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Alkohol und Zigaretten : Das Laster ist ein lohnendes Investment

Darauf erst mal einen Schluck: Die Werte der Bösewichte laufen an der Börse ziemlich gut. Bild: dpa

Alle Welt will in das Gute und Nachhaltige investieren. Mehr Geld kann verdienen, wer sein Gewissen an der Börse hintanstellt und die menschlichen Schwächen kennt.

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          Wer im Jahr 2009 Aktien von Constellation Brands gekauft hat, kann sich heute gleich mehrere gute Flaschen Wein aufmachen. Nicht nur weil er mit dem Kauf Anteilseigner eines der größten Weinkonzerne der Welt mit Marken wie Robert Mondavo und Mouton Cadet geworden ist. Sondern auch weil sich der Wert seiner Papiere seither verzehnfacht hat. Wer Anfang 2012 eingestiegen ist, hat seinen damaligen Einstiegspreis mit dem heutigen Kurs von 117 Dollar immerhin noch versechsfacht. Nicht nur der Wein, auch die Biermarken des Konzerns von Corona bis Tsingtao finden in der ganzen Welt immer mehr Liebhaber.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          An den Finanzmärkten wird seit einiger Zeit am liebsten über Nachhaltigkeit und die verantwortungsbewusste Investition in das Gute gesprochen. Allerorten legen Fondsgesellschaften Produkte auf, die Investitionen in Alkohol und Tabak in einem Atemzug mit Engagements in der Rüstungsindustrie ausschließen. Doch für die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen spielen solche Gewissensentscheidungen offenbar noch keine ausschlaggebende Rolle. Und wer das Gewissen bei der Anlageentscheidung hintanstellt, oder zumindest in Alkohol und Zigaretten noch kein Teufelswerk sieht, kann teilweise saftige Renditen einfahren.

          Wert der Philipp-Morris-Aktie verdreifacht sich

          Die an der New York Stock Exchange gelistete Constellation Brands ist nicht der einzige Alkoholproduzent, der seinen Anteilseignern in den vergangenen Jahren viel Freude bereitet hat. Auch die Londoner Diageo plc, mit deren Markensortiment von Johnnie Walker über Smirnoff bis Guiness sich mühelos ganze Bars füllen lassen, hat seit dem Jahr 2009 ihren Kurs mehr als verdoppelt. Die Papiere des belgischen Bierkonzerns Anheuser-Busch Inbev haben allein seit einem Jahr um 60 Prozent zugelegt.

          Ähnlich gut sieht die Entwicklung bei einigen Tabakkonzernen aus. In den meisten deutschen Lokalen darf nicht mehr geraucht werden, in ganz Europa sollen bald Horrorbilder die Kippenpackungen zieren – doch allen Gängelungen der Tabakindustrie zum Trotz sind ihre Aktien äußerst beliebt. Wer Anfang 2009 etwa zur rechten Zeit in die Aktien des Marlboro-Konzerns Philipp Morris investiert hat, hat sein Geld bis heute mehr als verdreifacht.

          Alle Bösewichte der Börse vereint der Vice Fund, zu Deutsch der Laster-Fonds, den die amerikanische Investmentfirma USA Mutuals im Jahr 2002 aufgelegt hat. Neben Zigaretten- und Alkoholherstellern liegen auch Casino-Betreiber und Rüstungskonzerne im Portfolio. Die Rendite ist so gut, dass Morning Star und Lipper den Fonds jeweils mit den Top-Ratings ausgestattet haben.

          Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School haben für eine gerade veröffentlichte Studie der Credit Suisse einmal das Gute gegen das Böse antreten lassen, sozusagen das Engelchen und das Teufelchen auf den Schultern des Anlegers. Auf der einen Seite stand der Vice Fund, auf der anderen der Vanguard FTSE Social Index Fund, der nur in Unternehmen investiert, die sich bestimmten sozialen und ethischen Grundsätzen verschreiben. Das gesamte Sortiment des Vice Funds ist dort tabu.

          Branche relativ unabhängig von wirtschaftlicher Entwicklung

          Sieger des Vergleichs: das Teufelchen. Wer im Jahr 2002 in den Vice Fund 10.000 Dollar investiert hat, dessen Geld hat sich nach den Berechnungen bis heute auf 33.655 Dollar mehr als verdreifacht. Wer zur gleichen Zeit ebenso viel Geld in den Vanguard FTSE Social Index Fund gesteckt hat, muss sich mit 26788 Dollar bescheiden. Zum Vergleich: Der S&P 500, der den ganzen amerikanischen Markt abdeckt, liegt etwa in der Mitte.

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