuverlässig und beständig die produzierten Anlagen sind. Vor allem dann, wenn man den Blick auf die Off-Shore-Parks richtet, die offensichtlich die Phantasie mit manchen Anlegern durchgehen läßt.

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