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Akustik : Phonak-Aktie vor charttechnischem Widerstand

  • Aktualisiert am

Phonak-Chef Valentin Chapero will die Profitabilität weiter steigern Bild: REUTERS

Phonak übernimmt den Konkurrenten Resound und steigt zum weltgrößten Hörgerätehersteller auf. Das Unternehmen will weiter wachsen. Ein Einstieg bietet sich aber erst an, wenn die Aktie aus dem Seitwärtstrend ausbricht.

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          Siemens hat derzeit nicht nur Ärger mit der Pleite von Benq in Deutschland, der Konzern hat auch seine Position als Weltmarktführer verloren - zumindest im hoch lukrativen Markt für Hörhilfen. Denn der Schweizer Hörgerätehersteller Phonak übernimmt den dänischen Konkurrenten Resound Group und verdrängt damit Siemens von der Position des Weltmarktführers.

          Die Phonak-Aktionäre sind wohl mit der neuen Stärke ihres Unternehmens zufrieden, mit dem Kaufpreis sind sie es nicht: Die Phonak-Aktien notierten gegen Mittag 2,3 Prozent im Minus bei 77,30 Franken (Isin CH0012549785). „Insgesamt werten wir die Akquisition als teuer“, hieß es bei der Zürcher Kantonalbank. Phonak habe jedoch die einmalige Chance für einen Wachstumssprung ergreifen müssen.

          Auch Siemens hatte wohl Interesse

          Phonak läßt sich die Übernahme nach eigenen Angaben vom Montag 15,5 Milliarden dänische Kronen in bar oder umgerechnet 3,3 Milliarden Franken (gut zwei Milliarden Euro) kosten. Den Kaufpreis, der über Analystenerwartungen liegt, will Phonak durch einen Bankkredit von 1,3 Milliarden Franken und die Ausgabe neuer Aktien finanzieren.

          Phonak wird Weltmarktführer bei Hörgeräten
          Phonak wird Weltmarktführer bei Hörgeräten : Bild: AP

          Die Transaktion kommt nicht ganz überraschend. Die Resound-Muttergesellschaft GN Store Nord hatte im Juli erklärt, daß Resound angesichts von enttäuschenden Umsätzen im Hochpreissegment verkauft werden könnte, und hatte einen Bieterprozeß eingeleitet. Zu den Interessenten gehörten Zeitungsberichten zufolge neben Phonak auch Siemens und die dänische William Demant, die damalige Nummer zwei der Branche.

          Größenvorteile im Einkauf und der Produktion

          Gemeinsam kommen Phonak, bisher der drittgrößte Anbieter, und die Nummer vier auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Franken und ein Betriebsergebnis (Ebita) von 312 Millionen Franken. Die Übernahme schaffe den ersten wirklich weltweit tätigen Hersteller von Hörhilfen, hieß es weiter. Resound setzte bisher jährlich rund 700 Millionen Franken um.

          Das neue Unternehmen werde im Einkauf und in der Produktion unmittelbar von Größenvorteilen profitieren, hieß es weiter. Im Geschäftsjahr 2009/10 peilt Phonak jährliche Synergien von rund 100 Millionen Franken an. Marken und Außendienste sollen beibehalten werden, während einige rückwärtigen Bereiche zusammengelegt werden sollen.

          Zehn Prozent Wachstum im Jahr angestrebt

          Für das Management wird es darum gehen, die Margen von Resound, die sich im Vorjahr auf gut 14 Prozent beliefen, zu verdoppeln. „Ich sehe keinen Grund, weshalb Resound nicht in der Lage sein sollte, in den nächsten zwei bis drei Jahren Wachstumsraten und Gewinnmargen entsprechend dem Branchenbenchmark zu erreichen“, teilte Phonak-Chef Valentin Chapero mit. Chapero kam 2002 von Siemens zu dem Schweizer Unternehmen. Bei Phonak lag die Betriebsgewinnmarge zuletzt zehn Punkte höher als bei Resound bei 24 Prozent.

          Das neue Unternehmen soll jährlich rund zehn Prozent wachsen und hat sich bis 2009/10 eine Ebita-Marge von 27 bis 29 Prozent vorgenommen. Die Transaktion erfordere die Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden. Danach soll eine Generalversammlung über die Kapitalerhöhung entscheiden. Die Gründungsaktionäre, die rund 30 Prozent an Phonak halten, wollen die Kapitalerhöhung mittragen.

          Gewinn und Umsatz legen ordentlich zu

          Die Phonak-Aktie begann ihre ansehnliche Hausse 2003 bei 9,35 Franken. Im April dieses Jahres erreichte das Papier in Zürich ein Rekordhoch bei 79,60 Franken. Seither läuft die Aktie eher seitwärts. Im September war ein neues Rekordhoch nicht weit, aber mehr als 79,10 Franken waren nicht drin. Am Montag fiel das Papier zunächst sechs Prozent, erholte sich dann aber wieder und lag gegen Mittag 2,3 Prozent im Minus bei 77,30 Franken.

          Der Entwicklung des Aktienkurses ist fundamental untermauert: In den Geschäftsjahren 2003/04 bis 2005/06 hat sich der Gewinn nach Steuern von 69,4 Millionen auf 172,5 Millionen Franken mehr als verdoppelt. 2002/03 war noch ein Minus von 46,8 Millionen Franken geblieben. Der Umsatz legte in den vergangenen drei Geschäftsjahren um 40 Prozent auf 866,7 Millionen Franken zu. Die Eigenkapitalquote stieg im gleichen Zeitraum von 51,1 auf 67,3 Prozent - die recht teure Übernahme sollte den Konzern daher nicht vor unlösbare Aufgaben stellen.

          Aktie kein Schnäppchen mehr

          Dem Phonak-Management ist zuzutrauen, die angestrebten Margen und das geplante Wachstum zu erreichen. Auch der Markt für Hörgeräte darf als Wachstumsmarkt gelten. Damit sollten Gewinn und Umsatz auf mittlere Sicht zulegen und auch die Aktie zu den Gewinnern gehören.

          Allerdings dürfen Anleger nicht vergessen, daß die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25,3 für das laufende und 21,5 für das kommende Geschäftsjahr kein Schnäppchen mehr ist. Die recht ambitionierte Bewertung zeigt das Rückschlagpotential auf. Außerdem bietet sich ein Einstieg aus charttechnischer Sicht erst an, wenn die Aktie aus dem Seitwärtstrend nach oben ausbricht. Das wäre ein charttechnisches Kaufsignal.

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