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Schadenersatzforderungen : Allianz-Aktie fällt nach Asbest-Nachricht

  • Aktualisiert am

Abriss eines mit Asbest belasteten Hauses Bild: AP

Die Asbest-Klagewelle rollt: Honeywell senkt seine Gewinnprognosen, die Allianz erhöht ihre Rückstellungen. Vielen Firmen droht Ähnliches.

          Die Allianz muss bei ihrer amerikanischen Tochtergesellschaft Fireman's Fund wegen Asbest- und Umweltschäden in den USA zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 750 Millionen Dollar bilden. Damit rutscht die schon 2001 mit 365 Millionen Euro hoch defizitäre amerikanische Versicherung noch tiefer in die Verlustzone.

          Auch andere Versicherungen wie die American Re erhöhen ihre Astbestrückstellungen. Die Allianz-Aktie rutschte am Freitag bis gegen zehn Uhr um 2,9 Prozent auf 107,48 Euro.

          Klagen lösten Insolvenzen aus

          In den USA sind Asbest-Schäden schon lange ein Thema. Jüngstes Beispiel eines beklagten Unternehmens ist der Mischkonzern Honeywell, den tausende Asbest-Gerichtsverfahren belasten. Erst am Donnerstag hat in Illinois eine Gerichtsverhandlung begonnen (siehe Link), in der entschieden werden soll, inwieweit Honeywell für die Erkrankung von fünf Automechanikern an Lungenkrebs haften muss. Die Kläger fordern Schadenersatz in Höhe von 100 Millionen Dollar.

          Ähnliche Klagen haben in den USA bereits eine Reihe von Insolvenzen ausgelöst. Presseberichten zufolge könnten Asbest-Verfahren zu weitere Konkursen führen und mehr Arbeitsplätze kosten als die Enron- oder Worldcom-Debakel. Nach Berechnungen von Unternehmensberatern und Versicherungsstatistikern geht es um Forderungen in Höhe von mindestens 200 Milliarden Dollar.

          In Europa drohen Prozesse

          In Europa hingegen gab es bislang wenige Gerichtsverfahren wegen Asbest. Behandlungskosten werden meist von der Krankenversicherung abgedeckt. Doch jüngste Gerichtsurteile in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden könnten das ändern. Ein Spruch des Obersten Gerichtshofs in Frankreich alleine könnte die französischen Assekuranzen im kommenden Jahr 6,7 Milliarden Dollar kosten, sagen Versicherungsstatistiker.

          In Großbritannien und den Niederlanden gab es ähnliche Urteile - nicht nur zu Gunsten europäischer Kläger. Britische Richter haben jüngst der Forderung südafrikanischer Bergleute stattgegeben und den Hersteller von Isoliermaterial Cape dazu verpflichtet, ihnen 33 Millionen Dollar Schadenersatz zu zahlen. In vielen Ländern Afrikas und Lateinamerikas wird Asbest noch immer eingesetzt. Aus ihnen droht nach dem britischen Urteil eine weitere Klagewelle.

          Honeywell reduziert Gewinnprognose

          Honeywell hat währenddessen seine Gewinnprognosen für das dritte Quartal und Gesamtjahr 2002 gesenkt. Der wirtschaftliche Aufschwung komme nicht in Gang, begründete das Unternehmen seinen pessimistischeren Ausblick. Die Aktien fielen daraufhin im nachbörslichen Handel um neun Prozent. Am Freitag starteten sie in Deutschland mit einem Minus von fast zehn Prozent in den Handel. Um 9.05 Uhr notierten sie bei 26,10 Euro.

          „Der Aufschwung ist nicht soweit, wie wir vorhergesehen hatten“, sagte Honeywell-Chef David Cote in einer Telefonkonferenz mit Analysten und Anlegern. „In den gewinnträchtigsten Sektoren mussten wir die stärksten Einbrüche hinnehmen.“ Cote hat bereits im Juli die Gewinnerwartungen zurückgeschraubt. Damals sagte er, er erwarte einen Jahresgewinn von 2,25 US-Dollar je Aktie und ein Quartalsergebnis von 60 Cents je Anteilsschein. Jetzt rechnet er nur noch mit einem Gewinn von maximal 2,05 Dollar je Aktie im Gesamtjahr und 52 Cents je Aktie im Quartal.

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