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Allianz : Dresdner Bank schlimmer als „Kyrill“

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Die Dauerkrise bei der Dresdner Bank treiben Allianz-Chef Diekmann Sorgenfalten ins Gesicht Bild: ddp

Und wieder einmal vermasselt die Dresdner Bank der Allianz die Geschäftszahlen. Überraschend teilte der Versicherungskonzern mit, dass der Überschuss im ersten Quartal um zwei Drittel einbrach. Der Allianz-Kurs stürzte daraufhin zeitweise um mehr als 2 Prozent.

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          An der Dresdner Bank kann Michael Diekmann persönlich wachsen. Die Dauerbaustelle in Frankfurt kann der Vorstandsvorsitzende als Übung in Geduld, Gleichmut und Gelassenheit nutzen - die Bank kann ihm als Dauerübung in der Kunst der Zen-Meditation dienen.

          Wieder einmal hat die Krisenbank, die der Versicherungskonzern vor einigen Jahren komplett übernahm, der Allianz das Ergebnis verhagelt. Im vergangenen Jahr fegte der Wintersturm „Kyrill“ durch die Bilanz des Versicherers. Aber der Schaden wird noch übertroffen von den finanziellen Verwüstungen, die das Geldhaus in Frankfurt anrichtet.

          Dresdner Bank lässt Allianz-Kurs fallen

          Um 21 Prozent ist der Kurs der Allianz-Aktie seit Jahresbeginn schon gefallen. Am Dienstag fiel der Kurs um weitere 1,1 Prozent auf 129,31 Euro. Zeitweise stürzte die Notierung sogar um mehr als 2 Prozent unter die Marke von 128 Euro.

          Bild: F.A.Z.

          Überraschend nannte der Konzern vorläufige Zahlen für das erste Quartal. 900 Millionen Euro muss der Versicherungskonzern in München abschreiben, weil die Bank in Frankfurt tief von der internationalen Finanzkrise getroffen wurde.

          Insgesamt sind bei der Bank im Zuge der Finanzkrise nun Belastungen von insgesamt 2,5 Milliarden Euro aufgelaufen. Das ist weit mehr als bei vielen anderen deutschen Banken. Das ist vor allem deshalb ärgerlich, weil die Dresdner Bank auf Geheiß aus München ohnehin schon ihre Ambitionen im globalen Investmentbanking stark zurückschrauben musste.

          Überschuss um zwei Drittel gestürzt

          Der Überschuss des Allianz-Konzerns fiel im ersten Quartal von 3,2 Milliarden auf 1,1 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein Sturz um fast zwei Drittel. Das operative Ergebnis fiel von 2,9 auf etwas mehr als 1,8 Milliarden Euro. Dabei realisierte die Allianz angesichts der Börsenschwäche geringere Gewinne aus dem Verkauf von Aktien.

          Wegen der Belastungen durch den Orkan „Kyrill“ sank der Halbjahresüberschuss der Allianz im vergangenen Jahr um 347 Millionen auf 711 Millionen Euro. Der Sturm hatte im Januar 2007 in weiten Teilen Deutschlands schwere Verwüstungen angerichtet.

          Dresdner Bank steht wohl zum Verkauf

          Aus seinem Dauerfrust mit der Dresdner Bank hat Diekmann zuletzt kein Geheimnis mehr gemacht. Schließlich ist es nicht allein die Finanzkrise, die bei der Dresdner Bank die Zahlen belastet. Ein klares Bekenntnis zur Bank vermied er jüngst und bereitet möglicherweise die Zerschlagung der Krisenbank vor. Intern wurde die Bank schon in eine Investmentbank und in eine Privat- und Geschäftskundenbank aufgespalten.

          24 Milliarden Euro hatte die Allianz im Jahr 2001 für die Dresdner Bank bezahlt - das Geld ist voraussichtlich unwiederbringlich weg. Denn die Investmentbank gilt als schwer verkäuflich, und das Privatkundengeschäft kämpft mit Schwierigkeiten. Beide Bereiche gelten als schwer verkäuflich - auf jeden Fall dürfte die Allianz aus diesem Engagement nur um den Preis, die Verluste zu begrenzen, aussteigen können.

          Die Analysten halten sich noch mit einer Bewertung der neuesten Allianz-Zahlen zurück. Lediglich Sal. Oppenheim meldete sich mit der Einschätzung, dass die Zahlen „weitgehend im Rahmen der Erwartungen“ lägen. Im gegenwärtigen Umfeld sei dies ein gutes Ergebnis, hieß es. Sal. Oppenheim hatte sogar noch höhere Abschreibungen auf die Dresdner Bank befürchtet und bestätigte die Kaufempfehlung für die Allianz-Aktie.

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