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Technologiekonzern : EU-Strafe drückt Googles Gewinn massiv

Google-Logo am Hauptsitz des Unternehmens in der kalifornischen Stadt Mountain View Bild: AP

Die Milliardenbuße der EU gegen Google macht sich schon jetzt bemerkbar für den Konzern. Ein wichtiger Bereich läuft aber gut.

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          Die kürzlich von der EU-Kommission gegen den amerikanischen Internetkonzern Google verhängte Kartellstrafe hat den Gewinn von dessen Mutterholding Alphabet erheblich belastet. Alphabet meldete am Montag nach Börsenschluss einen Gewinnrückgang um 28 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Die europäischen Kartellwächter hatten Google im Juni mit einer Strafzahlung von 2,4 Milliarden Euro belegt. Sie sahen es als erwiesen an, dass das Unternehmen bei einem Preisvergleichsdienst seine marktbeherrschende Stellung missbraucht hat. Es ist das mit Abstand höchste Bußgeld, das die Europäer in einem solchen Verfahren jemals verlangt haben. Google hat zwar erklärt, eine Anfechtung der Strafe zu prüfen, trotzdem wurde die Strafe jetzt im Quartalsbericht verbucht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Abgesehen davon übertraf das Unternehmen aber mit seinen Zahlen die Erwartungen. Das Werbegeschäft, von dem Alphabet in erster Linie abhängt, wächst weiter kräftig. Offenbar hatte der Boykott einiger Werbekunden, der Ende des ersten Quartals für Schlagzeilen gesorgt hatte, keine allzu großen Nachwirkungen. Dieser Boykott war eine Reaktion darauf, dass auf der Videoseite Youtube Werbung für bekannte Marken neben antisemitischen und anderen extremistischen Inhalten aufgetaucht war.

          Insgesamt baute Alphabet seinen Umsatz in den vergangenen drei Monaten um 21 Prozent auf 26,0 Milliarden Dollar aus, Analysten hatten im Schnitt mit 25,7 Milliarden Dollar gerechnet. Der Gewinn je Aktie von 5,01 Dollar lag um 52 Cent über den Erwartungen. Obwohl die Zahlen abgesehen von der Kartellstrafe gut ausfielen, war die Börse nicht allzu beeindruckt. Im nachbörslichen Handel notierte der Kurs zeitweise 3 Prozent im Minus.

          Größter Teil der Google-Umsätze entfällt auf Werbung

          Seit der Gründung der Alphabet-Holding vor rund zwei Jahren ist Google nur noch eine von mehreren Tochtergesellschaften, wenn auch die mit Abstand größte, die für 99 Prozent des Umsatzes steht. Zu ihr gehören die gleichnamige Suchmaschine und eine Reihe anderer Produkte wie das Handy-Betriebssystem Android oder der Videodienst Youtube. Der größte Teil der Google-Umsätze entfällt auf Werbung.

          Immerhin 3,1 Milliarden Dollar und damit 42 Prozent mehr als im Vorjahr kommen aber auch von anderen Aktivitäten wie „Cloud Computing“. Google stellt hier Unternehmen, die ihre Informationstechnik ins Internet verlagern wollen, Computerkapazitäten zur Verfügung. Das Unternehmen konkurriert in dem Geschäft in erster Linie mit Amazon Web Services, der Cloud-Sparte des Online-Händlers Amazon, sowie mit dem Softwarekonzern Microsoft.

          Die anderen Alphabet-Einheiten neben Google sind ein bunter Strauß von Geschäften, zum Beispiel Waymo, das Projekt für autonomes Fahren, die Medizintechnikgesellschaft Verily oder Nest, ein Spezialist für Haushaltsprodukte, die mit dem Internet verbunden sind. Diese anderen Einheiten brachten zusammen einen überschaubaren Umsatz von 248 Millionen Dollar, was immerhin rund ein Drittel mehr als im Vorjahr war. Sie waren aber auch defizitär, ihr kombinierter Betriebsverlust betrug 772 Millionen Dollar.

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